Ärzte Zeitung, 15.12.2014

Anlagen-Kolumne

Bis Jahresende haben Aktien Rückenwind

Von Jens Ehrhardt

Ein in vieler Hinsicht außergewöhnliches Jahr geht zu Ende. Inzwischen werden 83 Prozent der weltweiten Börsenkapitalisierung von der Nullzinspolitik unterstützt. Die Hälfte aller weltweiten Staatsanleihen hat eine Rendite unter einem Prozent.

In Deutschland sind die Zinsen für Staatsanleihen auf ein Allzeittief gefallen.

Bis zu einer Laufzeit von sieben Jahren gibt es praktisch gar keine oder sogar negative Verzinsungen. Die internationale Verschuldung ist mit inzwischen 150 Billionen US-Dollar um fast die Hälfte höher als vor der Finanzkrise.

Darüber hinaus gab es 2014 beträchtliche geopolitische Verwerfungen - Ukraine-Krise, ISIS-Bewegung, Gaza-Konflikt -, die früher zu einem steigenden Ölpreis geführt hätten.

Stattdessen hat sich der Ölpreis 2014 nahezu halbiert, unter anderem weil die USA, dank der Shalegasexploration, heute deutlich weniger von Ölimporten abhängig sind.

Erstmals seit den 70er Jahren wurde zuletzt sogar Öl aus den USA exportiert.

Dennoch oder gerade deswegen stehen viele Aktienbörsen nahe ihrer Allzeithochs. Und Aktien bleiben als Zuflucht auf der Suche nach Rendite eine der wenigen Alternativen.

Auch wenn die erste Dezemberhälfte bisher eher mau verlief, was nicht ungewöhnlich ist, sollte der Monat insgesamt positiv laufen. In der zweiten Dezemberhälfte sah es in der Vergangenheit für Aktien fast immer gut aus.

Es gibt auch Gründe über die Saisonalität hinaus, die dafür sprechen. Der Konjunkturindex Sentix zeigt eine deutliche Stimmungsverbesserung. Der ifo-Index sollte am Donnerstag gleich tendieren.

Das wäre ein sehr positives Signal für die Investoren, dass sich die europäische Konjunktur stabilisiert. Die starke US-Konjunktur zweifelt momentan ohnehin niemand an.

Fazit: Anfang 2015 könnte es wegen des großen Optimismus‘ durchaus einen Rücksetzer geben, aber bis Jahresende 2014 sollten die Börsen unterstützt bleiben.

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