Ärzte Zeitung, 28.03.2012

Weltweiter Gesundheitsmarkt - eine Goldgrube

Alternde Gesellschaft, steigender Wohlstand und medizinischer Fortschritt lassen die Aktien von Gesundheitsunternehmen zu einer interessanten Anlage werden.

Von Antonia von Alten

Gesundheitswirtschaft weltweit - ein Markt mit Zukunft

DÜSSELDORF. Ärzte sind als Akteure Tag für Tag mittendrin im Gesundheitsmarkt. Daher sieht mancher Praxischef sehr genau, wo die Probleme des deutschen Gesundheitssystems liegen. Aus der Sicht einer Hausarztpraxis scheint die Gesundheitswirtschaft am Tropf des Staates zu hängen und perspektivlos zu sein.

Ein ganz andere Sicht haben Finanzinvestoren: Sie sehen großes Wachstumspotenzial im Gesundheitsmarkt, wohlgemerkt: im weltweiten. Sie legen Geld an in forschende Pharmaunternehmen, Generikahersteller, Biotech-Firmen, Laborausrüster, private Kliniken oder in Klinik- und Praxis-IT-Firmen.

Und fahren damit nicht schlecht: Der weltweite Gesundheitsmarkt - gemessen am Aktienindex MSCI World Healthcare - hat sich in den vergangenen Jahren wesentlich besser entwickelt als der Gesamtmarkt, gemessen am Aktienindex MSCI World.

Aktien werden wohl weiter gute Rendite abwerfen

Und das vor allem während und nach der Finanzmarktkrise. Wenn ein Anleger im Jahr 1995 etwa 10.000 Euro anhand des MSCI World Healthcare in den Gesundheitsmarkt investiert hat, sind diese heute mehr als 350.000 Euro wert, die des MSCI World dagegen nur rund 160.000 Euro.

Die Anzeichen, dass Aktien des weltweiten Gesundheitsmarkts weiter gute Renditen abwerfen, sind gut: Die zunehmende Alterung der Gesellschaft, der steigende Wohlstand und der stetige medizinische Fortschritt führen weltweit zu einer wachsenden Nachfrage nach Leistungen rund um Gesundheit, Lifestyle und Wellness.

Ein Trend, der sich nicht nur in Europa oder den USA verstärkt. Gerade in den aufstrebenden Staaten Osteuropas Lateinamerikas und Asiens wächst eine kaufkräftige Mittelschicht heran.

Im Schnitt zehn Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts wird für Gesundheit aufgewendet - damit gehört der Gesundheitssektor zu den größten Wirtschaftszweigen.

Gesundheitsorganisationen prognostizieren weiteres Wachstum bis 2020

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, der OECD und dem Center für Medicare and Medicaid Services der USA soll dieser Wert bis 2020 noch weiter steigen: von 5,8 Billionen Dollar im Jahr 2010 auf 10,3 Billionen Dollar im Jahr 2020 - ein Wachstum von 77 Prozent.

Doch wo genau lohnt es sich zu investieren? Indizes wie der MSCI World Healthcare gewichten Pharma sehr stark: Mit etwa 60 Prozent dominieren dort Pharma-Riesen mit hoher Marktkapitalisierung. Anfang 2010 betrug der Börsenwert aller Pharmaaktien rund 1,3 Billionen Euro - 56 Prozent der Marktkapitalisierung des gesamten Gesundheitsbereichs.

Beim Umsatz erreichten die Pharmafirmen aber nur 34 Prozent. Dienstleister, von der Privatklinik bis hin zur Krankenversicherung, erwirtschafteten hingegen 49 Prozent des Gesamtumsatzes - bei einer Marktkapitalisierung von 13 Prozent. Kleinere Fondsanbieter wie die ApoAsset haben den Anteil der Pharmaaktien in ihren Depots deshalb zurückgefahren und sehen bei Anbietern, die sich am MSCI World Healthcare orientieren, ein "Klumpenrisiko". Gesundheit, so ihre Anlagestrategie, ist mehr als Pharma.

Sie setzen stärker auf Biotechnologie, Medizintechnik, Laborausrüster und IT. Und auf neue Trends im Gesundheitsmarkt, die sich beispielsweise in den USA abspielen. In keinem anderen Land wird mehr für Gesundheit ausgegeben als in den USA. Bezogen auf das Bruttoinlandprodukt betragen die Ausgaben 16 Prozent.

Wachstumsoptimismus - auch für Investitionen im US-Gesundheitswesen

Sie liegen damit um 80 Prozent über dem OECD Durchschnitt. Für Anleger ist dieser Markt besonders interessant, weil es dort die meisten börsennotierten Unternehmen gibt - nicht nur Pharma- und Medtech-Unternehmen wie in Deutschland, sondern weitere interessante Modelle wie den MedNax: Diese Aktiengesellschaft hat sich auf die Vermittlung von hochqualifizierten Fachärzten spezialisiert.

Sie vermittelt Gynäkologen für Risikoschwangerschaften oder Anästhesisten für Operationen an Kliniken, die diese Fachärzte nicht mehr fest anstellen, sondern bei Bedarf "ausleihen".

Dem Wachstumsoptimismus der Fondsmanager stehen die hohen Staatsschulden und die in Amerika und Europa geplanten Einschnitte im Gesundheitswesen entgegen. Lohnt es sich da überhaupt, in die Gesundheitswirtschaft zu investieren?

Auf jeden Fall, meinen Marktbeobachter. Die geplanten Einschnitte ins US-Gesundheitswesen könnten einen Effekt von jährlich etwa 50 Milliarden Dollar über die nächsten zehn Jahre haben.

Dagegen steht 2010 das enorme Gesamtvolumen des Gesundheitsmarktes in den USA, das 52 mal so groß ist und 2600 Milliarden Dollar umfasst.Ärzte, die auf die Branche setzen, in der sie tätig sind, fahren also mit Gesundheitsfonds und Aktien aus dem Gesundheitsmarkt gut.

Sehr wahrscheinlich jedenfalls. Doch das Kleingedruckte lautet wie bei allen Aktien: Es sind Unternehmensbeteiligungen und können im schlimmsten Fall verlustig gehen.

Lesen Sie dazu auch das Interview:
"Wir schauen über den deutschen Tellerrand hinaus"

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