Ärzte Zeitung, 13.08.2011

Anlagen-Kolumne

Eine Erholung der Aktienmärkte ist nicht in Sicht

Ein neuerliches Aufdrehen der Geldschleusentore ist laut US-Notenbank eines der wenigen Instrumente, die die Aktienmärkte wiederbeleben könnten.

Von Jens Ehrhardt

Eine Erholung der Aktienmärkte ist nicht in Sicht

Obwohl der Schuldenstreit in den USA beigelegt werden konnte, gab es kein Aufatmen für die Börse. Im Gegenteil: Die umgehende Ratingherabstufung durch Standard & Poor's hat eine Lawine ins Rollen gebracht, welche die Kurse in kürzester Zeit auf Talfahrt schickte.

Alle denkbaren Szenarien - zum Beispiel auch die Herabstufung von Frankreich - werden von den Investoren nun in Betracht gezogen.

Der Absturz des Dax ging in den vergangenen Tagen so atemberaubend schnell vonstatten, dass es zwar durchaus an panikartige Zustände erinnert. Aber, ob diese schon eine Gelegenheit zum antizyklischen Einstieg darstellen, ist ungewiss.

Es darf bezweifelt werden, dass wirklich die Mehrheit der Anleger in nur elf Tagen die Gelegenheit genutzt hat, um die Portfolios zu bereinigen. Ein Blick in die Vergangenheit verdeutlicht, dass die derzeitige Kursbewegung einmalig ist. Einen 24-prozentigen Kursabschlag innerhalb von elf aufeinanderfolgenden Verlusttagen gab es in den vergangenen 50 Jahren noch nicht.

Vier vergleichbare Ereignisse fanden allerdings statt: 1966 in 11 Tagen (-7,5 Prozent); 1970 in 13 Tagen (-16,5 Prozent); 1971 in 14 Tagen (-8,5 Prozent) und 1978 in 11 Tagen (-5 Prozent).

Die Hoffnung einer Zwischenerholung liegt nahe und wird auch von dem hohen Pessimismus argumentativ unterstützt, der derzeit in den Umfragen zu messen ist. Eine länger andauernde Erholung ist vom heutigen Stand jedoch noch nicht zu erwarten. Zu düster sind die fundamentalen Rahmenbedingungen.

Am vergangenen 9. August teilte die US-Notenbank Fed mit, dass sie bei ihrer Nullzinspolitik bleiben wird und kündigte dies sogar für die nächsten beiden Jahre an. Dies würde sie nicht tun, wenn sie nicht eine extrem geschwächte Konjunktur beobachten würde.

Die USA scheinen sich damit im Moment auf japanische Verhältnisse zuzubewegen. Mit den Kursverlusten der vergangenen Tage wurde im S&P 500 das Niveau erreicht, welches vor dem Beginn von Quantitative Easing herrschte. Insofern könnte man argumentieren, dass die beiden Programme zur monetären Lockerung nichts gebracht haben.

Immerhin sieht die US-Notenbank in der Stimulierung des Aktienmarktes eines der wirkvollsten Mittel, um die Konjunktur zu stimulieren. Entsprechend wäre wohl ein neuerliches, rasches Aufdrehen der Geldschleusentore in den Augen der Fed eines der wenigen möglichen Instrumente das ihr bleibt um die Aktienmärkte und die Konjunktur wiederzubeleben, auch wenn es langfristig mit Blick auf die Inflationsraten eine sehr ungesunde Variante ist.

Da dies nicht im Widerspruch zu dem bisherigen politischen Aktionismus stehen würde, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein. Je eher desto besser für die Börse.

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