Ärzte Zeitung online, 11.07.2018

Medizinstudium

Einheitlicher Auswahltest – Die Zeit läuft

Ein deutschlandweiter Verbund soll ein neues Auswahlverfahren für das Medizinstudium entwickeln. Die Vertreter verschiedener deutscher Unis haben eine eng gesteckte Frist – und drei Millionen Euro Budget.

Von Anne Zegelman

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Begehrter Medizinstudienplatz: Künftig soll ein Testverfahren für ein gerechteres Auswahlverfahren sorgen.

© Robert Kneschke / Fotolia

HAMBURG. Die Ansichten darüber, wie das ideale Auswahlverfahren fürs Medizinstudium aussehen soll, gehen weit auseinander. Die Einen wollen, dass mehr Wert auf die charakterliche Eignung gelegt wird, die anderen sehen die Abiturnote als absolut wesentlich an — dem folgte auch die Kultusministerkonferenz in ihrem Entwurf eines Staatsvertrags.

Ein Detail in diesem ganzen Komplex offener Fragen ist die Ausgestaltung von bundesweit einheitlichen Tests. Dafür zumindest liegt nun ein Zeitplan vor.

Konzept in Arbeit

Ein sogenannter Studierendenauswahlverbund (stav) aus Experten des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), der Medizinischen Fakultät Heidelberg, der Charité Berlin und der Universitäten Göttingen, Münster und Saarbrücken soll dazu ein Konzept erarbeiten.

Untersucht werden, welche Testverfahren besonders geeignet sind und wie die verschiedenen existierenden Verfahren vereinheitlicht werden können. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Arbeit des Verbunds mit drei Millionen Euro über drei Jahre.

3 Jahre hat der Studierendenauswahlverbund Zeit für die Erarbeitung eines bundesweit einheitlichen Test-Konzepts.

Hintergrund ist die von Bund und Ländern im Masterplan Medizinstudium 2020 beschlossene Neugestaltung der Auswahlverfahren und die Forderung des Bundesverfassungsgerichts nach neuen Regeln für die Studierendenauswahl.

"Neben einem Test zu kognitiven Kompetenzen sollen auch ein schriftlicher Test zur Ermittlung sozialer Kompetenzen und sogenannte Multiple Mini-Interviews zur Messung sozialer und kommunikativer Fähigkeiten weiter ausgearbeitet werden", heißt es in einer Mitteilung der Uniklinik Heidelberg. Zusätzlich zu den sechs Verbundpartnern hätten sich 20 weitere Kooperationspartner bereit erklärt, eigene Daten für den Forschungsverbund einzubringen.

"Medizinertest" als Vorbild?

Die Heidelberger können auch eigene Erfahrungen beisteuern: Die Fakultät setzt bereits seit 2007 den Test für medizinische Studiengänge (TMS) — umgangssprachlich "Medizinertest" — ein, dessen Ergebnisse neben der Abiturnote und Zusatzqualifikationen in eine hochschulinterne Rangliste zur Vergabe der Studienplätze einfließen. 60 Prozent der begehrten Plätze werden über dieses Verfahren vergeben, die anderen 40 Prozent vergibt die Stiftung für Hochschulzulassung bundesweit nach Abiturnote und Wartezeit.

Der TMS prüft Kompetenzen, die nachweislich in medizinischen Studiengängen besonders relevant sind. Damit haben schon heute im Heidelberger Auswahlverfahren auch Bewerber mit Abiturnoten oberhalb von 2,0 realistische Chancen auf einen der begehrten Studienplätze. "Wir erfüllen bereits seit über zehn Jahren in weiten Teilen die vom Bundesverfassungsgericht angemahnten Änderungen", sagt Professor Martina Kadmon, Leiterin der TMS-Koordinationsstelle.

Mit großem Interesse werden der Medizinische Fakultätentag (MFT) und die Bundesvertretung der Medizinstudierenden (BVMD) die Arbeit des Verbundes verfolgen. Beide haben vor exakt einem Jahr einen detailreichen Vorschlag zur Studienplatzvergabe erarbeitet und der Öffentlichkeit präsentiert, in dem sie ebenfalls bereits einen bundesweit einheitlichen Test fordern.

Der BVMD begrüßte am Dienstag den Auftrag des neuen Forschungsverbundes: "Die Ergebnisse des Forschungsprojektes können einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Diskussion über gerechte Auswahl der Studierenden liefern", so Peter Jan Chabiera, BVMD-Vizepräsident für Externes.

Die KMK dürfte anschließend bei der Umsetzung der Vorgaben aber nicht zu kurz springen, sagte MFT-Generalsekretär Dr. Frank Wissing der "Ärzte Zeitung" am Dienstag: "Wichtig ist, dass wir nicht mit einem Dauerprovisorium leben müssen, in dem kein Raum bleibt, auch aufwändige Auswahlverfahren durchzuführen und weiterzuentwickeln."

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