Ärzte Zeitung online, 29.08.2016
 

Video-Konferenz

Hausärzte schalten zum Neurologen

Ein Modellprojekt in Mecklenburg-Vorpommern soll Patienten mir neurologischen Leiden weite Anfahrtswege ersparen.

GREIFSWALD. Patienten mit neurologischen Erkrankungen können in Anklam künftig auch in einer Hausarztpraxis betreut werden. Über eine Tele-Video-Konferenz können Experten des Schlaganfallzentrums der Universitätsmedizin Greifswald zugeschaltet werden. Damit entsteht im Nordosten ein Tele-Stroke-Netz im Modellprojekt, das sektorenübergreifend arbeitet.

Mecklenburg-Vorpommern eignet sich für das Projekt besonders, weil die Patienten dort zum Teil weite Wege in der ärztlichen Versorgung in Kauf nehmen müssen und weil in Ferienzeiten viele Touristen mit versorgt werden müssen. Gestartet war das Netz im vergangenen Jahr, als mit dem Sana-Krankenhaus Bergen auf Rügen die erste Einrichtung probeweise mit den Greifswalder Schlaganfall-Experten verbunden wurde.

Nun wird die "telemedizinische Brücke" erweitert. Neben der hausärztlichen Gemeinschaftspraxis von Dr. Hans-Michael Dittrich und Christian Engel in Anklam, die mit dem dort niedergelassenen Internisten Dr. Gregor Feldmeier als Projektpartner kooperieren, wird auch das DRK-Krankenhaus in Teterow in das Netz einbezogen.

Greifswalds Klinikdirektor Professor Christof Kessler erhofft sich von der Ausweitung auch die telemedizinische Betreuung von neurologischen Patienten, die keinen Schlaganfall erlitten haben. "Die Palette reicht von epileptischen Anfällen bis hin zu Parkinsonpatienten. Damit betreten wir Neuland", sagte Kessler.

Entscheidung nach gemeinsamer Beratung

Nach der Tele-Konsultation zwischen Hausarzt, Neurologe und Patient wird entschieden, ob der Patient in der anderen Klinik oder ambulant bleiben kann oder per Hubschrauber beziehungsweise per Notarztwagen zur Intensivbehandlung in die Neuorologische Universätsklinik gebracht werden muss.

Falls dies nicht erforderlich ist, sollen weitere diagnostische Schritte, Therapiekonzepte und Verlaufskontrollen in Klinik oder Praxis erfolgen. Die Universitätsmedizin verweist in diesem Zusammenhang auf Vorteile für die Patienten wie den Verbleib im vertrauten Umfeld und Verzicht auf lange Anfahrtswege.

Die Anbindung an das universitäre Zentrum ermöglicht es außerdem den angeschlossenen Krankenhäusern, akute neurologische Erkrankungen rund um die Uhr zu diagnostizieren.Das Schweriner Wirtschaftsministerium unterstützt das Modell mit insgesamt 90.000 Euro für zwei Jahre.

Mit dem Projekt soll geprüft werden, ob die Einbindung der Hausarztpraxis in die Tele-Neurologie fachärztliche Versorgungslücken schließen und die Versorgung verbessern kann.Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) erwartet, dass die im Nordosten gesammelten Erfahrungen für das ganze Bundesgebiet Bedeutung haben könnten. (di)

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