Europäische Befragung
Von Asbest bis Holzstaub: Die häufigsten krebsfördernden Stoffe am Arbeitsplatz
Eine groß angelegte Befragung der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz weist auf die häufigsten krebsfördernden Stoffe in verschiedenen Berufsgruppen hin. Die Kontrollmaßnahmen variieren dabei von Sektor zu Sektor.
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Selbstständige und Zeitarbeitskräfte sind häufiger höheren Expositionsraten gegenüber bestimmten Risikofaktoren, wie Holzstaub, Ethylenoxid und Asbest ausgesetzt.
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Bilbao. Mit bestimmten Berufen geht ein höheres Krebsrisiko einher. Grund dafür ist der regelmäßige Kontakt mit krebsfördernden Substanzen wie Industriechemikalien, prozessbedingten Substanzen oder Gemischen. Auch physikalische Risikofaktoren können eine Rolle spielen.
Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) hat die Arbeitnehmer-Expositionserhebung (WES) durchgeführt, um die wahrscheinliche Exposition von Arbeitnehmern gegenüber 24 bekannten Krebsrisikofaktoren zu schätzen (EU-OSHA 2025; online 18. Dezember).
Mit dem Ergebnis: Nahezu die Hälfte aller Personen waren in der Woche vor der Befragung mindestens einmal in Kontakt mit einem Krebsrisikofaktor. Untersucht wurde die Exposition mit folgenden Substanzen und Faktoren:
- Industriechemikalien: 1,3-Butadien, Acrylamid, Diethyl-/Dimethylsulfat, Epichlorhydrin, Ethylenoxid, Formaldehyd und Ortho-Toluidin
- Anorganischer Staub oder Fasern: Asbest und alveolengängiges kristallines Siliziumdioxid (RCS)
- Metalle: Arsen, Cadmium, Kobalt, Chrom VI, Blei und anorganische Verbindungen sowie Nickel
- Öle: Mineralöle (als Nebel)
- Verbrennungsprodukte: Abgase von Dieselmotoren (DEE)
- Lösungsmittel: Benzol und Trichlorethylen
- Strahlung: ionisierende Strahlung, künstliche ultraviolette Strahlung (UV) (einschließlich Augenbelastung) und solare UV-Strahlung (einschließlich Augenbelastung).
Die Expositionswahrscheinlichkeit wurde mit dem OccIDEAS-Tool geschätzt, wobei der Datensatz hinsichtlich seiner Repräsentativität gewichtet wurde. Die Anwendung von Kontrollmaßnahmen wurde ebenfalls erfasst.
Über 10 Prozent in „hohem Maße“ betroffen
47,3 Prozent (46,6 Millionen Personen) der Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren in der Woche vor ihrer Befragung wahrscheinlich mindestens einem Krebsrisikofaktor ausgesetzt. Etwa 11,1 Prozent waren mindestens einem Krebsrisikofaktor in hohem Maße ausgesetzt, wie aus dem Bericht hervorgeht.
Die häufigsten Expositionen betrafen ultraviolette Strahlung durch Sonne (20,8 Prozent), DEE (19,9 Prozent), Benzol (12,8 Prozent), RCS (8,4 Prozent) und Formaldehyd (6,4 Prozent). Expositionen in hohem Maße traten am häufigsten bei RCS, DEE, Holzstaub, Benzol und Formaldehyd auf.
Es wurden auch Mehrfachbelastungen erfragt: 26,1 Prozent der Arbeitnehmer waren innerhalb derselben Woche wahrscheinlich mindestens zwei Krebsrisikofaktoren ausgesetzt.
WES
Bei der Arbeitnehmer-Expositionserhebung (WES) handelt es sich um eine groß angelegte, bevölkerungsbezogene Telefonumfrage, angelehnt an ein australisches Vorgängermodell.
Zwischen September 2022 und Februar 2023 wurden über 24.000 Interviews durchgeführt, die 98,5 Millionen Arbeitnehmer aus den Ländern Deutschland, Irland, Spanien, Frankreich, Ungarn und Finnland repräsentieren.
Ansonsten variieren die Expositionsraten je nach Wirtschaftsektor. Im Durchschnitt sind Arbeitnehmer in der Forstwirtschaft und Holzgewinnung, im Bergbau von Metallerzen oder anderen Bergbau- oder Steinbruchbetrieben, in der Abfallsammlung, -behandlung und -entsorgung sowie in der Abfallverwertung und im Bauwesen mehr als zwei der 24 Krebsrisikofaktoren ausgesetzt.
Selbstständige und Zeitarbeitskräfte sind häufig höheren Expositionsraten gegenüber bestimmten Risikofaktoren (z. B. Holzstaub, Ethylenoxid, Asbest) ausgesetzt, während männliche Arbeitnehmer im Allgemeinen höhere Expositionsraten aufweisen als weibliche Arbeitnehmer. Es gibt jedoch Ausnahmen, wie zum Beispiel im Gesundheitswesen, wo Frauen eine höhere Formaldehydbelastung aufweisen.
Kontrollmaßnahmen im Bauwesen ausbaufähig
Der Einsatz von Kontrollmaßnahmen variiert stark. An Arbeitsplätzen wie wissenschaftlichen Labors und in der chemischen und pharmazeutischen Industrie berichten Arbeitnehmer über die konsequente Anwendung technischer Kontrollmaßnahmen (z. B. geschlossene Systeme, lokale Absaugvorrichtungen und persönliche Schutzausrüstung).
Bei Tätigkeiten, bei denen DEE, Benzol, RCS und Asbest zum Einsatz kommen (insbesondere im Bau- und Wartungsbereich), werden Kontrollmaßnahmen oft nur selten oder gar nicht angewendet. So gaben beispielsweise mehr als zwei Drittel der Arbeitnehmer, die bei Wartungsarbeiten an Dieselfahrzeugen DEE ausgesetzt sind, an, dass keine Schutzmaßnahmen getroffen werden.
Die Umfrage macht deutlich, dass eine verbesserte und konsequentere Umsetzung technischer, organisatorischer und persönlicher Schutzmaßnahmen gemäß der festgelegten Kontrollhierarchie dringend erforderlich ist. (help)











