Ärzte Zeitung, 28.11.2012

Kommentar

Was ist los an der Charité?

Von Angela Mißlbeck

Deutschlands Flaggschiff der Hochschulmedizin, die Berliner Charité, segelt derzeit durch die Wogen der Negativschlagzeilen. Vor nicht einmal einem Monat sorgten Keime auf der Frühchen-Station und ein Überfall auf einen Charité-Arzt für Unruhe.

Jetzt ist Europas größte Uniklinik erneut in einen Skandal verwickelt. Diesmal geht es um sexuellen Missbrauch an einer minderjährigen Patientin.

Für das Thema hat die Charité in vieler Hinsicht Expertenstatus: Sie bietet eine Beratungsstelle und ein Therapiekonzept für Täter.

Sie spielt eine zentrale Rolle im Kinderschutzkonzept des Berliner Senats, unter anderem beim verbindlichen Einladesystem zu den Früherkennungsuntersuchungen, und sie kooperiert mit zahlreichen Berliner Bezirken in Sachen Kinderschutz.

Daher ist der eigentliche Skandal, dass die Charité den Kinderschutz im eigenen Haus bislang nicht sehr groß geschrieben hat.

Angesichts der Skandal-Häufung drängt sich aber die Frage auf, was generell in der Charité los ist.

Dabei spielen viele Faktoren zusammen: Neben der schieren Größe tragen sicher auch die anhaltenden Umstrukturierungsprozesse und Sparzwänge, die Komplexität und die besondere Arbeitsverdichtung in der Unimedizin dazu bei, dass immer wieder etwas aus dem Ruder läuft.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Nach dem Missbrauch: Charité poliert Kinderschutz auf

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