Ärzte Zeitung online, 31.07.2019

Schleswig-Holstein

Telemedizin-Projekt bietet Zusatzvergütung für Hausärzte

Mithilfe von Videotelefonie und Tele-Arzt-Rucksack soll ein Projekt die Versorgung auf dem Land in Schleswig-Holstein verbessern. Während das Land die Technik fördert, zahlt die TK für deren Einsatz eine zusätzliche Vergütung.

Von Dirk Schnack

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Bei akuten Erkrankungen mit schnellem Klärungsbedarf können Landärzte in Schleswig-Holstein im Rahmen eines Modellprojekts per Telekonsil die Expertise von Augenärzten hinzuziehen.

© Miriam Doerr & Martin Frommherz

KIEL. In Schleswig-Holstein ist ein auf zwei Jahre angelegtes Telemedizinprojekt gestartet, das die Gesundheitsversorgung in ländlichen Räumen verbessern soll. Aus dem Versorgungssicherungsfonds des Landes wird das Projekt mit 230.000 Euro gefördert. Derzeit profitieren ausschließlich Versicherte des Projektpartner Techniker Krankenkasse (TK), die Aufnahme weiterer Krankenkassen ist nach Auskunft der TK aber „perspektivisch denkbar“.

Bei dem Projekt kommt Videotelefonie in bis zu zehn Arztpraxen im Land zum Einsatz. Hausärzte können über diese Verbindung die Expertise eines augenärztlichen Zentrums in Rendsburg nutzen. Die telemedizinische Konsultation nutzen die teilnehmenden Hausarztpraxen im ländlichen Raum bei akuten Erkrankungen, für die eine schnelle Abklärung erforderlich ist. Bestandteil des Telemedizinprojektes ist auch der sogenannte Tele-Arzt-Rucksack, den speziell geschulte Medizinische Fachangestellte bei Hausbesuchen nutzen, um Vitaldaten aus EKG oder Blutdruckmessung direkt an Praxen zu übertragen.

Zusätzliche Vergütung für Ärzte

Der schleswig-holsteinische Landesgesundheitsminister Dr. Heiner Garg (FDP) nannte das Projekt „so einfach wie gut“. „Wir verbinden damit spezielle fachärztliche Angebote mit der Hausarztpraxis auf dem Land“, sagte Garg. Der Gesundheitsminister nannte als Vorteile, dass beide Projektbestandteile den Patienten weite Wege ersparen und dass so mehr Menschen Zugang zu medizinischen Leistungen erhalten.

Die zur Verfügung stehenden Landesmittel werden in dem Projekt für die Anschaffung der Hardware und für Softwarelizenzen verwendet. Auch die Personalkosten für die wissenschaftliche Begleitung des Modellprojektes werden aus dem Fördertopf bezahlt. Die teilnehmenden Haus- und Augenärzte erhalten im Rahmen des Modellvertrages eine zusätzliche Vergütung von der Krankenkasse, neben der im EBM vorgesehenen Honorierung für den Videokontakt. Auch für den Einsatz des Telemedizin-Rucksacks zahlt die TK im Rahmen des Versorgungsvertrages eine zusätzliche Vergütung, die den Einsatz der Technik berücksichtigen soll.

Der schleswig-holsteinische Hausärzteverband hält das im Juli gestartete Projekt für richtungsweisend. „Wir setzen diese Projekte um, weil sie unsere tägliche Arbeit erleichtern und die unmittelbare Patientenversorgung unterstützen können. Nur so macht Telemedizin für uns Hausärzte Sinn“, sagte der Verbandschef der Hausärzte in Schleswig-Holstein, Dr. Thomas Maurer.

Er ist im Hausarztzentrum Leck tätig, das mit einem der Videotelefonie-Systeme ausgerüstet wurde. Daneben sind weitere fünf Standorte bereits ausgestattet. Alle teilnehmenden Praxen erhalten die augenärztliche Expertise aus Rendsburg. Die Praxen wurden nach Angaben der TK danach ausgewählt, wo der Einsatz der Geräte sinnvoll ist – sprich in ländlichen Gebieten und dort, „wo kein Augenarzt in unmittelbarer Nähe ist.“

Projekt mit Perspektive

Die Aufnahme weiterer Praxen sei grundsätzlich möglich, aber durch die Zahl der Geräte begrenzt. Interessierte Praxen, die über entsprechende Ausstattung verfügen, könnten aber noch aufgenommen werden.

Der Tele-Arzt-Rucksack wird zum Projektstart zunächst in vier Praxen verfügbar sein. Innerhalb der zweijährigen Projektlaufzeit sollen nach Auskunft der Projektpartner auch hierfür noch weitere Praxen in Schleswig-Holstein eingebunden werden. Der Leiter der TK-Landesvertretung in Schleswig-Holstein, Sören Schmidt-Bodenstein, stellte auf Nachfrage in Aussicht, dass perspektivisch neben Augenärzten auch weitere Spezialisten wie beispielsweise Dermatologen einbezogen werden.

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