Ärzte Zeitung online, 04.07.2017

Westfalen-Lippe

Medizinfakultät soll Ärzte in die Region bringen

Die neue schwarz-gelbe Landesregierung will die Errichtung einer medizinischen Fakultät an der Bielefelder Universität.

MÜNSTER. Der Aufbau einer Medizinfakultät an der Universität Bielefeld wird zwei bis vier Jahre dauern, schätzt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) Dr. Theodor Windhorst. Der Studienbetrieb werde voraussichtlich mit 50 bis 60 Studierenden beginnen, langfristig sollen pro Semester 140 aufgenommen werden.

Die neue schwarz-gelbe Landesregierung hat die Errichtung einer medizinischen Fakultät an der Bielefelder Universität in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen und will dafür 50 Millionen Euro bereitstellen. "Dafür habe ich sieben Jahre gekämpft", betont Windhorst. Er hofft, dass die neue Fakultät dazu beiträgt, junge Ärzte in der Region zu halten und dem Mangel in ländlichen Regionen – gerade bei Hausärzten – zu begegnen.

Dabei helfen kann, dass die neue Fakultät einen Schwerpunkt Allgemeinmedizin haben soll. "Auch die Behindertenmedizin werden wir dort sehr stark voranbringen." Profitieren werde die Einrichtung auch von der Zusammenarbeit mit der gesundheitswissenschaftlichen Fakultät, ist der ÄKWL-Präsident überzeugt.

Neben der Abiturnote könnten in Bielefeld noch weitere Aufnahmekriterien für das Medizinstudium gelten. Windhorst kritisiert, dass die Anzahl der Studienplätze in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland gesunken ist, allein in NRW gebe es 1000 weniger als noch 1996. Windhorst geht davon aus, dass die neuen technischen Möglichkeiten an der Fakultät eine wichtige Rolle spielen werden und beispielsweise die Anatomie und die Histologie mit digitaler Unterstützung unterrichtet werden.

Nach seinen Angaben hat schon eine Reihe von Krankenhäusern Interesse angemeldet, zu Universitätskliniken zu werden. Wer mit von der Partie sein wird, stehe aber noch nicht fest.

Auch der Marburger Bund Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz begrüßt die geplante Fakultät als wichtiges Projekt insbesondere für Ostwestfalen. Das Problem des sich verschärfenden Ärztemangels in NRW werde dadurch aber nicht gelöst. Der Verband fordert deutlich mehr Studienplätze: "Der Marburger Bund NRW-RPL appelliert an die neue Landesregierung, zusätzlich die Zulassungszahlen an den vorhandenen Fakultäten zu erhöhen und diese entsprechend finanziell auszustatten". (iss)

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