Ärzte Zeitung, 10.03.2008

Zweitmarkt für Schiffsfonds: Hohe Steuerzahlungen als Nebenwirkung

Hohe Renditen sind nicht ausschlaggebend / Vorteile für Ärzte durch Tonnagesteuern

KÖLN (kab/frk). Niedergelassene Ärzte, die ihre Schiffsbeteiligungen verkaufen wollen, sollten nicht nur auf die Preise achten, die sie auf dem Zweitmarkt erzielen können. Häufig begleiten den Verkauf auch hohe Steuerzahlungen.

 Zweitmarkt für Schiffsfonds: Hohe Steuerzahlungen als Nebenwirkung

Für eine ruhige Fahrt bei Beteiligungen an Schiffsfonds gibt es bestimmte Regeln zu beachten.

Foto: Peer Frings©www.fotolia.de

Geschlossene Schiffsfonds sind eine langfristige Geldanlage. Mit der Zeichnung eines Anteils binden sich die Anleger oft 15 Jahre oder länger an den Fonds. Da sich immer mehr Anleger vor Ende der Laufzeit von ihren Beteiligungen trennen wollen, ist in den vergangenen fünf Jahren ein Zweitmarkt entstanden.

Preise auf dem Zweitmarkt sind derzeit zum Teil recht hoch

Die Preise sind derzeit recht hoch, in Einzelfällen zahlen die Käufer auf den Handelsplattformen im Internet bis zu 200 Prozent der nominalen Beteiligungssumme. Anteilseigner sollten sich bei ihrer Verkaufsentscheidung aber nicht nur von den aktuellen Kursen leiten lassen. "Durch den Verkauf kann eine erhebliche steuerliche Belastung auf den Anleger zu kommen", warnt Matthias Brinckman, Geschäftsführer des institutionellen Fonds-Käufers Maritim Invest.

Verantwortlich dafür ist der Unterschiedsbetrag. Er trifft Anleger, die in so genannte Kombimodelle investiert haben. Bis 2004 konnten sie Schiffsfonds kaufen, die erst Verlustzuweisungen produzierten und dann, dank Tonnagesteuer, fast steuerfreie Ausschüttungen. Das hat zum Beispiel der Zahnarzt Dr. Wolfgang Sattler getan. Er erwarb jedes Jahr eine Schiffsbeteiligung, da er den Betrag auf einen Rutsch abschreiben konnte. "Einen neuen Zahnarztstuhl hätte ich dagegen nur ganz langsam von der Steuer absetzen können", sagt er.

Beim Wechsel der Schiffe in die Tonnagesteuer, der bis 2007 möglich war, entstanden stille Reserven, die aus der Differenz zwischen Buchwert und aktuellem Marktwert des Schiffes resultierten. Diese Reserven werden beim Verkauf der Beteiligung aufgelöst - und die Investoren müssen sie mit ihrem jeweiligen Steuersatz versteuern. Da die Preise für Schiffe in den vergangenen Jahren stark angezogen haben, sind auch die Reserven enorm gestiegen. Der zu versteuernde Betrag kann zwischen 60 und 100 Prozent der nominalen Beteiligungssumme ausmachen, so Brinckman. Im schlimmsten Fall reicht der Erlös aus dem Verkauf nicht zur Deckung der Steuerschuld.

Wechselkurse können sich negativ auswirken

Es gibt auch noch einen zweiten Unterschiedsbetrag. Er bezieht sich auf Gewinne oder Verluste durch Wechselkursentwicklungen, die entstehen, wenn der Fonds zur Finanzierung des Schiffes Darlehen in Fremdwährung wie US-Dollar oder Yen aufnimmt. Diese Beträge müssen jedes Jahr versteuert werden. In der Praxis sind sie für den Anleger weniger bedrohlich als die Reserven aus dem Schiffswert. "Wichtig ist es aber, sich bei einem Verkauf nach beiden Werten zu erkundigen", sagt Phillipp Jörss, Geschäftsführer der Handelsplattform Deutsche Sekundärmarkt.

Nach dem Wechsel in die Tonnagesteuer kann es bis zu fünf Jahre dauern, bis durch eine Betriebsprüfung der Marktwert des Schiffes endgültig feststeht. Wer in der Zwischenzeit verkauft hat, muss mit Nachforderungen rechnen. " Anleger sollten sich erkundigen, ob die Angabe des Unterschiedsbetrages vor oder nach Betriebsprüfung ist", rät Jörss.

Wie berechne ich meine Steuerlast ?

Die Handelsplattform Deutsche Sekundärmarkt hält unter www.dsm.de einen Rechner vor, mit dem man die Steuerlast berechnen kann, die beim Verkauf eines Anteils anfällt. Dazu sind der nominale Beteiligungswert, der persönliche Steuersatz und die Unterschiedsbeträge für das Schiff und das Fremdwährungsdarlehen nötig. Auskunft über den Unterschiedsbetrag kann der Treuhänder des Fonds geben. Auch in den Kursbüchern finden sich Angaben dazu.

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