Ärzte Zeitung online, 04.08.2017

24-Stunden-Betreuung

Alles andere als systematische Ausbeutung!

Eine erste Studie beleuchtet die Situation von osteuropäischen Betreuungskräften in Privathaushalten. Anscheinend ist an dem Bild der ausgebeuteten polnischen Betreuerinnen wenig dran.

Alles andere als systematische Ausbeutung!

Seniorin und ihre Betreuerin: Ist die Berufssituation von Pflegern, die 24-Stunden-Betreuung leisten, besser als gedacht?

© Alexander Raths / Fotolia

BERLIN/SAARBRÜCKEN. Osteuropäische Betreuungspersonen, die in deutschen Privathaushalten in der sogenannten "24-Stunden-Betreuung" (Betreuung in häuslicher Gemeinschaft) tätig sind, betrachten sich selbst als fair behandelt und empfinden ihre Entlohnung meist als angemessen.

Das zeigt eine von der Berufsakademie für Gesundheits- und Sozialwesen Saarland (BAGSS) im Auftrag des Verbandes für häusliche Betreuung und Pflege (VHBP) und der Hausengel PflegeAllianz durchgeführte Studie.

Demnach sind erstmals die Tätigkeiten, die polnische Betreuungspersonen in deutschen Privathaushalten erbringen, sowie deren persönliche, berufliche und finanzielle Hintergründe wissenschaftlich untersucht worden.

Befragungen und Protollauswertungen

Insgesamt wurden laut BAGSS 904 polnische Betreuungspersonen, 94 Familienangehörige pflegebedürftiger Senioren und 65 Dienstleistungsunternehmen der Branche befragt, sowie elf Tagesablaufprotokolle ausgewertet.

Der Studie zufolge sind die Hauptaufgaben der Betreuungspersonen die klassische Hauswirtschaft (2:42 Stunden je Tag), Betreuung (2:15 Stunden täglich) und Grundpflege (1:41 Stunden am Tag). 

Bruttoeinkommen 2200 Euro?

Die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit von Betreuungspersonen in häuslicher Gemeinschaft beträgt laut der Studie sechs Stunden und 47 Minuten – und damit rund 45 Stunden in der Woche.

Durchschnittlich arbeiteten sie etwa 200 Tage im Jahr, die sich meist auf drei bis vier Einsätze mit einer Dauer von acht Wochen verteilen. Das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen dieser Betreuungspersonen beträgt rund 1200 Euro bei freier Kost und Logis. Dies sei in etwa mit einem Bruttoeinkommen von 2000 bis 2200 Euro gleichzusetzen.

Der größte Teil der Befragten sieht sein Beschäftigungsverhältnis durch einen hohen Grad an Autonomie gekennzeichnet. Knapp 98 Prozent der Befragten verfügten über umfassende Erfahrung als Betreuungsperson, 78 Prozent besitzen mindestens Abitur. (maw)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Schwere Grippewelle hat Deutschland im Griff

Die aktuelle Grippewelle tobt und beschert Praxen und Kliniken einen regen Zulauf. Das RKI hat Tipps, worauf Ärzte jetzt achten sollten. mehr »

Bodyguard lässt sich von Steuer absetzen

211.000 Euro hatte eine Frau für einen Bodyguard steuerlich abgesetzt - zu Recht, entschied jetzt ein Gericht. Eine Rentnerin aus NRW schützt sich so steuersparend vor einer falschen Ärztin. mehr »

Die Ängste der Akademiker

Albtraum Studium? Jeder sechste Studierende leidet nach Angaben der Barmer unter einer psychischen Störung. Tendenz steigend. mehr »