Nach dem Missbrauch

Charité poliert Kinderschutz auf

Ein unsittlicher Pfleger brachte Deutschland größter Uniklinik den nächsten Skandal: Er soll mindestens ein Mädchen missbraucht haben. Jetzt steht die Klinik unter Zugzwang - sie will raus aus den Schlagzeilen.

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Charité in Mitte: Ein Konzept für den Kinderschutz soll her.

Charité in Mitte: Ein Konzept für den Kinderschutz soll her.

© Schöning / imago

BERLIN. Die Charité wird ein tragfähiges Kinderschutz- und Präventionskonzept erarbeiten.

Das hat die Berliner Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) nach einem Gespräch in ihrem Haus mit Charité-Chef Professor Karl Max Einhäupl und dem Ärztlichen Direktor von Deutschlands größter Uniklinik Professor Ulrich Frei am Dienstag angekündigt.

"Einen kurzfristigen Maßnahmenkatalog wird sie sehr schnell erstellen", so Scheeres.

Ein Pfleger in der Kinderrettungsstelle des Charité Campus Nord in Wedding soll sich vor rund zwei Wochen an einer 16-jährigen Patientin sexuell vergangen haben. Die Klinik hatte das erst eine Woche später eingeräumt.

Für ihre Informationspolitik steht sie in der Kritik. Dem Vernehmen nach hat die Klinikleitung selbst erst mit Verspätung von den Vorwürfen erfahren.

"Nachdem die Mitarbeiter in der Station offenbar schnell und richtig gehandelt haben und es auch zügig zu einer Suspendierung des Verdächtigen kam, riss dann die Informationskette ab", so Scheeres.

Meldewege sollen besser werden

Die Informationen seien nach dem heutigen Bericht nicht unverzüglich an die Leitung weitergegeben worden. "Das zeigt, dass verbindliche Verfahren für solche Fälle fehlen", diagnostiziert die Senatorin.

Die Charité-Leitung habe erklärt, dass sie die interne Kommunikation vom Kopf auf die Füße stellen werde. Scheeres bewertete das Hinzuziehen von externen Experten als richtig.

"Mithilfe des Expertenteams um Brigitte Zypries und ,Kind im Zentrum‘ müssen Verfahren und Strukturen auf den Prüfstand gestellt und der konkrete Fall ausgewertet werden.

Darauf aufbauend müssen in der Charité die Meldewege verbindlich geregelt, Zuständigkeiten klar festgehalten und weitere Maßnahmen ergriffen werden, die Prävention und Schutz stärken", so die Forderungen von Scheeres, die auch Aufsichtsratsvorsitzende von Deutschlands größter Uniklinik ist.

Ziel müsse es sein, dass die Charité ein Konzept entwickelt, dass auch für andere Krankenhäuser beispielgebend sein könne. "Hier gibt es offenbar noch Verbesserungsbedarf bei Krankenhäusern", so Scheeres weiter. (ami)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Was ist los an der Charité?

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