Ärzte Zeitung online, 07.11.2013

Anlagen-kolumne

Notenbanken auf dem Prüfstand

Notenbanken können mir ihren Einschätzungen großen Schaden anrichten, wichtiger ist es daher den Markt genau zu beobachten.

Von Jens Ehrhardt

Notenbanken auf dem Prüfstand

Bekanntermaßen ist die Geldpolitik im aktuellen Umfeld der wahrscheinlich wichtigste Einflussfaktor für die Börsen. Der Journalist und Beobachter der US-Notenbank FED Jon Hilsenrath veröffentlichte kürzlich eine Auswertung zu den Kommentaren der US-Notenbankmitglieder. Mit ihren Äußerungen bewegen sie die Märkte, obwohl die Prognosen im Durchschnitt genauso oft richtig wie falsch sind.

Untersucht wurden 700 Aussagen von 14 Mitgliedern in der Zeit von 2009 bis 2012. Auf einer Skala von -1 bis +1 wurde deren Zuverlässigkeit bewertet. Die "Tauben" (doves), Anhänger einer lockeren Geldpolitik, lagen in der Regel richtiger als die "Falken" (hawks) die gegen zu billiges Geld sind und Inflationsbefürchtungen hegen. Janet Yellen, die Nachfolgerin von Ben Bernanke, lieferte die treffsichersten Einschätzungen mit einem Wert von 0,52.

Den zweiten Platz belegte mit 0,45 William Dudley, der ebenfalls zum Lager der Tauben gehört. Erstaunlicherweise bewegten jedoch die Aussagen der Männer (Plosser; Bullard und Lacker) mit der geringsten Treffergenauigkeit (-0,01; 0,00 und 0,05) die Märkte kurzfristig stärker als die Aussagen von Yellen.

Die korrekte Einschätzung der Wirtschaft (Wachstum, Inflation und Arbeitslosigkeit) ist so wichtig, weil die Notenbank mit ihren Entscheidungen für zu niedrige oder zu hohe Zinsen großen Schaden anrichten kann. Janet Yellen argumentiert zum Beispiel mit der schwachen Wirtschaft und der zu hohen Arbeitslosigkeit, welche die Inflation trotz des billigen Geldes niedrig halten.

Zu viel Geld im System führt immer zu Inflation

Auf der anderen Seite sagte schon Nobelpreisträger Friedman, dass zu viel Geld im System immer zu Inflation führt. Vielleicht liegt es einfach daran, dass die Inflation, die üblicherweise mit den Verbraucherpreisindizes gemessen wird, derzeit nicht das passende Instrument ist.

Es dürfte eher so sein, dass sich die Inflation derzeit in Vermögensklassen abspielt, die durch wohlhabende Bevölkerungsschichten dominiert werden (etwa Kunstgegenstände) und weniger bei Gütern des täglichen Verbrauchs.

Es lohnt sich also nicht, auf alle Kommentare der FED-Offiziellen zu hören. Wichtig wird sein, die Indikatoren der Kreditvergabe aufmerksam zu beobachten.

Verlässt das geschaffene Geld die Banken, die es derzeit noch horten, und kommt in den Umlauf, dürften die Falken am Ende mit ihren Inflationsbefürchtungen richtig liegen. Hoffentlich erkennen die Tauben an der Spitze der FED dies dann rechtzeitig.

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