Ärzte Zeitung, 08.11.2010

REIT als Retter für angeschlagene Fonds?

Offene Immobilien-Fonds befinden sich im Moment teilweise in der Krise. Könnte die Umstellung auf Real Estate Investment Trusts (REIT) ein Ausweg aus der Krise sein? Politik und Wirtschaft diskutieren darüber.

Von Richard Haimann

REIT als Retter für angeschlagene Fonds?

Offene Immobilienfonds stellen sich derzeit als Dauerbaustelle dar - sowohl für die Anbieter als auch die Bundesregierung.

© Teamarbeit / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Mit der Umwandlung angeschlagener offener Immobilienfonds in börsennotierte REIT haben andere Länder ihre Anleger in der Vergangenheit vor hohen Verlusten bewahrt. Jetzt fordern Immobilienexperten, dass auch die Bundesregierung diesen Weg geht, um die in Schieflage geratene Branche zu retten.

"Dies wäre die besten Lösung für die Anleger der eingefrorenen offenen Immobilien-Fonds", sagt Oscar Kienzle, Vorstandschef des Immobilienverwalters und Initiators geschlossener Fonds, IC Immobilien Holding.

Real Estate Investment Trust (REIT)

Das Kürzel REIT steht für Real Estate Investment Trust. Dabei handelt es sich um börsennotierte Immobiliengesellschaften, die ihre Gewinne aus Mieteinnahmen und Immobilienverkäufen nicht versteuern, sondern zu 90 Prozent an die Anleger auszahlen müssen. Der Wert der Anteilsscheine unterliegt vollständig den Schwankungen von Angebot und Nachfrage an den Börsen. Auch offene Fonds schütten ihre Erträge größtenteils an ihre Sparer aus. Im Gegensatz zu REIT wird der Preis der Anteilsscheine jedoch von den Gesellschaften nach dem Buchwert der Immobilien festgelegt. Seit Einführung 2007 gibt es drei REIT.

"Bei einer Umwandlung in einen REIT müssten angezählte Fonds nicht Objekte unter Zeitdruck mit hohen Abschlägen auf den Marktwert verkaufen", sekundiert Timo Tschammler, Sprecher der Geschäftsführung der Beratungsgesellschaft DTZ Deutschland. Dies würde die Anleger vor Verlusten schützen.

88 Milliarden Euro haben Sparer in Deutschland in offene Fonds investiert. Jetzt leidet die Branche unter dem globalen Konjunktureinbruch. Mieten und Immobilienpreise sind weltweit gefallen. Zu viele Anleger wollen ihr Geld abziehen. Drei Fonds mit einem Volumen von 2,5 Milliarden Euro werden deshalb aufgelöst.

Weil die Immobilien nicht zum Buchwert veräußert werden konnten, waren massive Abwertungen nötig. Die Anteilsscheine fielen dadurch um bis zu 50 Prozent. Sieben weitere Fonds mit insgesamt 22 Milliarden Euro Anlegerkapital sind eingefroren. Sie müssten spätestens 2012 abgewickelt werden, wenn sie kein frisches Geld auftun können.

Eine ähnliche Krise gab es in den 1990er Jahren bei den offenen Fonds in Australien und den Niederlanden. Die dortigen Regierungen lösten das Problem, in dem sie den Fonds die Wandlung in REIT ermöglichten. "Die Börsenwert etlicher dieser REIT hat sich seither mehr als verdoppelt", sagt Tschammler.

Zwar wollen Union und FDP die offenen Fonds so reformieren, dass Großanleger erst nach einer Mindesthaltefrist von zwei Jahren ihr Geld abziehen können. Hohe Mittelabflüsse im dreistelligen Millionenbereich sollen so verhindert werden. Hingegen sollen Privatanleger weiterhin bis zu 5000 Euro pro Monat abheben können.

Eine Umwandlung von Fonds in REIT sei aber derzeit nicht vorgesehen, sagt Leo Dautzenberg, finanzpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion. Steffen Sebastian, Professor für Immobilienfinanzierung an der Uni Regensburg, bezweifelt, dass die Reform die Fonds sicherer macht: "Hohe Mittelabflüsse werden nicht verhindert, sondern nur verschoben."

Ob eine Umwandlung in REIT für Anleger besser wäre, sei aber auch ungewiss. Zwar fiele das Liquiditätsrisiko der offenen Fonds weg, so Sebastian. "Dafür müssten die Sparer aber das Risiko schwankender Börsenkurse tragen."

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