Primärversorgung

Krankenkassen setzen auf App und Web für Patientensteuerung

Am Dienstag startet der Fachdialog zur Primärversorgung mit Verbänden und anderen Spitzenvertretern des Gesundheitswesens. Zu einer der zentralen Fragen hat der GKV-Spitzenverband bereits seine Antwort skizziert.

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Vor dem Erstkontakt: Patienten sollen künftig digitale Tools nutzen, um den Weg in die richtige Versorgungsebene des Gesundheitswesens zu finden.

Vor dem Erstkontakt: Patienten sollen künftig digitale Tools nutzen, um den Weg in die richtige Versorgungsebene des Gesundheitswesens zu finden.

© Helena Dolderer/dpa

Berlin. Für die künftige Steuerung von Patientinnen und Patienten in der Primärversorgung setzen die gesetzlichen Krankenkassen auf digitale Unterstützung. „Die drei Säulen für eine moderne, digitalgestützte Primärversorgung werden ein digitales Navigationstool, die elektronische Überweisung und die elektronische Terminvermittlung sein“, sagte Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, der Ärzte Zeitung vor dem morgigen Auftakttreffen für den „Fachdialog zum Primärversorgungssystem“ im Bundesgesundheitsministerium.

Der GKV-Spitzenverband hat dazu in einem fünfseitigen Konzeptpapier mit dem Titel „Primärversorgung: Zugang und digital gestützte Versorgungsnavigation“ seine Vorstellungen zusammengefasst. Zuerst hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland darüber berichtet.

Digitales Navigationstool zur Patientensteuerung

Dreh- und Angelpunkt der Idee ist ein digitales „Navigationstool“, das als Orientierungs- und Entscheidungshilfe für Patientinnen und Patienten eingeführt werden soll. Dieses Tool soll durch Versicherte eigenständig als App auf dem Smartphone oder Web-Angebot auf dem Computer genutzt werden, um einzuschätzen, ob sie mit ihren Symptomen normal zum Hausarzt in die Sprechstunde, direkt zum Facharzt oder im Notfall in die Rettungsstelle gehen sollen. Zugleich soll das Tool mit seinem „strukturierten Einschätzungsprozess“ im Telefonkontakt – etwa an der 116 117 – oder im persönlichen Kontakt unterstützen, um den Behandlungsbedarf einzuschätzen.

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„Dadurch werden Patientinnen und Patienten nach medizinischem Bedarf diskriminierungsfrei durch das komplexe System navigiert und zum anderen Ärztinnen und Ärzte entlastet“, erläutert Stoff-Ahnis.

Stefanie Stoff-Ahnis, Vorständin beim GKV-Spitzenverband.

Stefanie Stoff-Ahnis, Vorständin beim GKV-Spitzenverband.

© GKV-Spitzenverband

Insgesamt werde die Versorgung „transparenter, effizienter und deutlich schneller“. Die stellvertretende Verbandschefin spricht von einem „digitalen Versorgungspfad“ in der Primärversogung, der Versicherte vom ersten Anliegen bis hin zur abgeschlossenen Behandlung begleite und unterstütze.

Auch direkte Überweisung zum Facharzt geplant

Das Navigationstool soll an die elektronische Patientenakte (ePA) angschlossen werden und somit auch Daten aus der Versorgungshistorie oder zur Medikation des Versicherten in die Bewertung einbeziehen können. Geplant ist auch, dass in bestimmten Fallkonstellationen Überweisungen direkt zum Facharzt über das Tool möglich sein sollen.

Die technische Umsetzung stellt sich der GKV-Spitzenverband wie folgt vor: Das System soll plattformunabhängig funktionieren und in Webangebote etwa der Krankenkassen, von Arztpraxen oder Terminvermittlungsplattformen integriert werden können. In Verbindung mit digitaler Terminvermittlung soll es einen „echten Mehrwert durch schnellere und zielgerichtete Versorgungspfade“ für Patienten liefern, wie es im Konzept heißt.

Selbstverwaltung will Vorgaben für Umsetzung machen

Die Vorgaben für die inhaltliche und technische Umsetzung soll die Selbstverwaltung vereinbaren – etwa auch in der Frage, ob das Tool verbindlich als erste Anlaufstelle für den Zugang zur Versorgung dienen soll oder in welchen Bereichen es Ausnahmen etwa für Chroniker geben soll.

Mit den Vorschlägen versuchen sich die gesetzlichen Krankenkassen einmal mehr als digitale Vorreiter zu positionieren. Bereits im vergangenen Herbst hatte GKV-Spitzenverbandschef Oliver Blatt im Gespräch mit der Ärzte Zeitung den Weg skizziert: „Ideal wäre eine Steuerung der Patientinnen und Patienten über eine einheitliche digitale Plattform, die etwa in der App meiner Krankenkasse Termine vermittelt und überdies über Fragen abklärt, ob ein Arztbesuch dringlich ist.“

Im vergangenen Dezember hatte der Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbandes ein Strategiepapier zur Digitalisierung vorgelegt, in dem die Nutzung digitaler Tools für die Versorgungssteuerung skizziert wurde. (gab)

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