Ärzte Zeitung, 17.06.2014

Schleswig-Holstein

Medizinstudenten gehen auf Landpartie im MVZ

Ab aufs Land: 18 Medizinstudenten aus Kiel konnten nicht nur frische Landluft atmen, sondern auch in den Arbeitsalltag eines Medizinischen Versorgungszentrums hineinschnuppern. Von den Ärzten wollten sie dabei nicht nur Antwort auf fachliche Fragen.

Von Dirk Schnack

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Praxisalltag live für Medizinstudenten: Allgemeinärztin Annabell Hönninger (Mitte) demonstriert die Arbeit mit EKG.

© Dirk Schnack

RENDSBURG. Patienten im Sprechzimmer, auf der Untersuchungsliege und im Wartezimmer: Im MVZ Wagenhaus in Rendsburg herrscht Praxisbetrieb.

Alltag in dem ambulanten Zentrum in der kleinen Stadt - mit einem Unterschied: 18 Medizinstudenten aus der Landeshauptstadt Kiel lernen den Praxisbetrieb heute hautnah kennen und werden von Annabell Hönninger durch das MVZ geführt.

Die angestellte Fachärztin für Allgemeinmedizin erläutert die Organisation und Arbeitsweise des Ärztezentrums. Die angehenden Mediziner, größtenteils höhere Semester, stellen gezielte Fragen: "Kann man sich hier auch einkaufen?" - "Sind Patienten auf dem Land anders als in der Stadt?" - "Wie viele Patienten am Tag behandeln Sie?" - "Wie viel Klinikerfahrung ist vor der ambulanten Tätigkeit nötig?" All das wollen die Besucher von der erfahrenen Ärztin wissen.

Mit der KV entspannt aufs Land

Organisiert wurde die "Landpartie", die anschließend in einem weiteren MVZ im ländlichen Kropp abgerundet wurde, von der KV SchleswigHolstein.

"Wir wollen ambulante Versorgung erlebbar machen und mit konkreten Beispielen zeigen, wie vielfältig und attraktiv der Beruf des niedergelassenen Arztes ist", sagte KV-Chefin Dr. Monika Schliffke.

Nachdem Hönninger die Handhabung des EKG demonstriert hat, schildert sie ihre persönliche Sichtweise: Das Arbeiten im ambulanten Bereich hält sie für entspannter als in der Klinik, weil sie hier geregelte Arbeitszeiten hat und das mit dem Familienleben besser vereinbar ist, berichtet sie.

Und ihr gefällt, dass sie im Team arbeiten kann - auch wenn es im Alltag gar nicht so oft vorkommt, dass der Austausch mit den Kollegen erforderlich ist. Positiv hebt sie hervor, dass ihr als angestellte Ärztin administrative Aufgaben abgenommen werden. "Als Einzelkämpfer müsste ich jede Druckerpatrone selbst besorgen", nennt sie als Beispiel.

Mehr Wertschätzung für Ärzte

Christiane Stöhr, ärztliche Leiterin des Zentrums, geht auf die Unterschiede zur Arbeit in einer Metropole ein. Mehr Wertschätzung durch die Patienten nennt sie als erstes. Und der Unterschied zur Klinik? In der ambulanten Versorgung, sagt Stöhr, könne sie Patienten über einen sehr langen Zeitraum begleiten.

KV-Sprecher Marco Dethlefsen räumt dann noch mit einem hartnäckigen Vorurteil auf: Die oft als Schreckgespenst dargestellten Bereitschaftsdienste sind in Schleswig-Holstein schon lange keines mehr - es gebe genügend Freiwillige, die die finanziell attraktiven Dienste gern übernehmen.

Die Studenten sind nachdenklich geworden. Die ambulante Versorgung, signalisieren sie, ist eine echte Option. Ob als Angestellte in einem MVZ, in einer Gemeinschaftspraxis oder doch als Einzelkämpfer? Das steht für die meisten nicht fest.

Mit einer Ausnahme: Ein Medizinstudent weiß von seinem Vater, wie der Alltag eines Einzelkämpfers in einer Praxis aussieht - und auch das ist für ihn keinesfalls ausgeschlossen: "Das könnte ich mir gut vorstellen."

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