Ärzte Zeitung online, 12.06.2017

Geldanlage

Teure Tesla-Aktie lenkt den Blick auf etablierte Autobauer

Nach dem Höhenflug beim Elektromobil-Hersteller Tesla raten Analysten jetzt zu Gewinnmitnahmen. Wer auf die Zukunft des Stromantriebs wetten will, dem werden derzeit eher Papiere europäischer Automobilhersteller empfohlen.

Von Richard Haimann

Teure Tesla-Aktie lenkt den Blick auf etablierte Autobauer

Gehört die Zukunft dem Stromantrieb? Analysten erwarten, dass Verbrennungsmotoren noch lange Zeit Rendite bringen und raten jetzt zum Einstieg bei traditionellen Autobauern.

© Kasto/ stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Welcher Autohersteller bald globaler Marktführer ist – an der Börse scheint diese Frage entschieden: Tesla. Der Aktienkurs des Elektrofahrzeug-Produzenten aus den USA markiert fast täglich neue Höchststände – und das, obwohl die Firma tiefrote Zahlen schreibt. Hingegen sind die Papiere europäischer Autokonzerne deutlich gefallen – und bieten nach Meinung von Analysten deshalb erhebliches Kurspotenzial.

Vergangene Woche erreichte Teslas Marktwert eine neue Rekordsumme: An den Börsen wurde der kalifornische Autobauer mit 49,8 Milliarden Euro bewertet. Damit übertraf die Marktkapitalisierung des Stromerproduzenten deutlich jene der etablierten US-Automobilgiganten Ford mit 39 Milliarden Euro oder General Motors mit 45,8 Milliarden Euro. Dabei hat Tesla seit Produktionsbeginn 2008 bislang weltweit nur 200.000 Fahrzeuge verkauft, während allein Ford vergangenes Jahr 6,7 Millionen Fahrzeuge absetzte.

Auch weiterhin rote Zahlen

Außer Frage steht, dass Tesla angesichts der zunehmenden Schadstoffbelastung in den Großstädten einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung des Automobils leistet. "Tesla macht vor, wie Elektroautos gesellschaftsfähig werden", sagt Ralph Rickassel, Stratege bei PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf. Doch nach dem Höhenflug der Aktie raten Analysten, nun Gewinne beim Papier des Stromer-Herstellers mitzunehmen. "Das Unternehmen wird dieses Jahr weitere drei Milliarden US-Dollar Verlust machen", sagt Adam Jonas, Automobilanalyst bei der US-Investmentbank Morgan Stanley, der die Tesla-Aktie jüngst auf "Gleichgewichten" herabgestuft hatte. Im Börsenjargon heißt das, dass sich der Aktienkurs in den kommenden zwölf Monaten im Gleichklang mit den breiten Marktindizes entwickeln dürfte.

Noch skeptischer ist David Tamberrino. Der Analyst der US-Investmentbank Goldman Sachs hält das Unternehmen für überbewertet und hat das Tesla-Papier mit "Verkaufen" eingestuft. Er geht davon aus, dass der Kurs von derzeit knapp 350 Dollar in den kommenden zwölf Monaten auf nur noch 190 Dollar einbrechen wird.

"Tesla ist zwar der Pionier der Elektromobilität", sagt Rickassel. Allerdings haben inzwischen fast alle Automobilproduzenten Stromer im Programm. "Gleichzeitig werden Fahrzeuge mit Benzin- und Dieselmotoren noch viele Jahre verkauft und gefahren werden", so der Stratege. Allein schon, weil es viele Jahre dauern wird, die Infrastruktur für die Elektromobilität aufzubauen. Gegenwärtig kann das Stromnetz keiner Stadt genügend Elektrizität liefern, um eine größere Menge Elektrofahrzeuge aufzuladen.

Das verspricht europäischen Herstellern wie BMW, Daimler, Fiat-Chrysler, dem PSA-Konzern mit den Marken Citroen, Opel und Peugeot sowie dem deutschen Autobauer VW auch weiterhin gute Absatzzahlen – sowohl für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren wie für die von den Unternehmen neu entwickelten Elektromobile. "Zudem sind diese Aktien derzeit spottbillig", sagt Rickassel. BMW wird derzeit an der Börse nur mit dem Achtfachen des für dieses Jahr erwarteten Gewinns bewertet, PSA mit dem 7,6-fachen, VW mit dem 5,8-fachen, Daimler lediglich mit 5,2-fachen und Fiat-Chrysler nur mit dem 4,9-fachen. "Hingegen kosten die Aktien der Unternehmen im deutschen Leitindex Dax durchschnittlich das 14-fache des erwarteten Jahresgewinns", sagt Rickassel.

Attraktiv trotz Abgasskandals

Ein wesentlicher Grund für die heftigen Abschläge ist der Dieselskandal. Doch Analysten sehen mehrheitlich bei den klassischen Autoherstellern deutliches Kurspotenzial angesichts der gefallenen Notierungen. Allein das Papier von VW, jenem Konzern, der als erster von US-Behörden des Abgasbetrugs überführt worden war, wurde im Mai von zehn Analysten mit "Kaufen" und nur noch von dreien mit "Halten" eingestuft. Für die Fiat-Chrysler-Aktie gab es in dieser Zeit zwei Kaufempfehlungen, obwohl US-Behörden auch gegen dieses Unternehmen vorgehen.

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