Ärzte Zeitung online, 11.08.2017

E-Health

Drei von zehn Deutschen wollen Videochat mit Arzt

Welche Vor- und Nachteile sehen Patienten in der Video-Sprechstunde? Besonders zwei Dinge spielen eine große Rolle, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.

Von Marco Hübner

BERLIN. Fast drei von zehn Deutschen (27 Prozent) können sich vorstellen, die Online-Sprechstunde mit ihrem Arzt künftig zu nutzen. Das ist Ergebnis einer Umfrage, die der Digitalverband Bitkom zusammen mit der Bayerischen TelemedAllianz (BTA) durchgeführt hat.

Als wichtigsten Vorteil sehen Umfrageteilnehmer die Überbrückung langer Anreisewege (60 Prozent) zum Arzt – beispielsweise zu speziellen Fachärzten. 58 Prozent geben als großen Pluspunkt der Online-Sprechstunde an, dass die Wartezeit in der Praxis entfällt.

Dass man der Ansteckungsgefahr dort dank Online-Konsultation nicht ausgesetzt ist, sagen 41 Prozent. Auch die Ersparnisse bei Zeit (37 Prozent) und Kosten (22 Prozent) für die Anfahrt sind für die Patienten wichtiger Vorzüge.

"Patienten werden die Hemmungen vor dem Gang in die Praxis genommen und auch der Arzt hat Vorteile: Er reduziert den Andrang im Wartezimmer und kann die Online-Visite flexibler handhaben als Termine in der Praxis", kommentiert der Digitalverband seine Studienergebnisse zur Online-Sprechstunde.

Als Nachteil nennen 72 Prozent der Befragten die Sorge vor Fehlbehandlungen, zum Beispiel weil die körperliche Untersuchung entfällt. 54 Prozent geben der Studie zufolge an, dass das Vertrauensverhältnis ohne den direkten Kontakt zwischen Arzt und Patient leiden könnte.

Ebenfalls jeder Zweite (52 Prozent) fürchtet, dass sensible Gesundheitsdaten in falsche Hände geraten könnten, wenn sie via Internet übertragen werden. Nach Ansicht von Bitkom überwiegen allerdings die Vorteile des digitalen Arztbesuchs: "Online-Sprechstunden sparen Zeit und Geld und sollten zum Standard werden", fordert der Verband in einer Mitteilung zur Umfrage vom Freitag.

1003 Personen für Studie befragt

Grundlage ist eine Verbraucherbefragung zum Thema E-Health, die bereits im März dieses Jahres vorgestellt wurde (wir berichteten). Viele dort gewonnene Erkenntnisse zur Online-Sprechstunde wurden allerdings erst jetzt veröffentlicht. Für die repräsentative Analyse wurden laut Bitkom 1003 Personen ab 14 Jahren befragt.

Seit dem 1. April 2017 können Vertragsärzte die Kosten einer Online-Sprechstunde per EBM-Ziffer abrechnen. Geregelt wurde dies vom Gesetzgeber mit dem E-Health-Gesetz. Der Erstkontakt mit dem Patienten muss demnach weiterhin persönlich erfolgen, weitere Konsultationen können dann per Video-Sprechstunden stattfinden.

Ärzte müssen für die Videosprechstunde zuvor eine schriftliche Einwilligung des Patienten einholen. Bei der Online-Sprechstunde treten Arzt und Patient dann über einen zertifizierten Videodienstanbieter, wie beispielsweise Patientus, in Kontakt.

Potenzial verschenkt?

Der Videodienstanbieter sorgt für einen reibungslosen und sicheren technischen Ablauf der Online-Sprechstunde. Dafür nötig sind eine Internetverbindung, eine Webcam, Lautsprecher und ein Mikrofon.

Eine zusätzliche Software ist nicht erforderlich. Kritiker sehen das Potenzial der Video-Sprechstunde aber unter diesen Bedingungen bei Weitem nicht ausgeschöpft. "Für Ärzte, bei denen wenig Verlaufskontrollen anfallen, lohnt sich die Anschaffung einer entsprechenden Software vermutlich nicht", erklärte Katharina Jünger zum Inkrafttreten der neuen EBM-Ziffern in der "Ärzte Zeitung".

Jünger ist Chefin bei TeleClinic, einem Münchner Start-up, das Video-Sprechstunden anbietet. Verbesserungswürdig sei ebenfalls, dass der Ausschluss der Abrechenbarkeit im Notdienst.

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