Ärzte Zeitung, 16.07.2013

Unimedizin Halle

Experten empfehlen radikale Schrumpfkur

Nur ein Neustart kann die Unimedizin Halle retten, sagt der Wissenschaftsrat. Die Uni reagiert empört: Sie fordert den Erhalt der Vollfakultät.

Von Sunna Gieseke

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Außenansicht der Uniklinik Halle: Jetzt muss geklärt werden, wie es mit dem Standort weitergeht.

© imagebroker/imago

BERLIN. Die Unimedizin Halle steht in der jetzigen Form vor dem Aus: Ein Neustart soll helfen, den Standort zu retten. Dazu müsste sich Halle komplett auf den Forschungsschwerpunkt Epidemiologie und Pflegeforschung spezialisieren.

Der vorklinische Studienabschnitt soll zudem nach Magdeburg verlagert werden. Das hat der Wissenschaftsrat am Montag in Berlin vorgeschlagen. Vorausgegangen ist eine Evaluation der Universitätsmedizin in Halle, Auftraggeber der Studie war das Land Sachsen-Anhalt.

"Es ist intensiv diskutiert worden, ob man den Standort Halle halten kann", sagte Professor Wolfgang Marquardt, Vorsitzender des Wissenschaftsrates, bei der Vorstellung der Studie. Der Vorschlag sei eine "Flucht nach vorne", um den Standort zu erhalten.

Aus Sicht des Wissenschaftsrates sind die harten Einschnitte notwendig: Die Unimedizin in Halle stehe vor großen strukturellen Herausforderungen. Insbesondere sei es dem Standort trotz erheblicher Anstrengungen bisher nicht gelungen, ein klares wissenschaftliches Profil zu entwickeln, betonte Marquardt.

Auch in Bezug auf Forschungsqualität und -quantität zeigte sich der Wissenschaftsrat unbeeindruckt: Der Standort sei weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Deutliche Strukturveränderungen seien daher "unausweichlich", betonte Marquardt.

Der Forschungsbereich Onkologie an dem Standort sei zum Beispiel "nicht konkurrenzfähig". Ein Schwerpunkt solle daher auf die Pflegewissenschaft gelegt werden. Das könnte ein bundesweites Alleinstellungsmerkmal der Unimedizin Halle werden, prognostizierte Marquardt.

Für den vorklinischen Ausbildungsabschnitt empfiehlt der Wissenschaftsrat eine Verlagerung an den zweiten hochschulmedizinischen Standort in Sachsen-Anhalt nach Magdeburg.

So könnte neben der Weiterentwicklung des Forschungsschwerpunktes auch die Qualität der Lehre und Krankenversorgung gewährleistet bleiben, so der Wissenschaftsrat.

Die Universitätsmedizin Halle fordert hingegen den Erhalt einer Vollfakultät. Andernfalls entstünde "eine Rumpf-Fakultät ohne Entwicklungschancen", heißt es in einer Mitteilung der Unimedizin Halle.

Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates seien nicht nachvollziehbar und gefährdeten die Überlebensfähigkeit des Standortes. Die Rekrutierung von akademischem Führungspersonal werde zum Beispiel extrem erschwert bis nahezu unmöglich.

Zudem bedeutete die Empfehlung des Wissenschaftsrates de facto eine Reduktion von Medizinstudienplätzen in Sachsen-Anhalt.

Sollte der vorklinische Ausbildungsabschnitt nach Magdeburg verlegt werden, müssten die Studienplätze dort von derzeit 195 auf 425 erhöht werden. Das sei jedoch nicht realisierbar, heißt es in der Stellungnahme der Uni. (Mitarbeit: bee)

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