Ärzte Zeitung, 25.10.2013

2012

15,7 Millionen Operationen Deutschland

WIESBADEN. In Deutschlands Krankenhäusern ist im vergangenen Jahr so oft operiert worden wie nie zuvor. Rund 15,7 Millionen Eingriffe zählt das Statistische Bundesamt für 2012, wie das Amt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte.

Das waren rund 300.000 Eingriffe mehr als 2011. Wieso die Zahl der Operationen seit Jahren steigt, ist nach Angaben der Statistiker unklar.

Wie schon im Jahr zuvor entfielen 41,9 Prozent der Eingriffe auf Menschen über 65 Jahre. Sie bekamen meist künstliche Hüftgelenke eingesetzt oder wurden am Darm operiert. Bei den 45- bis 64-Jährigen spielten Gelenk-Operationen und der Meniskus die größte Rolle.

Bei Frauen bis zu 44 Jahren hatten die meisten OPs mit einer Entbindung zu tun; bei Männern wurden am häufigsten Probleme mit der Nase behoben. Bei Kindern wurden meist die Mandeln im Hals entfernt und das Trommelfell durchstochen.

Der GKV-Spitzenverband geht von einer hohen Zahl medizinisch unnötiger Eingriffe aus - auch, weil es ein Überangebot an Krankenhausbetten gebe. Allein mit der Überalterung der Gesellschaft sei der Anstieg nicht zu erklären, sagte ein Sprecher des GKV-Spitzenverbandes in Berlin.

Dem widersprach die DKG: Die Zahlen aus Wiesbaden seien ein Beleg für den Bedarf an Klinken. (dpa)

[26.10.2013, 14:48:31]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
OP-Tisch- und DRG-fernes Kaffeesatzlesen?
Dass die Sozialversicherungs-Spezialisten des Spitzenverbandes Bund (SpiBu) in Ihrer OP-Tisch-Ferne von medizinisch unnötigen Eingriffen beim Überangebot an Krankenhausbetten ausgehen, ist naiver Empirismus. Vergleichbar könnte man mit einem Überangebot von Einmalwindeln auch die Geburtenrate steigern?

1. ist gerade die Zahl der chirurgischen Akutbetten seit 25 Jahren nicht zuletzt wegen massiv reduzierter Verweil- und Liegezeiten (z.B. "fast-track"-Eingriffe) verringert worden.
2. sind viele neue OP-Techniken (z. B. Hybrid-OP's, minimal-invasive Interventionen) hinzugekommen.
3. rund 300.000 Eingriffe mehr als 2011 bedeuten bei 15,7 Millionen Eingriffen in 2012 (destatis.de) einen Anteil von 1,911 Prozent.
4. der SpiBu hatte geradezu spitzbübisch die Einführung von DRG-Finanzierungen (diagnosis-related groups) für Operationen gefordert. Da ein-zeitig mögliche, doppelseitige Operationen (z. B. Leistenhernien, Ohr-Eingriffe, gefäßchirurgische Interventionen bei p-AVK usw.) nicht mehrvergütet werden, führt man viele Eingriffe nur noch zwei-zeitig mit erneuter Krankenhauseinweisung durch.

Sonderentgelte für große, aufwändige Maximalchirurgie sind hiervon natürlich ausgenommen. Dass aber ein Steigerungsanteil von nur 1,911 Prozent n i c h t mit der Überalterung der Gesellschaft und mit erhöhten Ansprüchen an Lebensqualität und Teilhabe zu erklären sei, lässt nur darauf schließen, dass der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes in Berlin zu jung zum Kopfrechnen ist.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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