Ärzte Zeitung, 06.12.2011

E-Card: Online-Anschluss beschlossene Sache

Trotz aller Kritik: Der vorgezogene Online-Rollout der elektronischen Gesundheitskarte kommt. Darauf haben sich jetzt die Gesellschafter der gematik geeinigt. Nur der Zeitplan ist noch offen.

E-Card: Jetzt ist der vorgezogene Online-Rollout beschlossene Sache

Online mit ihr: Für die E-Card ist das jetzt beschlossene Sache.

© dpa

BERLIN (reh). Am Online-Rollout der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) - und zwar dem vorgezogenen Rollout - führt nun kein Weg mehr vorbei. Denn die Gesellschafter der gematik haben sich in ihrer Sitzung am 5. Dezember darauf geeinigt, die Online-Anwendungen der eGK stufenweise einzuführen.

Den Start macht allerdings nicht allein das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM), wie von den Kassen in ihrer "Alternative 2012" gefordert. Es geht also nicht allein darum, dass die Kassen durch das Einlesen der eGK in den Praxen automatisch die Versichertenstammdaten aktualisieren können.

Sondern es wird laut dem Beschluss - und vor allem nach dem Wunsch der Ärztevertreter - auch eine Nutzwertanwendung für die Praxen geben, nämlich die qualifizierte elektronische Signatur (QES).

Diese ersetzt in der elektronischen Kommunikation, etwa auf Arztbriefen und bei der elektronischen Abrechnung, die handschriftliche Unterschrift des Arztes.

Testregionen für Sicherheitstests

Einen konkreten Zeitplan gibt es offenbar noch nicht, wie übereinstimmend Dr. Franz-Josef Bartmann, Telematik-Beauftragter im Vorstand der Bundesärztekammer, und Daniel Poeschkens, Leiter Kommunikation bei der gematik, der "Ärzte Zeitung" auf Anfrage gesagt haben.

In Anbetracht des Entwicklungsstandes sei es "etwas optimistisch, aber nicht ganz unmöglich", dass der Online-Rollout 2012 beginne, so Bartmann. Festgelegt sei außerdem, dass die qualifizierte Signatur spätestens zehn Monate nach dem Online-Stammdatenabgleich kommen solle.

Sicher sei außerdem, so Poeschkens, dass man die Online-Lösung - also auch den nötigen Konnektor - so flexibel gestalten wolle, dass später ohne Probleme weitere Online-Anwendungen folgen könnten.

Das wären dann etwa die elektronischen Notfalldaten, die elektronische Kommunikation unter den Leistungserbringern (KOM-LE genannt) oder das elektronische Rezept.

Wie es in der Pressemitteilung der gematik heißt, sollen alle Anwendungen "in Testregionen ausgiebig auf Sicherheit und Praktikabilität geprüft" werden.

Lob von den Gesellschaftern

Laut KBV-Pressesprecher Roland Stahl ist es gut und richtig, dass mit dem Beschluss der Gesellschafterversammlung auch ein Mehrwert für Ärzte geschaffen wird. Insgesamt bewertete er den Beschluss aus KBV-Sicht daher "als in Ordnung".

Nicht akzeptiert hätte die KBV, dass es nur einen Online-Abgleich der Versichertenstammdaten gibt, sagte Stahl. Denn KBV-Vorstand Dr. Carl-Heinz Müller, der auch Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der gematik ist, habe vorab ganz klar gesagt, dass die Initiative 2012, so wie sie von den Kassen geplant sei, nicht mit ihm machbar ist.

So bewertete auch Müller das Ergebnis positiv: "Das stufenweise Vorgehen schafft Planungssicherheit für alle Beteiligten und zeigt gleichzeitig, dass die medizinischen Anwendungen nicht hintenanstehen.Durch die Flexibilität der Lösung können aber auch unabhängig voneinander weitere medizinische Anwendungen eingeführt werden, sobald diese die notwendige Reife erreicht haben."

Positives Feedback kam auch vom GKV-Spitzenverband: Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, sagte, der Einstieg in die Online-Anwendungen sei der konsequente nächste Schritt zu einer sektorenübergreifenden Vernetzung, die Versicherten, Kostenträgern und Leistungserbringern das Potenzial und den Nutzen der Gesundheitstelematik erst erschließe.

Kartenleser bald flächendeckend vorhanden

Aber auch beim GKV-Spitzenverband will man sich noch nicht auf einen Zeitplan festlegen. Wie Ann Marini, stellvertretende Pressesprecherin beim GKV-Spitzenverband, zur "Ärzte Zeitung" sagte, sei das Ziel aus Kassensicht zwar, wenn möglich noch 2012 die Online-Anwendungen zu starten.

Aber da man nun erst an die Umsetzung gehe, sei eine feste Zeitansage nicht möglich. Trotzdem sei man mit dem Beschluss nun ein deutliches Stück weiter.

Positiv äußerten sich die Vertreter der Spitzenverbände im Gesundheitswesen auch zum Basis-Rollout der eGK : Dieser sei aus technischer Sicht erfolgreich abgeschlossen. Der größte Teil der Arzt- und Zahnarztpraxen sowie der Krankenhäuser verfüge über Kartenterminals zum Einlesen der neuen Karte.

Für die Kartenleser hat die "Ärzte Zeitung" erst am Montag die Datenlage aus dem Oktober bekannt gegeben: Danach lag der Schnitt der Förderanträge für die neuen eGK-fähigen Kartenleser, die bei den KVen eingegangen waren, bei rund 83 Prozent.

Die erteilten Zulassungen für Krankenkassen zur Herausgabe von Gesundheitskarten decken nach Auskunft der gematik übrigens bereits über 95 Prozent der gesetzlich Versicherten ab.

Dabei läuft die Ausgabe der eGK an alle rund 70 Millionen gesetzlich Versicherten seit Herbst dieses Jahres. Wobei bis Ende des Jahres zunächst nur an zehn Prozent der gesetzlich Versicherten die Karte ausgegeben worden sein muss.

[06.12.2011, 18:47:28]
Dr. Zlatko Prister 
Dringend
Was wir Ärzte dringend brauchen ist der elektroniche Arztbrief. Das ist die Anwendung, die am schnellesten in der Lage ist den technologischen Fortschritt in die Arztpraxen zu tragen.
Elektronischer Arztbrief würde in kürzester Zeit die Effizienz der Gesundheitsbetriebe und die Versorgungsqualität empfindlich erhöhen.

Im Übrigen, die technik des elektronischen Arztbriefes steht bereits seit Jahren Ärzten kostenlos zur Verfügung - nur keiner nutzt sie.

Auch bisher haben nur top-down eingeführte Neuerungen zum Erfolg geführt. Daher hätte ich nichts gegen einen Zwang zum elektronischen Arztbrief.

dr.univ.zag Zlatko Prister
Papierlose Hausarztpraxis
Prozessoptimiert
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