Kongress, 06.06.2013

Ambulante Versorgung

Gute Startbedingungen für junge Ärzte

Die ambulante Versorgung in Deutschland wandelt sich. Doch der Ärzte-Nachwuchs hat zurzeit für einen Einstieg in den Arztberuf alles andere als schlechte Karten.

Von Angela Mißlbeck

Gute Startbedingungen für junge Ärzte

Und ab ins Berufsleben! Junge Ärzte haben dafür eine gute Ausgangsposition.

© Jenny Sturm / panthermedia.net

BERLIN. Wer in der ambulanten Versorgung arbeiten will, hat derzeit vielfältige Einstiegschancen und gute Bedingungen.

Das war das Fazit von Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und der Apotheker- und Ärztebank im Rahmen des Tages der Niedergelassenen beim Hauptstadtkongress.

"Wir sind für unsere Patienten da. Acht Stunden am Tag. 100 Prozent." Mit dieser Aussage reagieren Medizinstudenten auf die Image-Kampagne der KBV unter dem Motto "Ich arbeite für Ihr Leben gern."

Die KBV betrachtet diese Modifikation als "zentrales Problem" bei der Gewinnung von Nachwuchsärzten für die ambulante Versorgung. "Das ist eine ganz neue Grundhaltung, mit der wir uns jetzt auseinandersetzen müssen", sagte KBV-Chef Dr. Andreas Köhler beim Hauptstadtkongress.

Doch er stellte auch fest: "Die Struktur der ambulanten Versorgung verändert sich in Richtung der Bedürfnisse nach mehr Kooperation und Team."

Weiterbildungsbörse kommt gut an

Aktuell zählt die KBV 19.000 angestellte Ärzte in der ambulanten Versorgung und 1400 Medizinische Versorgungszentren. 39 Prozent der ambulanten Ärzte arbeiten laut KBV-Chef Köhler in Berufsausübungsgemeinschaften.

Mit zahlreichen Förderinstrumenten versucht zum Beispiel die KV Brandenburg junge Ärzte zur Niederlassung im dünn versorgten Flächenland zu bewegen. 3500 Euro pro Monat erhalten Ärzte in der Weiterbildung Allgemeinmedizin, bis zu 1750 Euro Weiterbildungsassistenten in der Augen-, Hals-Nasen-Ohren-, Nervenheilkunde, Dermatologie und Gynäkologie.

In unterversorgten Regionen legt die KVBB für den Hausärztenachwuchs 500 Euro drauf, in von Unterversorgung bedrohten Regionen 250 Euro.

Zusätzlich gibt es Weiterbildungsnetze. Sie sollen Ärzten in Weiterbildung "alles abnehmen, was organisiert werden muss", sagte die KVBB-Niederlassungsberaterin Karin Rettkowski.

Eine Weiterbildungsbörse wird nach ihren Angaben sehr gut angenommen.

Mit den Effekten der Maßnahmen zeigte sich Rettkowski zufrieden: Seit 2010 ist die Zahl der Weiterbildungsassistenten Allgemeinmedizin in Brandenburg von 81 auf 98 gestiegen, die Zahl der Weiterbildungsassistenten anderer Fachrichtungen von 50 auf 69.

"Niederlassung lohnt sich"

Robert Bachmann, Praxisberater der KV Berlin, beobachtet, dass es auch in Berlin inzwischen teilweise schon schwierig ist, Hausarztsitze nachzubesetzen.

"Ging das früher relativ zügig, brauchen in bestimmten Regionen Ärzte heute schon zwei bis drei Jahre, um einen Nachfolger zu finden", sagte er.

Das gilt nach seinen Angaben vor allem für die östlichen Bezirke. Eine weitere Beobachtung Bachmanns: Viele Ärzte würden inzwischen zwar über eine Anstellung in die ambulante Medizin einsteigen, sich dann aber doch niederlassen, weil sie feststellen, dass es nicht so schwer sei und sie bessere Verdienstmöglichkeiten hätten.

"Niederlassung lohnt sich", so das Credo von apoBank-Berater Andreas Graichen. Das aktuelle Niedrigzinsniveau verspricht Ärzten laut Graichen Kreditkonditionen von 1,5 bis 2,5 Prozent bei einer Praxisgründung oder -übernahme.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Drastisch veränderte Mundflora bei Krebs

Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle ist die Zusammensetzung des oralen Keimwelt im Vergleich zu Gesunden drastisch verschoben. mehr »

So wird Insulin für Diabetiker produziert

Hinter den Toren des Industrieparks Höchst bieten sich faszinierende Einblicke in die Welt der Hochleistungs-Biotechnologie: Milliarden von E.coli-Bakterien produzieren hier das für Diabetiker überlebenswichtige Insulin. mehr »

Angst vor Epidemien in Lagern

Nach ihrer dramatischen Flucht aus Myanmar suchen über eine halbe Million Rohingya Schutz in Bangladesch. Die Lage in den eilig aufgeschlagenen Lagern ist desolat. mehr »