Ärzte Zeitung, 10.11.2008

Geldmarktfonds geraten gehörig unter Druck

Tagesgeldkonten rücken stärker in den Fokus von Anlegern, nachdem Geldmarktfonds durch die Finanzkrise massive Engpässe zu verzeichnen hatten.

Von Jürgen Lutz

Geldmarktfonds als Alternative zu Tagesgeldkonten - dieses Bild haben viele Anleger im Kopf. Doch die Realität sieht leider anders aus: Einige Geldmarktfonds haben in den vergangenen Wochen zum Teil massiv an Wert verloren. Einer der Gründe ist die Staatsgarantie für Sparkonten, ein anderer die Beimischung risikoreicher Papiere.

104 Milliarden Euro hatten deutsche Anleger nach Angaben des Branchenverbands BVI Ende August in Geldmarktfonds investiert. Einen Monat später waren es nur noch gut 100 Milliarden - die Anleger hatten in vier Wochen rund 3,5 Milliarden Euro abgezogen. Das blieb nicht ohne Auswirkungen: Etliche Geldmarktfonds verbuchen ein saftiges Minus.

Dazu gehört etwa der Cominvest Top 4, der nach Angaben der Ratingagentur Morningstar im laufenden Jahr 4,77 Prozent an Wert verlor. Mit 3,06 Prozent liegt der SEB Invest Money Market seit Jahresbeginn zurück, wie die FMH Finanzberatung in Frankfurt am Main ermittelt hat. Viel drastischer erwischte es den Pioneer-Fonds Euro Geldmarkt Plus, der knapp 20 Prozent abgab. Der Nordgeldmarkt-Fonds verlor in dieser Zeit sogar 22,75 Prozent. Kaum wahrscheinlich, dass die Anleger damit rechneten: Schließlich investiert der Fonds nach eigenen Angaben nur in Festgeld und kurzlaufende festverzinsliche Wertpapiere.

Wie kommt es dann zu den Verlusten bei diesen Fonds, die vielen Anlegern als sicheres Investment galten? Claus Walter vom Freiburger Vermögensmanagement sieht zwei Gründe: "Etliche Fonds, die unter der Rubrik Geldmarkt Plus liefen, hatten risikoreiche Anleihen gekauft und erlitten Verluste wegen des Ausfalls. Zudem gab es wegen der Finanzkrise erhebliche Unsicherheit über die Bonität anderer Emittenten. Das drückte die Kurse dieser Anleihen im Fonds-Portfolio."

Den Nackenschlag bekamen die Fonds von Angela Merkel. Als die Kanzlerin die Staatsgarantie für Konto-Einlagen aussprach, waren die Fonds in den Augen der Sparer von einem Moment auf den nächsten im Nachteil, da es für sie keine Garantie gibt. Die Folge war, dass im Oktober Anleger Geld abzogen und auf sichere Bankkonten überwiesen. Das brachte die Fondsmanager unter Druck: "Sie mussten Anleihen, die unter dem Nennwert notierten, verkaufen, um auszahlen zu können", so Walter. Die Papiere brachten sie aber nur mit hohen Abschlägen los - und das drückte die Kurse der Fonds.

Eine Alternative zu Geldmarktfonds sind Tagesgeldkonten, für die neben der Staatsgarantie die Einlagensicherung eines Bankenverbands greift, und Bundeswertpapiere, so Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »