Ärzte Zeitung online, 24.10.2018

Fortbildungen in Berlin

Möglicher Homöopathie-Ausschluss für CME-Punkte

Werden in Berlin künftig keine CME-Punkte mehr für Fortbildungsveranstaltungen zur Homöopathie vergeben? Anders als eine erste Ankündigung des Kammerpräsidenten vermuten lässt, ist die Diskussion darüber noch nicht abgeschlossen.

Von Christoph Winnat

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Wirkung oder Placebo? Um die Kügelchen entbrennen immer wieder – und gerne auch mal innerärztlich – Kontroversen.

© Gerhard Seybert / stock.adobe

BERLIN. "Die Wahrscheinlichkeit, dass es ab 2019 für homöopathische Fortbildungen keine Punkte mehr gibt, ist sehr groß", zitierte kürzlich das Online-Portal "Medwatch" den Redebeitrag des Berliner Kammerpräsidenten Dr. Günther Jonitz bei einer Diskussionsveranstaltung des Vereins "Berliner Wirtschaftsgespräche". Was die Kammer auf Anfrage der "Ärzte Zeitung" auch bestätigte.

Allerdings sind die Würfel in dieser Angelegenheit keineswegs bereits gefallen. "Herr Dr. Jonitz gab den Stand der Diskussion im zuständigen Fachgremium der Ärztekammer wieder", erklärte die Leiterin der Pressestelle Sonja Barth. Die Frage, "ob Methoden ohne jedwede Evidenz generell Fortbildungspunkte erhalten sollen und können", schwele in der Hauptstadtkammer schon "seit einiger Zeit".

Über 1100 Fortbildungen pro Monat

Wann nun endgültig über Ja oder Nein zur Homöopathie-Fortbildung abgestimmt werden soll, wollte Barth nicht verraten. Vergangenes Jahr habe die Berliner Kammer 31 Veranstaltungen zum Thema Homöopthie als CME-Fortbildung anerkannt. Monatlich fänden in Berlin "über 1100 Fortbildungen" statt, verdeutlicht Barth die Relationen.

Wie es weiter heißt, verzeichnet die aktuelle Kammerstatistik 488 Ärzte und Ärztinnen mit Zusatzbezeichnung "Homöopathie"; 385 seien derzeit auch ärztlich tätig. Insgesamt seien in der Berliner Kammer 32.000 Ärzte gemeldet, davon 22.500 berufstätig.

Die Delegierten des diesjährigen Ärztetages hatten sich anlässlich der Verabschiedung der überarbeiteten Muster-Weiterbildungsordnung ausdrücklich für die Homöopathie in Gestalt der gleichlautenden Zusatzbezeichnung, ausgesprochen. Bundesweit gibt es nach Angaben des Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) rund 7000 Mediziner, die die Zusatzbezeichnung führen.

Laut Abfrage bei dem Vergleichsportal www.gesetzlichekrankenkassen.de übernehmen aktuell 70 von 77 gesetzlichen Kostenträgern, die dazu Angaben gemacht haben, im Rahmen ihrer Satzung homöopathische Therapieleistungen und/ oder Präparate. Unlängst hatte AOK-Chef Martin Litsch derartige Wahltarife mit der schwerlich zu ignorierenden Nachfrage der Versicherten begründet.

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[29.10.2018, 08:48:53]
Siegfried Hauswirth 
Arztgespräch statt Scheinmedikamente
Sehr geehrter Herr Hege, ob die 50 % stimmen, wage ich zu bezweifeln. Unabhängig von der Größenordnung. Der Weg muss hin zur evidenzbasierten Medizin gehen. Ich stimme Ihnen zu, dass Medizin zu einem großen Teil Psychologie ist. Gerade deswegen braucht man keine Scheinmedikamente,die aufwändig produziert werden, indem man Substanzen herstellt, zigmal verdünnt bis nichts mehr da ist und auf dann Zucker aufsprüht, die dann noch 500 Mio. Euro jährlich kosten ! Das Geld wäre besser in eine guten Arzt/Patientengespräch investiert. zum Beitrag »
[26.10.2018, 17:33:13]
Rudolf Hege 
50% nicht belegt
Sehr geehrter Herr Hauswirth, auch rund 50% der Methoden der "konventionellen" Medizin sind nicht - nach EBM-Kriterien - geprüft. Es ist naiv, anzunehmen, in der Medizin wirke nur (natur-)wissenschaftliches. Medizin ist zu einem großen Teil Psychologie, auch wenn das keiner gerne zugibt, sondern sich viel auf sein therapeutischen Handeln einbildet. Da sind die konventionellen nicht selbstkritischer als die alternativen. Am Ende ist es auch nicht so wichtig. Wichtig ist, dass etwas wirkt (was auch immer im Einzelfall die Wirkung ausmacht). Manchmal ist eine gute Geschichte wirksamer als eine teure Pille. zum Beitrag »
[26.10.2018, 07:39:28]
Siegfried Hauswirth 
Herr Hege: den einen Unsinn mit dem Anderen rechtfertigen ?
Sicher gibt es auch in der wissenschaftlichen Medizin unsinnige Behandlungen. Scheintherapien sind grundsätzlich abzulehnen. Als Patient will ich mit Methoden behandelt werden, deren Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen ist. Mit dem einen Unsinn den anderen zu rechtfertigen, finde ich ziemlich absurd. Bei den "paar Milliönchen" handelt es sich immerhin um 500 Millionen jährlich in Deutschland, die besser in evidenzbasierte Medikamente angelegt werden sollten ! zum Beitrag »
[24.10.2018, 14:33:23]
Rudolf Hege 
Viel Unsinn in der Medizin?
Es gibt so viel (teuren) Unsinn in der Medizin, beispielsweise unnötige Operationen oder bekannte Placebo-Eingriffe oder unnütze "Vorsorge". Da kommt es auf die paar Milliönchen für gesetzlich Versicherte mit dem Hang zur Homöopathie auch nicht mehr an. Das Ganze ist eine Gespensterdebatte, die von den großen Problemen der "wissenschaftliche Medizin" ablenkt. zum Beitrag »
[24.10.2018, 11:30:34]
Helmtrud Harnack 
Neuer Versuch der Machtausübung zur Verordnung?
Der Münsteraner Kreis schaffte es am Ärztetag nicht, die Homöopathie aus der Humanmedizin abzuschaffen. Soll die Abschaffung nun über diesen Weg der Verhinderung der CME-Punkte erreicht werden?

Paracelsus sagte schon: die Dosis machts, dass das Gift kein Gift sei. Die ersten Versuche der starken Verdünnung geschah mit Arsen bei Pferden und Knechten im Mittelalter mit Erfolg, dass sie wieder arbeiten konnten. Hahnemann machte erst Eigenversuche und hatte Erfolg, auch wenn die Substanzen in den hohen Potenzen nicht mehr nachgewiesen werden können/konnten. Jedes Mittel hat seine spezifischen Symptome in der Wirkung. Homöopathie lässt sich nicht wie allopathische Mittel verschreiben, was wesentlich einfacher und finanziell lukrativer ist.

Geht es in der Medizin aber nicht um den individuellen Patienten mit seiner Sensibilität, den der Arzt mit seinem Wissen behandeln sollte? Ist der Versuch nun über die Abschaffung der CME-Punkte für Homöopathie licht der Versuch der Machtausübung letztlich gegen die Verantwortung eines Arztes und der Weiterbildungspflicht? zum Beitrag »
[24.10.2018, 09:23:53]
Dr.med. Elisabeth Grunwald 
Hoffentlich schafft es die Kammer
diesen Quatsch, dessen Beliebtheit nur mit einer Massenpsychose zu vergleichen ist, endlich von der Subventionierung und Unterstützung auszuschließen.
 zum Beitrag »
[24.10.2018, 09:22:12]
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LOTTO
CME zu Homöopathie entspricht einer LOTTO Teilnahme.Hoffentlich findet dieser Homöopathie-Schwachsinn ein generelles Ende! zum Beitrag »
[24.10.2018, 08:12:45]
Dr. Jörg Rutkowski 
D6-Punkte
Man sollte schon Punkte vergeben, aber in entsprechender "Dosierung", verdünnt, potenziert, geschüttelt und nicht gerührt; vielleicht in D6 oder besser D14, sie wirken ja auch ?! zum Beitrag »
[24.10.2018, 08:12:08]
Franz Heller 
Unwissenschaftlicher Unfug
Höchste Zeit, dass man für den Besuch von Veranstaltungen zur Verbreitung unwissenschaftlicher Fake-News keinen Nachweis mehr erhält, sich medizinisch weitergebildet zu haben. In den USA müssen die Stärke- oder Milchzucker-Kügelchen inzwischen mit dem Warnhinweis: "Vorsicht unwirksam, könnte Sie von lebenserhaltenden medizinischen Maßnahmen abhalten" vermarktet werden. Hierzulande sorgt eine starke Lobby um den Milliardär (BMW-Erben) Stefan Quandt, der mittlerweile eine Vielzahl von Homöopathie-Hersteller gekauft hat unter anderem dafür, dass die GKV's diesen Unsinn erstatten. zum Beitrag »

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