Ärzte Zeitung online, 07.07.2018

Geldanlage

Andere Häfen glänzen heller als das Gold

Bei Börsenturbulenzen gilt Gold vielen als sicherer Hafen – ein Irrtum. Star-Investoren hingegen sammeln lieber solide Aktien ein.

Von Richard Haimann

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Gold ist in turbulenten Börsenzeiten keine gute Anlagealternative.

© AbleStock.com / AbleStock.com /

NEU-ISENBURG. Seit der Handelskonflikt zwischen den USA auf der einen und der Europäischen Union und China auf der anderen Seite die Börsen auf Talfahrt geschickt hat, wird es in Internetforen wieder als "das sichere Topinvestment" gehandelt: Gold.

Auf den ersten Blick scheint der Rat gerechtfertigt. "Verbuchen die Aktienmärkte Verluste, schlägt oft die Stunde für Gold", sagt Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung in Köln.

Das bekannteste Beispiel dafür ist die Finanzkrise von 2008. Während weltweit die Börsen einbrachen, schoss der Preis des Edelmetalls bis 2011 um mehr als 120 Prozent in die Höhe.

Seither allerdings ist die Notierung in der Spitze um mehr als 40 Prozent gesunken. Und trotz der immer schärferen Rhetorik von US-Präsident Donald Trump im Zoll-Konflikt fiel der Goldpreis auch in den vergangenen drei Monaten um mehr als fünf Prozent.

Auffällig ist dabei, dass Profianleger derzeit nicht sonderlich auf das Edelmetall setzen. "Der weltgrößte Gold-Indexfonds, der SDPR Gold Shares mit einer Marktkapitalisierung von zuvor 35 Milliarden US-Dollar, verzeichnete im Frühjahr Mittelabflüsse von knapp 900 Millionen US-Dollar", so Marc-Oliver Lux, Geschäftsführer der Münchner Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner.

Gold ist unproduktiv

"Die meisten Marktteilnehmer sehen darin ein Argument für weiter fallende Goldpreise", meint Lux. Goldenthusiasten hingegen werten das aktuell geringe Interesse am Edelmetall als Kontraindikator, als Zeichen, "dass das Potenzial beim Edelmetall alles andere als ausgeschöpft ist", rekapituliert Lux.

Dahinter steht die Überlegung, dass Investoren, die Gold zuletzt verkauft haben, wieder in das Edelmetall flüchten werden, wenn die Aktienkurse weiter fallen – und die dann steigende Nachfrage den Goldpreis wieder in die Höhe treiben wird.

Namhafte Profiinvestoren haben sich allerdings nie etwas aus Gold gemacht. Ein Beispiel dafür ist Warren Buffett.

Der 88jährige US-Starinvestor ist mit seiner eigenen börsennotierten Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway zum mehrfachen Milliardär geworden – und zwar, wie er selbst sagt, weil er niemals auf Gold gesetzt hat.

In seinen Augen ist das Edelmetall schlichtweg "faul": Es sei unproduktiv, werfe keine Dividende ab und obendrein müssten Anleger noch dafür bezahlen, es in Schließfächern oder Tresoren sicher zu lagern.

"Gold wird mit hohem Aufwand und hohen Kosten aus dem Boden geholt, zu Barren geschmolzen und dann in einem neuen Loch vergraben und bewacht", kommentiert Buffett ironisch.

Auch die verstorbene Börsenlegende André Kostolany hielt nichts von dem Edelmetall: "Gold taugt nicht als Anlage", erklärte der Finanzmarktexperte stetig. Zwar könne dessen Wert kurzfristig steigen, wenn die Börsen beben.

Doch anschließend falle der Preis regelmäßig wieder. Statt bei einer Krise panisch in Gold zu flüchten, sollten Anleger lieber Aktien billig einsammeln, wenn deren Kurse einbrechen, riet Kostolany: "Kaufen, wenn die Kanonen donnern."

Ähnlicher Ansicht ist auch Buffett. Er setzt auf Aktien von Unternehmen, die dauerhaft solide Gewinne einfahren und Dividenden ausschütten. Und er kauft bei Kurseinbrüchen stetig nach.

Auf das Tägliche setzen

Ein solches Beispiel ist für Buffett der US-Ölkonzern Exxon Mobil. Der schüttet nicht nur seit nunmehr 110 Jahren ununterbrochen Dividenden aus.

Das Unternehmen hat zudem die Gewinnauszahlung an seine Aktionäre seit 1984 im Schnitt um 6,4 Prozent pro Jahr angehoben. Buffett: "So eine Aktie ist definitv eine bessere Anlage als Gold".

Vergleichbare Unternehmen sind Lebensmittel- und Konsumgüterproduzenten, die Waren des täglichen Bedarfs herstellen wie Danone, Henkel, Johnson & Johnson, Procter & Gamble oder Nestlé.

Zudem setzt Buffett seit Jahren erfolgreich auf US-Eisenbahngesellschaften. Die Aktienkurse von Schienenkonzernen wie die auch an deutschen Börsen gehandelten Papiere der Union Pacific haben sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als vervierfacht. Der Grund: Waren und Rohstoffe müssen immer transportiert werden.

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