Ärzte Zeitung, 14.08.2017

Geldanlage

Hellenische Versuchung: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt zum Einstieg in Athen?

Griechenland ist für professionelle Investoren wieder hoffähig geworden. Analysten-Fantasien kennen schon fast wieder keine Grenzen. Privatanleger sollten aber eine gute Portion Skepsis mitbringen.

Von Richard Haimann

Hellenische Versuchung: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt zum Einstieg in Athen

Trügt die griechische Idylle am Ende die Anleger, oder hält der Aufwind an der Börse lange an?

© samott/stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Griechenland ist wieder da. Im Juli konnte sich Hellas erstmals wieder aus eigener Kraft Geld an den internationalen Finanzmärkten besorgen. Auch die Börse in Athen zieht wieder an – und manche Analysten sehen dort noch reichlich Kurspotenzial.

Wer vor einem Jahr über einen Indexfonds 10.000 Euro in das griechische Börsenbarometer Athex Composite investiert hätte, wäre heute um fast 5000 Euro reicher. Um 49 Prozent ist der griechische Leitindex in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen. Christos Arbaras, Vorstand des Münchner Vermögensverwalters Anados Asset Management, sieht darin erst den Beginn einer langfristigen Erholung am hellenischen Aktienmarkt. "Fundamental waren viele griechische Unternehmen bereits in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich und hätten schon seit Längerem höhere Börsenbewertungen verdient", sagt der gebürtige Grieche.

Wirtschaft erstmals wieder gewachsen

Griechenland war nach Ausbruch der Finanzkrise in 2008 in Insolvenzgefahr geraten. In den Jahren zuvor hatte die Regierung in Athen immer mehr Kredite aufgenommen. Als mit der Krise die Steuereinnahmen massiv einbrachen, konnten Zins und Tilgung nicht mehr geleistet werden. Europäische Union und Internationaler Währungsfonds (IWF) spannten einen Rettungsschirm und verordneten dem Land einen massiven Sparkurs. Im ersten Quartal dieses Jahres ist die griechische Wirtschaft dann erstmals wieder gewachsen. Im Juli hatten internationale Investoren so weit Vertrauen gefasst, dass Griechenland wieder eine Anleihe über drei Milliarden Euro am Kapitalmarkt begeben konnte.

IWF-Ökonomen prognostizieren dem Land dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent. Analysten der Ratingagentur Moody‘s erwarten immerhin ein Plus von 1,5 Prozent. Ziehe die Wirtschaft im Land weiter an, werde dies internationale Investoren wieder verstärkt in Aktien griechischer Unternehmen locken, meint Arbaras. "Damit könnte Athen zukünftig zu den herausragenden Börsenplätzen zählen, ähnlich wie vormals Russland oder Argentinien nach der Staatspleite im Jahr 2001."

Gemessen an früheren Höchstständen, scheint die Athener Börse tatsächlich viel Kurspotenzial zu bieten. 2008, vor Beginn der Krise notierte der Athex Composite bei mehr als 5200 Punkten. Aktuell zählt der Index weniger als 840 Punkte.

Optimistisch für griechische Werte sind auch einige US-Analysehäuser. In ihrem Fokus stehen vor allem Aktien von Unternehmen, die den Großteil ihrer Geschäfte außerhalb des Landes tätigen. Dies gilt etwa für Coca-Cola Hellenic Bottling, die Getränke der amerikanischen Coca Cola Company in Griechenland produziert, abfüllt und in Süd- und Osteuropa sowie im Nahen Osten vertreibt. Die Analysten der US-Investmentbank JP Morgan Chase haben den Wert mit "Übergewichten", ihre Kollegen von der Citigroup sogar mit "Kaufen" eingestuft.

Auch einige börsennotierte Reedereien stehen auf den Empfehlungslisten. Zacks Investment Reserach in Chicago hat jüngst den Seetransportspezialisten Star Bulk Carrier auf seine Kaufliste gesetzt. Die Analysten der New Yorker Investmentbank Jefferies Group haben die Aktien der Reederei ebenfalls mit "Kaufen" eingestuft, Morgan Stanley mit "Übergewichten".

Hohe Chancen, hohes Risiko

Allerdings raten nicht alle Experten dazu, jetzt in griechische Aktien einzusteigen. "Wir sind skeptisch, ob es nun tatsächlich zu einer tief greifenden wirtschaftlichen Erholung im Land kommt", sagt Moritz Westerheide, Analyst der Bremer Landesbank. "Griechische Aktien sind nur etwas für Anleger, die hohe Chancen suchen, dabei aber ebenso hohe Risiken nicht scheuen."

Eine günstige Einstiegsmöglichkeit bieten Indexfonds wie der Lyxor UCITS ETF Athex Large Cap, die den griechischen Leitindex direkt nachbilden. Weil deren Anteile nur an der Börse erworben werden können, fallen keine Ausgabeaufschläge an. Zudem sind die Managementgebühren minimal, da diese Fonds nur passiv verwaltet werden.

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