Ärzte Zeitung, 08.04.2015

Pilotprojekt

COPD-Patienten testen Möglichkeiten der Telemedizin

Ein Pilotprojekt mit COPD-Patienten soll das Potenzial der Telemedizin in der Integrierten Versorgung ausloten. Die Behandlungshoheit bleibt beim Haus- oder Facharzt.

Von Matthias Wallenfels

COPD-Patienten testen Möglichkeiten der Telemedizin

Gesundheitsinformationen können Patienten beim Projekt Motiva mittels einer Set-Top-Box auf ihrem Fernseher abrufen.

© philips

HAMBURG. Wie lässt sich die individualisierte Versorgung chronisch kranker Patienten mittels Telemonitoring und damit einhergehend die Förderung eines therapiegerechten Patientenverhaltens erreichen?

Diese Fragestellung steht im Mittelpunkt eines zum 1. April gestarteten Pilotprojekts zur Integrierten Versorgung (IV) der Techniker Krankenkasse (TK), des Medizintechnikanbieters Philips und des Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK) in Stuttgart zur telemedizinischen Betreuung von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis (COPD) in Deutschland.

Patienten übermitteln Vitaldaten

Von IT-Seite her begleitet Philips das Projekt mit seiner telemedizinischen Lösung Motiva. Wie das Unternehmen mitteilt, erhalte jeder Patient wahlweise eine Set-Top-Box für den Fernseher oder ein Tablet.

Darüber würden täglich automatisiert interaktive Inhalte und gesundheitsbezogene Informationen an die Patienten geschickt, die an ihren Gesundheitszustand und ihr Verhalten angepasst seien.

Dafür übermitteln die Patienten laut Philips jeden Tag wichtige Vitalparameter wie die Sauerstoffsättigung des Blutes und senden diese mittels einer sicheren Netzwerkverbindung an das Telemedizinische Zentrum am RBK.

Dort analysiere das medizinische Personal die Infos, würden die Patienten telefonisch beraten oder der behandelnde Arzt vor Ort direkt informiert. So könne auf Verschlechterungen des Gesundheitszustandes sofort reagiert werden.

Die Behandlungshoheit verbleibe weiterhin bei dem behandelnden Haus- bzw. Facharzt.

Langfristiges Ziel des Projektes, an dem von der TK ausgewählte COPD-Patienten teilnähmen, sei es, durch Verhaltensänderungen des Patienten zur Verbesserung seiner Lebensqualität beizutragen. Den Patienten entstünden hierbei keine zusätzlichen Kosten.

"Mit Philips Motiva unterstützen wir durch persönlich gestaltete Programme medizinische Versorgungseinrichtungen in der Kommunikation und Betreuung von chronisch kranken Patienten.

Die Teilnehmer können zu Hause geschult und an therapeutische Maßnahmen erinnert werden, um Krankenhausaufenthalte zu vermeiden", beschreibt Eva Braun, Leiterin Philips Healthcare.

TK will Kosten senken

Für die TK birgt die Telemedizin großes Potenzial. "Als größte deutsche Krankenkasse sehen wir in dieser telemedizinischen Lösung die Chance, die Kosten der medizinischen Versorgung zu senken und dabei gleichzeitig die medizinische Versorgung der Patienten noch weiter zu steigern", verdeutlicht Klaus Rupp, Leiter des Versorgungsmanagements der TK.

Wie Professor Mark Dominik Alscher, Ärztlicher Direktor des RBK, versichert, werde Telemedizin den behandelnden Arzt vor Ort nicht ersetzen, sondern werde als hilfreiche und sinnvolle Unterstützung verstanden.

"Der persönliche Kontakt bleibt durch regelmäßige Untersuchungen in der Praxis erhalten und ist wichtigster Bestandteil von Diagnostik und Therapiemanagement", wie Alscher hervorhebt.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Schützt Blutdrucksenkung auch vor Demenz?

Bei medikamentöser antihypertensiver Therapie war in einer US-Studie das Demenzrisiko deutlich reduziert. Das könnte eine Hoffnung für Demenz-Patienten sein. mehr »

Hausärzte zur Kooperation mit Pflegeheimen verpflichtet

Union und SPD bringen ihr zweites Gesetzespaket in der Gesundheitspolitik auf den Weg. Es geht um ein Milliarden Euro schweres Pflege-Programm. mehr »

"Keine Angst, man schläft nicht in der Praxis!"

Zwei Mediziner mit eigener Praxis berichten Jungärzten offen von Licht und Schatten der Niederlassung. mehr »