Ärzte Zeitung online, 15.07.2019

Anwerbeversuche

Spahn will Pflegekräfte aus dem Kosovo

Gesundheitsminister Jens Spahn treibt die Zusammenarbeit mit dem Kosovo voran. Ziel ist es, Arbeitskräfte für den Pflegesektor in Deutschland anzuwerben.

Von Anno Fricke

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Gesprächsrunde mit Pflegeschülern: Gesundheitsminister Jens Spahn am Montag im Kosovo.

© BMG/Alexander Heinl (photothek)

BERLIN. Deutschland und der Kosovo wollen ab sofort verstärkt auf dem Gebiet der Gesundheitssystementwicklung zusammenarbeiten.

Dazu haben Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und sein kosovarischer Kollege Gesundheitsminister Uran Ismajli eine Joint Declaration unterzeichnet. Sie enthält unter anderem Absichtserklärungen, die Qualifizierung von Pflegepersonal zu unterstützen.

Bei seinem Besuch am Montag im Kosovo traf Spahn auch mit Pflegeschülern zusammen. „Pflegekräfte aus dem Ausland können eine weitere Stütze für den deutschen Arbeitsmarkt sein“, hieß es dazu am Montag aus dem Gesundheitsministerium.

Um die Anwerbung ausländischer Pflegekräfte zu beschleunigen, treibe Spahn die Zusammenarbeit mit dem Kosovo voran. Diese Kooperation diene als eine Art Blaupause für die Kooperation mit anderen Ländern.

Mehrere Kosovaren arbeiten im Diakonischen Werk

Auch abseits der Politik wird bereits seit einigen Jahren um Pflegekräfte vom Balkan geworben. Im September werden 90 junge Menschen aus dem Kosovo in mehreren Einrichtungen des Diakonischen Werkes Baden-Württemberg eine dreijährige Ausbildung als Altenpflegekräfte aufnehmen.

Schon heute sind dort 180 Kosovarinnen und Kosovarer in Ausbildung, 24 haben bereits ihren Abschluss in der Tasche.

Seit 2015 bietet das Diakonische Werk in Stuttgart eigenen Angaben zufolge in Zusammenarbeit mit einer Partnerorganisation im Kosovo die Pflegeausbildung an. Voraussetzung sei ein Zeugnis der medizinischen Schule in dem Balkanland.

Auch für Krankenpflege gesucht

Auch für die Krankenpflege werden im Kosovo Pflegerinnen und Pfleger geworben. 40 Absolventen eines Vorbereitungskurses in dem Balkanstaat sollen einem Bericht des „Deutschlandfunks“ zufolge demnächst nach Deutschland kommen.

3000 Krankenpfleger aus Albanien seien ebenfalls bereits in deutschen Kliniken tätig. Die Kosten für die Vorbereitungskurse der in der Regel sogar akademisch ausgebildeten Pflegekräfte übernehme die Dekra Akademie in Deutschland.

Pflegekräfte aus dem Ausland werden nach Ansicht von Fachleuten den wachsenden Bedarf an Arbeitskraft in der Pflege in Deutschland nicht decken können. Ausweislich des aktuellen AOK-Pflegereports fehlen bis 2030 rund 130.000 Altenpflegekräfte.

Um diese Lücke zu schließen, sollen auch verstärkt ausländische Pflegekräfte gewonnen werden. Die Konzertierte Aktion Pflege (KAP) hat sich darauf geeinigt, vorrangig auf Pflegefachkräfte aus der Europäischen Union, zusätzlich aber auch auf Hilfe aus Drittstaaten zu setzen.

Westerfellhaus skeptisch

Für den Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, ist das jedoch nur einer von vielen Bausteinen. „Ich persönlich sehe ein größeres Potenzial in der Weiterqualifizierung von schon in der Pflege tätigen Helfern sowie in der Rückgewinnung von Berufsaussteigern“, sagte Westerfellhaus der „Ärzte Zeitung“.

Damit in Drittstaaten für die Pflege in Deutschland gewonnene Arbeitskräfte auch schnell einsteigen können, sollte das Auswärtige Amt, wie in der KAP zugesagt, die Visaverfahren beschleunigen. „Alles andere wäre nicht akzeptabel“, sagte Westerfellhaus.

Als „temporäres Instrument“ sehen Wissenschaftler des Statistischen Bundesamtes und des Bundesinstituts für Berufsbildung die Arbeitsmigration in die Pflege. Es sei „aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive lohnenswerter, Pflegekräfte in Deutschland auszubilden“, heißt es in einer Untersuchung von Anja Afentakis (Destatis) und Tobias Maier (BiBB) von 2014.

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