Ärzte Zeitung, 05.05.2012

Anlagen-Kolumne

Lässt sich mit Immobilien besser schlafen?

Sich Wohneigentum zu schaffen ist derzeit so günstig wie nie. Doch ist das auch die beste Anlagestrategie? Noch werfen Aktien höhere Renditen ab.

Von Gottfried Urban

Lässt sich mit dem Investment in Immobilien besser schlafen?

Ironie des Schicksals: Die Preise für Wohnimmobilien sind in den USA im Keller. An sich also eine gute Gelegenheit, Wohneigentum zu erwerben. Indes, die Banken reichen kaum noch Kredite aus.

Die Menschen sind gezwungen, zur Miete zu wohnen. Ganz anders die Situation in Deutschland. Eine günstige Finanzierung zu bekommen, ist im Moment kein Problem.

Allerdings ist der Immobilienmarkt leer gefegt, weil viele Anleger getrieben von Inflationsängsten in Sachwerte fliehen. Erschwingliche Objekte sind Mangelware.

Die Preise für Einfamilienhäuser steigen immer weiter. Gleichzeitig verharren die Mietrenditen teilweise auf historischen Tiefständen.

In München etwa verzinst sich der Kaufpreis für eine Eigentumswohnung in guter Lage bestenfalls noch mit drei Prozent. Die Anlage rechnet sich nur wegen der niedrigen Finanzierungskosten.

Bei einem Kreditzins für erstrangige Besicherung von deutlich unter drei Prozent reicht die aktuelle Mieteinnahme zur Finanzierung aus. Eng wird es, wenn die Zinsen wieder nach oben klettern.

Bei fünf Prozent Zinsen und drei Prozent Mietrendite geht die Rechnung nicht mehr auf. Will der Eigentümer nicht drauflegen, müssen entweder die Preise fallen, oder die Mieten müssen angehoben werden.

Das aber scheint angesichts der demografischen Entwicklung bei einem langen Finanzierungszeitraum höchst ungewiss.

Interessante Perspektiven

Ob der Erwerb von Immobilien ein gutes Geschäft ist, lässt sich also heute nicht mit Sicherheit sagen. Doch was ist die Alternative? Der Erfolg liegt bekanntlich im Einkauf.

Und hier bietet der Aktienmarkt im Moment interessante Perspektiven. Denn anders als Immobilien sind Aktien hierzulande nicht teuer. Die Dividendenrendite liegt im Schnitt bei etwa vier Prozent.

Der Unternehmensgewinn, bezogen auf den Aktienkurs, bewegt sich bei etwa 10 Prozent pro Jahr, davon wird im Normalfall knapp die Hälfte als Dividende ausbezahlt. Der Rest wird reinvestiert oder am Geldmarkt geparkt und bleibt substanzerhöhend im Unternehmen.

Verglichen mit der Rendite von Bundesanleihen (derzeit 1,5 Prozent p.a.) oder der Verzinsung von Wohnimmobilien (derzeit ca. drei Prozent p.a.) ist das ein gutes Geschäft.

Auch Gewerbeimmobilien werfen selten mehr als eine 5- bis 8-prozentige Rendite ab. In den USA liegt die Aktienrendite übrigens bei etwa sieben Prozent, die Dividende etwas unter drei Prozent.

US-Wohnimmobilien verzinsen sich aktuell mit über zehn Prozent und damit besser als US-Aktien. In Deutschland verhält sich das genau anders herum. Ob man in den nächsten zehn Jahren mit Aktien oder mit Wohnimmobilien besser schlafen kann, wird sich zeigen.

Für Qualitätsaktien sprechen die aktuell günstige Bewertung und die stabile Nachfrage infolge der wachsenden Bevölkerung in den Schwellenländern.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wenn Einsamkeit krank macht

Ein Alterspsychotherapeut warnt: Ältere Männer sind besonders häufig suizidgefährdet. Einsamkeit ist ein Grund dafür. mehr »

Diabetes-Experten sind besorgt

Schon bald könnten mehr Lebensmittel "schlechten Zucker" enthalten. Für die Industrie wird der Einsatz von Isoglukose profitabler. mehr »

PKV bekennt sich zur Innovationsoffenheit

Wird es mit der neuen GOÄ erschwert, Privatpatienten neue Leistungen anzubieten? Vom PKV-Verband kommt dazu ein klares Dementi. mehr »