Ärzte Zeitung, 29.05.2015

Steuer

Kein Abzug für die Pflege eines Angehörigen

MÜNSTER. Die Pflege Angehöriger kann körperlich und psychisch belastend sein, steuerlich gesehen aber nicht.

Eine Steuervergünstigung als fiktive "außergewöhnliche Belastung" ist deshalb ausgeschlossen, so das Finanzgericht Münster.

Geklagt hatte eine angestellte Ärztin aus Westfalen. Sie pflegt ihren Vater, der in Pflegestufe II eingestuft war.

In ihrer Steuererklärung für 2011 machte sie hierfür 54.000 Euro bei "außergewöhnlichen Belastungen" geltend. Dabei setzte sie 45 Stunden pro Woche, 40 Wochen pro Jahr und einen Stundensatz von 29,84 Euro an; der Satz entsprach dem für Klinikärzte im Bereitschaftsdienst.

Das Finanzamt berücksichtigte lediglich den Pflegepauschbetrag von 924 Euro. Dies hat das FG Münster in seinem kürzlich veröffentlichten Urteil bestätigt. Der klare Gesetzeswortlaut lasse nur die Berücksichtigung von "Aufwendungen" als außergewöhnlichen Belastungen zu.

Das seien untypische Geldausgaben, die sich vermögensmindernd auswirken. Solche Aufwendungen habe die pflegende Ärztin nicht gehabt. Die Möglichkeit des Ansatzes fiktiver Pflege-Belastungen lasse sich dem Gesetz nicht entnehmen. (mwo)

Az.: 11 K 1276/13 E

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Was schützt wirklich vor der prallen Sonne?

Auch beim Sonnenschutz setzen immer mehr Menschen auf Naturprodukte. Forscher haben die Schutzwirkung von Samen und Ölen untersucht - mit zwiegespaltenem Ergebnis. mehr »

"Abwarten und Teetrinken geht nicht mehr"

Unser London-Korrespondent Arndt Striegler beobachtet die Brexit-Verhandlungen hautnah - und ist verwundert über die May-Regierung, während die Ärzte immer mehr in Panik verfallen. mehr »

Pflege bleibt Problembereich

Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ist 2016 drastisch zurückgegangen. Die erweiterten Kontrolloptionen der Leistungsträger müssen aber erst noch Wirkung zeigen. mehr »