Ärzte Zeitung, 17.06.2015

Rechenschaftsbericht

PKV buttert 24,7 Milliarden in Gesundheit und Pflege

Die Privaten Krankenversicherer haben auch im Jahr 2014 mehr ausgegeben, wie der aktuelle Rechenschaftsbericht zeigt. Der Anstieg flachte aber ab - und die Zahl der Versicherten sinkt.

Von Ilse Schlingensiepen

PKV buttert 24,7 Milliarden in Gesundheit und Pflege

Die Ausgaben der PKV sind auch im Jahr 2014 angestiegen.

© picture alliance / Bildagentur-o

BERLIN. Die privaten Krankenversicherer (PKV) haben im vergangenen Jahr je Versicherten 2,6 Prozent mehr für die ambulante Arztbehandlung ausgegeben.

Wie in den anderen Bereichen hat sich auch hier der Ausgabenanstieg abgeflacht. Von 2012 auf 2013 hatte die Steigerung bei der Arztbehandlung noch 4,5 Prozent betragen.

Nach dem "Rechenschaftsbericht der Privaten Krankenversicherung 2014", der bei der am Mittwoch auf der PKV-Jahrestagung in Berlin vorgelegt wurde, gaben die PKV-Unternehmen 2014 je Versicherten 2,8 Prozent mehr aus. Ein Jahr zuvor hatte die Steigerung noch exakt bei fünf Prozent gelegen.

Den stärksten Zuwachs registrierte die Branche im vergangenen Jahr bei den Ausgaben für Arzneien und Verbandmittel, die sich um 5,3 Prozent erhöhten. Die absolute Höhe der Ausgaben in den einzelnen Bereichen veröffentlicht der Verband im Herbst im Zahlenbericht.

870 Millionen Euro für die Pflege

Die gesamten Versicherungsleistungen inklusive der Schadenregulierungskosten der 42 Mitglieder des PKV-Verbands stiegen um 1,8 Prozent auf 24,7 Milliarden Euro. Davon entfielen 23,8 Milliarden Euro auf die Krankenversicherung und 870 Millionen Euro auf die Pflegeversicherung.

Die Branche kam auf Beitragseinnahmen von 36,2 Milliarden Euro, davon 34,2 Milliarden Euro in der Krankenversicherung. Der größte Batzen entfiel mit 25,8 Milliarden Euro auf das Kerngeschäftsfeld Vollversicherung.

Die Alterungsrückstellungen wuchsen um 4,1 Prozent auf 202 Milliarden Euro. Die Demografie-Vorsorge der Privatversicherten sei damit auch in der aktuellen Niedrigzinsphase weiter solide angestiegen, schreiben der Verbandsvorsitzende Uwe Laue und Verbandsdirektor Dr. Volker Leienbach im Vorwort des Berichts.

"Trotz der Schuldenkrise und des ungünstigen Zinsumfeldes konnten den Rückstellungen der Privatversicherten rund acht Milliarden Euro neu zugeführt werden."

Die Abschlusskosten der PKV-Unternehmen reduzierten sich 2014 um 4,8 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Gleichzeitig nahmen die Verwaltungsaufwendungen um 4,7 Prozent auf 885 Millionen Euro zu. In den gesunkenen Abschlusskosten spiegelt sich der Rückgang bei der Zahl der Vollversicherten wider.

Hier mussten die Versicherer wie bereits berichtet erneut einen Rückgang hinnehmen, und zwar um 0,6 Prozent auf 8,8 Millionen. Damit hatte die PKV 2014 im Verhältnis zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) einen Marktanteil von 11,1 Prozent.

189.000 Versicherte im Sozialtarif

Von den Vollversicherten waren 188.900 in einem der "Sozialtarife" der PKV, das waren 2,1 Prozent. Der größte Teil von ihnen war Ende 2014 mit 114.700 im Notlagentarif ihres Anbieters.

Das waren 22,5 Prozent mehr als 2013. Unter ihnen waren auch 7900 Beihilfeberechtigte, verglichen mit 5900 im Jahr zuvor. In den Notlagentarif kommen Kunden, die trotz zweifacher Mahnung ihre Beiträge nicht bezahlt haben.

Der brancheneinheitliche Basistarif zählte 28.700 Versicherte, ein Plus von 7,5 Prozent. Von ihnen waren 11.200 zuvor nicht versichert. Bei insgesamt 15.400 Versicherten wurden die Beiträge wegen Hilfebedürftigkeit halbiert.

Im Standardtarif waren 45.500 Kunden, 100 mehr als im Vorjahr.

Die Zahl der im Bestand der Versicherer befindlichen Zusatzversicherungen erhöhte sich um 1,7 Prozent auf 23,9 Millionen. Den größten Bereich machten Zahntarife mit 14,1 Millionen Policen aus. Die Zahl der ambulanten Tarife belief sich auf 7,7 Millionen, bei den Wahlleistungen im Krankenhaus waren es 5,9 Millionen.

Insgesamt 18,1 Millionen gesetzlich Versicherte hatten Ende 2014 ihren GKV-Schutz durch eine private Police oder mehrere Policen ergänzt.

Die Zahl der Pflegezusatzversicherungen, die von GKV- und PKV-Versicherten gekauft werden, erhöhte sich um 4,5 Prozent auf 2,5 Millionen. Hinzu kam 549.900 geförderte Pflegezusatzpolicen, der sogenannte Pflege-Bahr.

Das war zwar ein Anstieg um 55,5 Prozent. Das selbst gesteckte Ziel von einer Million Policen wurde aber klar verfehlt.

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