Krankschreibung per Telefon
Hartmannbund: Tele-AU ist nicht das Hauptproblem des Arbeitsmarktes
Die vom Bundeskanzler losgetretene Debatte um die Tele-AU schlägt weiter Wellen. Jetzt hat der Vorstand des Hartmannbund betont: Die Ursachen für Fehlzeiten liegen nicht in den Arztpraxen.
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Klaus Reinhardt, Bundesvorsitzender des Hartmannbundes, bezieht klar Stellung für die telefonische Krankschreibung durch die Arztpraxen.
© Christian Lietzmann
Berlin. Die telefonische Krankschreibung bleibt in der Diskussion. Vergangene Woche hatte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine Überprüfung der Tele-AU angekündigt. Ausgelöst hatte die Debatte Anfang des Jahres der kleinste Koalitionspartner, die CSU.
Jetzt hat sich der Vorstand des Hartmannbundes klar gegen eine Abschaffung der telefonischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ausgesprochen. „Die telefonische AU ist nicht das zentrale Problem des deutschen Gesundheitswesens – und auch nicht das des Arbeitsmarktes“, betonte der Vorstand des Bundes im Anschluss an seine jüngste Sitzung.
Kontroverse um Tele AU
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Die eigentlichen Ursachen für Fehlzeiten lägen nicht in den Arztpraxen. Fragen der Motivation, der Arbeitsbereitschaft und des Umgangs mit Fehlzeiten müssten in den Unternehmen zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten erklärt werden.
Aktuellen Auswertungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) in Zusammenarbeit mit der Barmer gingen lediglich 1,2 Prozent der Krankheitstage auf telefonisch eingeholte Krankschreibungen zurück, heißt es in einer Mitteilung des Hartmann-Bund Vorstandes von Montag.
Konflikt um krankheitsbedingte Ausfälle
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Gerade in Infektionswellen stelle die Tele-AU eine wichtige Unterstützung für Arztpraxen dar, argumentierten die Vorstände um Hartmannbund-Chef Dr. Klaus Reinhardt, der auch Präsident der Bundesärztekammer ist. Der Hartmannbund vertritt der Interessen von rund 65.000 Ärztinnen und Ärzten, Zahnärztinnen und -ärzten sowie Medizinstudierenden.
Die Debatte um Fehlzeiten wird in der Ärzteschaft kontrovers geführt. Die Telefon-AU lade zum Missbrauch ein, hatte sich der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Dr. Andreas Gassen auf die Seite von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geschlagen.
Äußerung zur Telefon-AU schlägt Wellen
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Der Kanzler hatte auf einer Wahlkampfveranstaltung in Baden-Württemberg die Debatte losgetreten. Eine der Ursachen des seiner Einschätzung nach hohen Krankenstandes sei „die leichte Krankschreibung“ per Telefon, hatte März moniert. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband hatte ihm daraufhin abgesprochen, noch die Interessen der Ärzteschaft zu vertreten. (af)






