Ärzte Zeitung, 07.02.2012

Darmstädter Klinikum will sich gesund sparen

Bei ihrer finanziellen Sanierung beschreitet die Darm städter Klinik einen eigenen Weg: Sparen, aber auch ins medizinische Angebot investieren, lautet die Devise.

DARMSTADT (ine). Viele kommunale Kliniken im Rhein-Main-Gebiet schreiben rote Zahlen. Auch das Klinikum Darmstadt muss sparen - das geplante Defizit für 2012 liegt bei neun Millionen Euro. Geschäftsführer Gerhard Becker will dagegenhalten. Ein strammes Sanierungskonzept soll 2016 zu einem ausgeglichenen Jahresergebnis führen.

Das 1000-Betten-Haus wurde als Eigenbetrieb der Stadt viele Jahre nicht wirtschaftlich geführt. Unter anderem waren Rücklagen in Höhe von 40 Millionen Euro aufgelöst worden. Das operative Geschäft erwirtschaftete von Jahr zu Jahr größere Verluste. 2009 wurde der Eigenbetrieb in eine GmbH umgewandelt, deren Trägerin die Stadt ist. Im März 2010 trat Becker an, das Klinikum zu sanieren.

Er hat es mit vielen Altlasten zu tun: Das Computersystem ist veraltet, der Neubau der Klinik für Innere Medizin hatte 20 Millionen Euro mehr als geplant gekostet. Hinzu kommt, dass das Klinikum zwei Standorte hat.

Ihr Betrieb kostet pro Jahr drei Millionen Euro. Pläne, sie in einem zentralen Neubau zusammenzulegen, gibt es seit langem. Doch erst Becker hat dazu Fördermittel beim Land beantragt. 65 Millionen Euro will das Land bewilligen, 65 Millionen muss das Klinikum selbst stemmen. 2013 soll mit dem Bau begonnen werden.

Sparen und gleichzeitig das medizinische Angebot erweitern

Becker hat die Rückendeckung der Stadt. Klinikdezernent André Schellenberg (CDU) steht zur kommunalen Trägerschaft. Für den Neubau will er eine Bürgschaft über 27 Millionen Euro gewähren. Doch er weiß auch, dass sein wichtigster Bündnispartner die rund 2200 Mitarbeiter sind.

Eine seiner Hauptaufgaben ist es, der Belegschaft den "Darmstädter Weg" nahezubringen: Das heißt sparen und gleichzeitig das medizinische Angebot erweitern. Für 2012 sind etwa die Erweiterung der Neonatologie und eine Kapazitätserweiterung des Zentral-OP geplant.

Becker hat regelmäßige Foren und Mitarbeiterversammlungen etabliert. "Veränderung heißt Optimierung und Wachstum", sagt er. Das müsse bei allen Mitarbeitern ankommen.

Erste Erfolge kann Becker bereits vorweisen: Der Casemix-Index, der den Schweregrad einer Behandlung anzeigt, ist 2011 um knapp sieben Prozent gestiegen, die Zahl der Operationen um knapp zehn Prozent, die Auslastung um 1,7 Prozent.

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