Ärzte Zeitung, 05.06.2014
 

Neue Plattform

Apple will Gesundheitsmarkt aufrollen

Apple wagt den Vorstoß in das Geschäftsfeld Gesundheit. Die App HealthKit soll Informationen von Fitness-Trackern, aber auch von medizinischen Geräten sammeln und auswerten.

Von Christoph Dernbach

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Innovation für die Gesundheitstelematik? Präsentation von Apples HealthKit bei der WWDC.

© Jeff Chiu / AP Photo / dpa

SAN FRANCISCO. Auf der Entwicklerkonferenz WWDC zeigte Apple-Chef Tim Cook zu Wochenbeginn nicht die von vielen Fans gewünschten neuen Geräte wie eine iWatch oder ein erweitertes Apple TV.

Trotzdem hatte der Konzern Überraschungen in petto, die auch Ärzte interessieren dürften: iPad und iPhone sollen künftig zu Gesundheitsberatern werden.

Beim Thema Gesundheit leistet Apple mühsame Grundsatzarbeit. In den vergangenen Jahren sind unzählige Fitness-Gadgets und Medizin-Sensoren - etwa für die Kontrolle des Blutdrucks - auf den Markt gekommen.

Doch untereinander sind die Angebote kaum kompatibel. Der Pulssensor von Hersteller A spricht nicht direkt mit der über WLAN angeschlossenen Personenwaage von Hersteller B beziehungsweise mit der dahinterliegenden Aufzeichnungssoftware.

Das Apple-Betriebssystem iOS 8 bietet nun eine Sammelstelle für Medizin- und Fitness-Werte, die in der hauseigenen App HealthKit konsolidiert angezeigt werden können. In dieses Szenario würde sich die seit langem als neues Produkt erwartete Smartwatch von Apple mit Pulssensor hervorragend einfügen. Hier heißt es jedoch weiter abwarten.

Systeme wachsen zusammen

Die Stimmung unter den Entwicklern im Moscone Center wurde durch das Ausbleiben spektakulärer Hardware-Vorstellungen kaum getrübt. Schließlich hatte Apple-Softwarechef Craig Federighi zuvor mit einer Reihe von größeren und kleineren Verbesserungen für das Betriebssystem iOS für iPhone und iPad sowie die Mac-Software OS X punkten können.

Die beiden Systeme wachsen nicht nur optisch immer stärker zusammen, sondern werden auch in der Bedienung immer weiter verschränkt. Anrufe auf dem iPhone werden zugleich auf dem Mac-Bildschirm angezeigt und können dort entgegen genommen werden.

Ein Mausklick auf eine Telefonnummer auf dem Mac-Bildschirm kann einen Anruf auslösen. Eine E-Mail, die unterwegs auf dem iPhone begonnen wurde, kann auf dem Mac fertiggeschrieben werden. Fotos tauchen auf allen Geräten auf.

So verschmelzen iPhone, iPad und Mac zu einer Einheit. Dieser Ansatz ist nicht völlig neu, aber vermutlich nirgendwo so elegant umgesetzt wie beim neuen Mac-System OS X "Yosemite" und dem neuen iOS 8, das im Herbst auf die neueren iPhones und iPads kommen soll.

Deutlich attraktiver erscheint nun auch die Internet-Wolke von Apple, die im Wettbewerb mit Angeboten von Google, Microsoft, Amazon und anderen steht. Der Dienst iCloud wurde nun nicht nur deutlich preiswerter, wenn man über die kostenlosen fünf Gigabyte hinaus Speicherplatz mieten will.

In iCloud tauchen nun auch die besten Ideen auf, die man vom Speicherdienst Dropbox oder dem Chatdienst WhatsApp her kennt - alles aber einen Tick schöner und sicherer.

Auch zum Thema vernetztes Zuhause hatte Apple Neuigkeiten zu vermelden. Die Marktsituation im Bereich Smart Home ist noch komplizierter als im Bereich Gesundheit. Zu Steuerung von Licht, Temperatur oder Schließsystemen gibt es nicht nur etliche nicht-kompatible Protokolle der verschiedenen Hersteller.

Mit der Wohnung reden

Zum Teil funken die "schlauen" Gegenstände im Heim auch auf so unterschiedlichen Wellen, dass sie nicht richtig zueinander finden können. Apples Plattform HomeKit könnte zumindest die Protokoll-Frage lösen.

Über den Apple-Sprachassistenten Siri könnte der Nutzer dann dem System zum Beispiel einfach sagen, dass er ins Bett gehen will, erläuterte Apple-Softwarechef Federighi.

Die Anwendung HomeKit könnte dann die Systeme im Haus anweisen, die Lichter zu dimmen, die Haustür abzuschließen und das Garagentor herunterzufahren. Und vielleicht steigt Apple ja auch wie Google mit dem Kauf des Heizungsthermostate-Herstellers Nest ins Geräte-Business ein, um noch ein weiteres Geschäftsfeld aufzubauen.

Diese Aussichten verhinderten einen Absturz der Apple-Aktie. Das Papier, das seit Jahresbeginn um zwölf Prozent zugelegt hat, gab bis zum Börsenschluss in New York nur um 0,7 Prozent nach - obwohl auch etliche Investoren ungeduldig auf das nächste bahnbrechende Produkt von Apple warten.

Horace Dediu vom Marktforschungsunternehmen Asymco sagte auf der WWDC, mit den gezeigten Technologien habe Apple ein Fundament gelegt, auf dem neue Gebäude errichtet werden können. (dpa)

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