Ärzte Zeitung, 19.11.2009
 

PKV will bei Preisen mitbestimmen

Private Krankenversicherer verzeichnen Kostensteigerungen um sechs Prozent / Über GKV-Niveau

KÖLN (iss). Die Ausgaben für Versicherungsleistungen steigen auch in der Privaten Krankenversicherung (PKV) weiter. "Die PKV wird deshalb nicht nachlassen in ihrem Bemühen, mehr Einfluss auf Preise, Mengen und Qualität der Gesundheitsleistungen zu nehmen", sagte der Direktor des PKV-Verbands Dr. Volker Leienbach.

Die privaten Krankenversicherer rechnen in diesem Jahr mit einem Anstieg der Ausgaben für Versicherungsleistungen um sechs Prozent auf 21,4 Milliarden Euro. Diese Kostensteigerung gehe deutlich über die Entwicklung in der GKV hinaus, schreibt Leienbach im "Zahlenbericht der privaten Krankenversicherung 2008/2009".

Die Beitragseinnahmen der 46 Mitglieder des PKV-Verbands - die 99 Prozent des Marktes repräsentieren - steigen mit vier Prozent auf 31,5 Milliarden Euro weniger stark an als die Ausgaben. Diese Entwicklung war bereits im Jahr 2008 registriert worden. 2008 erzielten die Unternehmen Beitragseinnahmen in Höhe von 30,3 Milliarden Euro, das waren 3,0 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Versicherungsleistungen, in die auch die Aufwendungen für die Schadenregulierung einfließen, nahmen mit 6,7 Prozent auf 20,2 Milliarden Euro zu.

Von den Gesamtausgaben flossen 4,9 Milliarden Euro in die ambulante Arztbehandlung, 7,7 Prozent mehr als 2007. Für Arznei- und Verbandsmittel zahlen die Versicherer 2,2 Milliarden Euro, eine Steigerung um 8,6 Prozent.

Pro Versichertem gab die PKV 2008 rund sechs Prozent mehr aus als 2007 zuvor. Dem steht eine Zunahme um 4,6 Prozent in der GKV gegenüber. Nach dem Zahlenbericht ist die Zunahme pro Versichertem bei der ambulanten Arztbehandlung in der PKV mit 2,6 Prozent aber geringer ausgefallen als in der GKV mit 5,2 Prozent. Die Verwaltungs- und Abschlusskosten der Branche beliefen sich auf 3,3 Milliarden Euro, das war eine Zunahme um 4,8 Prozent.

Bei der Zahl der Vollversicherten kommt die PKV nicht so richtig von der Stelle, nicht zuletzt wegen politischer Maßnahmen wie der Drei-Jahres-Frist für den Wechsel von der GKV in die PKV. Zwar wuchs die Zahl der Vollversicherten 2008 um 90 300, das waren deutlich mehr als die 59 900 des Vorjahres. Es schlugen aber mehrere Sondereffekte zu Buche. 20 500 Kunden hatten lediglich eine sogenannte Anwartschaftsversicherung für einen späteren Wechsel in die PKV gekauft. Weitere 20 900 waren bislang unversichert und kamen der am 1. Januar 2009 beginnenden Versicherungspflicht zuvor. Ohne diese Effekte betrug der Neuzugang 48 900 Personen.

Allein im ersten Halbjahr 2009 zählte die Branche aber fast 100 000 neue Vollversicherte. Auch hier spielten wieder Sondereinflüsse eine Rolle: die Versicherungspflicht und der Start des Gesundheitsfonds, der viele GKV-Versicherte in die PKV trieb.

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