Ärzte Zeitung online, 05.03.2014
 

Telemedizin

Vorbild Brandenburg

Brandenburg zeigt, was mit Telemedizin alles möglich ist. Das stellte sich jüngst bei einer Veranstaltung heraus.

Von Susanne Werner

BERLIN. Wie können telemedizinische Anwendungen die Gesundheit und Versorgung von Patienten verbessern? Drei Beispiele aus der Praxis, jüngst vorgestellt auf der Landeskonferenz Telematik in Brandenburg, geben Einblick.

Das Kompetenzzentrum E-Health des Fraunhofer Instituts für offene Kommunikationssysteme hat ein technisch gestütztes Bewegungsprogramm entwickelt. Zentrale Zielgruppen sind Patienten, die nach einem Aufenthalt in einem Krankenhaus oder einer Rehaklinik weiter ihre Beweglichkeit trainieren müssen.

Die Idee: Auf einem Bildschirm werden konkrete Übungen angezeigt, die der Patient zu Hause vor dem Monitor verfolgt und wiederholt. Eine 3D-Kamera nimmt die Bewegungen auf und stellt sie ebenfalls auf dem Monitor dar.

Die Software gibt dem Patienten so unmittelbar ein Feedback, ob die Bewegungsabläufe korrekt sind. Zudem registrieren körpernahe Sensoren die Vitalwerte. Sie werden an den behandelnden Arzt übermittelt, der die Daten kontrolliert und sich bei Bedarf über eine Live-Videokonferenz einschalten kann.

Diabetes-Management System

Zweites Beispiel: Das Institut für Diabetes "Gerhard Katsch" Karlsburg hat eine Software entwickelt, die den Stoffwechsel des Patienten am Computer sichtbar macht.

In einem ersten Schritt werden die individuellen Daten - vom Blutzucker über die Medikamente bis hin zu den Gewohnheiten - über drei Tage hinweg erfasst und für die weitere Berechnung hinterlegt.

Das Labor des Instituts wertet die Daten aus und errechnet jeweils individuelle Stoffwechselkurven. Dies ist die Grundlage, um die Wirkung verschiedener Therapieoptionen zu simulieren und zu vergleichen.

Daten und Ergebnisse erhält der behandelnde Arzt, der einen Therapieplan speziell für den jeweiligen Patienten ausgestaltet. Die Gefahr von Unter- oder Überzuckerung lässt sich so reduzieren.

Studie zur Herzinsuffizienz

Drittes Beispiel: Das Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin an der Berliner Charité will in einer Studie herausfinden, ob Telemedizin im ländlichen Raum eine ähnliche gute Versorgung bieten kann wie die Standardversorgung in der Stadt. 1500 Patienten in Berlin und Brandenburg müssen dafür bis Ende 2014 zur Teilnahme an der Studie gewonnen werden.

Zentrale Zielgruppe sind Patienten, die in den vergangenen zwölf Monaten wegen einer Herzinsuffizienz mindestens einmal ins Krankenhaus kamen.

Sie werden telemedizinisch überwacht und übertragen ihre aktuelle Daten zum Blutdruck, Körpergewicht und von kardialen Implantaten, gegebenenfalls auch von EKG und die Sauerstoffsättigung.

Beteiligt sind neben der Charité auch die Kliniken in Cottbus und Brandenburg. Ziel ist, den Patienten bis zu einem Jahr nach dem Klinikaufenthalt mehr Sicherheit im Alltag zu übermitteln und Hochrisikopatienten frühzeitig zu identifizieren.

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