Ärzte Zeitung, 25.05.2011

Zusatzurlaub für nächtlichen Bereitschaftsdienst

ERFURT (mwo). Auch Bereitschaftsdienste zwischen 21 und 6 Uhr gelten als Nachtarbeit. Daher gibt es für nächtliche Bereitschaft auch zusätzlichen Urlaub, wie das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt zum Ärzte-Tarif der Kommunalen Kliniken entschied.

Der Tarifvertrag sieht einen zusätzlichen Urlaubstag für jeweils volle 150 Nachtstunden vor. Der Kläger, Arzt an einer gynäkologischen Klinik in Hessen, leistete 2007 720 Bereitschaftsstunden zwischen 21 und 6 Uhr. Dafür verlangte er vier Tage Urlaub. Die Klinik meinte, nur reguläre Nachtarbeit löse den Anspruch auf Zusatzurlaub aus.

Tatsächlich sei der Wortlaut des Tarifvertrags nicht eindeutig, befand nun das BAG. Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs und der daran anknüpfenden Neufassung des Arbeitszeitgesetzes gelte Nachtbereitschaft aber in vollem Umfang als Arbeitszeit.

Das müsse nicht zwangsläufig dieselbe Vergütung bedeuten, wohl aber einen angemessenen zeitlichen Ausgleich für die nächtliche Belastung. Der Ausgleich von einem Tag je 150 Nachtstunden entspreche einem Zuschlag von fünf Prozent und sei auch für Bereitschaftsdienste nicht unangemessen, so das BAG.

Da im konkreten Fall das Arbeitsverhältnis inzwischen beendet ist, muss die Klinik den Zusatzurlaub auszahlen.

Az.: 10 AZR 579/09

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Das ist bei einer Datenpanne zu tun

Bei einem Datenleck in der Praxis sind Inhaber nach der Datenschutzgrundverordnung verpflichtet, dies zu melden. Wem und wie, das erläutern Medizinrechtler. mehr »

Urologen befeuern Diskussion um Herztoddiagnostik

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie fordert große Reformen bei der Organspende. DGU-Präsident Professor Paolo Fornara erläutert im Interview, welche Neuregelungen seiner Meinung nach dringend nötig sind. mehr »