Ärzte Zeitung online, 14.10.2013

Ärztinnen mit Kind

Gefangen in traditionellen Rollen

Mutter und Ärztin - das ist für viele Frauen immer noch schwer vereinbar, zeigt die KarMed-Studie. Selbst männliche Kollegen mit Kind stehen im Vergleich deutlich besser da.

Von Dirk Schnack

 Gefangen in traditionellen Rollen

Ärztin mit Kind: Traditionelle Rollenmuster in der Familie erschweren Ärztinnen mit Kind die Weiterbildung, wie eine Befragung zeigt.

© Aletia / shutterstock.com

HAMBURG. Egalitäre Partnerschaften, Chancengleichheit, gleich verteilte Belastungen?

Für junge Ärztinnen mit Kind gilt dies zum Start ihrer Weiterbildung auch heute noch nicht. Darauf deuten jüngste Untersuchungen der KarMed-Studie hin, die Absolventen des Jahrgangs 2009 an sieben medizinischen Fakultäten befragt hat.

In der vom Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) koordinierten Studie wird deutlich, dass Ärztinnen und Ärzte an ihrem Berufsanfang fast durchgängig die Absicht verfolgen, eine fachärztliche Anerkennung zu erreichen.

"Für die häufig behauptete Tendenz einer Abkehr von der klinischen Tätigkeit fanden wir ein Jahr nach dem Endexamen genauso wenig Indizien wie vor der Approbation", heißt es in der von Professor Hendrik van den Bussche und Mitarbeitern ausgewerteten Untersuchung.

Auch die These von einer zunehmenden Auswanderung sei nicht zu halten: Nur drei Prozent der untersuchten Kohorte sei ins Ausland gewechselt, geplant hatten dies zum PJ noch sieben Prozent.

Traditionelle Rollenmuster in der Familie erschweren Ärztinnen mit Kind die Weiterbildung

Auffällig ist, dass erst 18 Prozent der rund 1000 Befragten zu diesem Zeitpunkt ihre Promotion abgeschlossen haben. Für die Autoren ist dies ein Hinweis auf ein von den Fakultäten und Ärztekammern bislang kaum wahrgenommenes Problem: die schwere Vereinbarkeit von Studienabschluss, Promotion und Weiterbildung.

Auch geschlechterspezifische Unterschiede zeigten sich in der Befragung. So geraten Ärztinnen bei verschiedenen Aspekten schnell gegenüber ihren männlichen Kollegen in Rückstand. Einige Beispiele aus der Studie:

Ungleiche Zuteilung von universitären Weiterbildungsstellen: Dort erhalten Männer häufiger eine Weiterbildungsstelle als Frauen, die ihre erste Stelle oft an kleinstädtischen oder ländlichen Krankenhäusern finden. Nach Ansicht der Studienautoren dürfte dies für eine spätere Bewerbung in einem Haus der Maximalversorgung von Nachteil sein.

› Ärztinnen mit Kind beginnen die fachärztliche Weiterbildung später als der Durchschnitt. Dagegen fangen Ärzte mit Kind sogar früher an als ohne Kind.

› Ärzte mit Kind leisten mehr Bereitschaftsdienste als ohne Kind und als Ärztinnen mit Kind. "Vermutlich steht dahinter das Motiv der Einkommensmehrung in einer jungen Familie durch den Ehemann", schreiben die Studienautoren.

› Partnerinnen von Ärzten mit Kind sind seltener berufstätig - nur 20 Prozent haben eine Vollzeitstelle. Die Partner von Ärztinnen mit Kind dagegen sind zu 90 Prozent voll berufstätig. Schlussfolgerung: "Damit dürften die Partnerinnen in einem größeren Umfang ihren ärztlichen Partner entlasten und ihm somit den Rücken freihalten als dies umgekehrt durch Partner der Ärztinnen der Fall ist.

› Unterschiedlich stark fühlen sich Ärztinnen und Ärzte auch für Haushalt und Kinder zuständig. Dies gilt besonders für die Kinderbetreuung, für die Ärztinnen in Weiterbildung im Durchschnitt mit täglich 3,7 Stunden doppelt so viele Stunden aufwenden wie ihre männlichen Kollegen (1,9 Stunden).

Für die Studienautoren liegt der Grund für die geringeren Chancen und höheren Belastungen von Ärztinnen im Fortbestand traditioneller Rollenmuster in der Familie: "Hier der zeitlich stark in Anspruch genommene väterliche Familienernährer, dort die nicht berufstätige oder nicht vollzeit-beschäftigte kinderbetreuende Mutter".

Diese Arbeitsteilung, schreiben die Autoren, existiere jenseits von öffentlich artikulierten Vorstellungen von egalitären Partnerschaften weiter.

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