Ärzte Zeitung App, 23.10.2014

Ausbildung

Angehende MFA brauchen verbindliche Strukturen

Eine junge MFA in den Arbeitsalltag der Praxis zu integrieren gelingt nicht immer reibungslos. In den ersten Tagen zählen richtiges Fingerspitzengefühl und ein klarer Ausbildungsplan.

Von Marion Lisson

Angehende MFA brauchen verbindliche Strukturen

Auszubildende MFA in der Hausarztpraxis sollten eine Mentorin als feste Ansprechpartnerin haben.

© Klaus Rose / dpa

HEIDELBERG. Sie kommen frisch von der Schule, sind meist 16 bis 19 Jahre alt und haben richtig Bammel vor ihrem ersten Tag als Azubi in einer Hausarztpraxis. "Plötzlich ist man die Jüngste, die Neue und die Anfängerin", weiß Iris Schluckebier.

Die erfahrene Medizinische Fachangestellte (MFA) rät ihren Kolleginnen: "Zeigen Sie Verständnis. Besonders am Anfang sind Zuwendung, Anerkennung und Bestätigung enorm wichtig."

"So leiten Sie Azubis richtig an" hieß das Thema des Workshops in Heidelberg. Eingeladen hatte die Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung zum 21. Heidelberger Tag der Allgemeinmedizin.

Erfahrene MFA sitzen im Raum. Viele von ihnen sind Erstkräfte in den Praxen, einige haben sich bereits als Verah, Agnes, Eva oder Qualitätsbeauftragte qualifiziert. Azubis auszubilden, gehört zu ihrem Alltag. Nicht immer klappt das reibungslos.

"Unsere Azubi macht mich fuchsteufelswild. Deshalb bin ich hier. Da kann der Papierkorb überquellen und sie sitzt lächelnd daneben und macht nix", empört sich eine MFA aus Nordbaden. Andere lachen. Eine kurzhaarige 50-jährige verrät, dass man in ihrer Praxis beim Azubi gerne vom "aseptischen Knecht" spricht. "Die neue Generation tickt anders", glauben sogar manche Workshopteilnehmer.

MFA aus dem 2. Lehrjahr als Patin

Wichtige Tipps für Ausbilderinnen

Ausreichend Zeit für die Einführung in die Arbeitswelt nehmen.

Erste Schritte behutsam gehen, nicht zu groß und nicht zu klein.

b>Mit Zuwendung, Bestätigung und Anerkennung arbeiten, besonders in der Anfangsphase.

Kontakt kontinuierlich und wohlwollend aufbauen.

Routine ist erstrebenswert, aber nicht Monotonie.

Zum Durchhalten motivieren – etwa durch neue Aufgaben.

Iris Schluckebier, die den Workshop leitet, hört bei ihren Veranstaltungen immer wieder von solchen Problemen. Es sei insbesondere für die Erstkraft nicht immer leicht, neben allen anderen Aufgaben noch die Ausbildung der Azubis zu begleiten, weiß sie. Die Nordrhein-Westfälin rät dazu, Kolleginnen mit einzubeziehen.

"Es kann bereits einer Auszubildenden im zweiten Lehrgang sehr gut tun, der Neuen als Patin oder Mentorin zur Seite zu stehen und bei den ersten Schritten in der Praxis zu helfen", glaubt sie. Die beiden Mädchen hätten zudem aufgrund ihres Alters meist einen sehr viel leichteren Zugang zueinander. Auch andere im Team könnten helfen.

"Bei uns wird der Azubi immer mit einer erfahrenen Kraft quasi als Schatten mitgeschickt", erzählt dazu die Arzthelferin einer großen Gemeinschaftspraxis.

So lerne die Auszubildende nach und nach die Bereiche Labor, Röntgen, Assistenz und Empfang kennen. "Ich denke, das Sortieren der Karteikarten ist ebenfalls ein guter Einstieg. Da kann man zunächst einmal die Patientennamen kennen lernen", meint eine Kollegin neben ihr.

Wie man ausbildet und was zu beachten ist - hier verlassen sich die MFA meist auf ihre eigenen Erfahrungen, ihre Menschenkenntnis und ihr Fingerspitzengefühl.

"Drei Jahre Kaffee kochen und Papierkörbe leeren lassen und anschließend den Azubi zur Post schicken - das geht gar nicht", hatte Workshopleiterin Schluckebier bereits zu Anfang der Veranstaltung gewarnt. Sie machte zugleich deutlich: "Wir haben den jungen Menschen gegenüber eine Ausbildungspflicht."

Das bedeute konkret, dass man einen Ausbildungsplan haben sollte, wenn man eine Azubi einstelle. Hier müsse drinstehen, welche Bereiche die Auszubildende zu welchem Zeitpunkt durchlaufen sollte.

Die künftige MFA sei im Übrigen während ihrer Ausbildungszeit keine vollwertige Arbeitskraft. Fehler dürften gemacht werden, müssten jedoch von den Ausbilderinnen sinnvoll genutzt werden.

"Geben Sie ihrer Azubi, wenn was schief geht, keine auf den Deckel, sondern erklären Sie, warum beispielsweise die fehlende Sonderziffer für das Labor so wichtig ist", ermahnt Schluckebier, denn auch sie weiß: Nicht immer läuft eine Ausbildung optimal.

Zu kurze Einarbeitungszeit

Beim Workshop erzählt eine MFA, wie arg es bei ihr war. "Nur ein halbes Jahr lang habe ich Zeit gehabt, mich einzuarbeiten - ab dann musste ich Seite an Seite mit einer anderen Kollegin die Aufgaben einer ausgelernten Kraft stemmen", berichtet sie.

Sie sei mit ihrer Ausbildung und ihrem Job völlig überfordert gewesen, erinnert sie sich und spricht von einer super harten Zeit. Ihren neuen Kolleginnen wünscht sie einen besseren Einstieg ins Berufsleben - ihren Teil will sie dazu beitragen.

"Vergessen Sie nie, dass auch Sie einmal klein angefangen haben und wie Sie sich dabei gefühlt haben", rät Schluckebier den Anwesenden. Den neuen Kolleginnen einen freundlichen Empfang zu bereiten, müsse selbstverständlich für das Team sein.

Es sei genauso wichtig, hier Führung zu übernehmen und die Mitarbeiterinnen zu selbstständigem Arbeiten und motiviertem Lernen anzuhalten. "Sie sollten dabei nicht kleinlich, aber immer genau sein", empfiehlt die Fachfrau.

Ein gepflegtes Aussehen sowie höfliche Umgangsformen sollten alle im Team dem Azubi vorleben. Die Höflichkeit der Mitarbeiterinnen am Empfang sei schließlich das Aushängeschild jeder Praxis. "Wenn der Chef oder die Chefin kauzig sind, dann kommt das bei Patienten nicht so schlimm an, als wenn sie bei der Anmeldung unfreundlich von uns angegangen werden", glaubt die erfahrene MFA.

Schluckebiers Fazit: "Der Einsatz für den Azubi-Nachwuchs lohnt sich - spätestens dann, wenn die Auszubildende ihre Abschlussprüfung geschafft und vom Praxischef als Kollegin eingestellt wird."

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