Ärzte Zeitung, 28.05.2014

Besondere Leistungen

Brustzentren haben Anspruch auf Extra-Honorar

Für besondere Leistungen, die nicht von den Fallpauschalen erfasst sind, stehen zertifizierten Brustzentren Zuschläge zu.

KÖLN. Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) hat jetzt auf einen Schlag sechs Klagen von Kliniken und Kassen aus NRW gegen Schiedsstellenentscheidungen aus 2006 entschieden.

Dabei ging es um Zuschläge, die drei als Brustzentren zertifizierte Kliniken für diese besonderen Aufgaben zugesprochen worden waren. Die Träger wollten höhere Zuschläge, die Kassen dagegen gar keine zahlen.

Das BVerwG hat jetzt klargestellt, dass der besondere Versorgungsauftrag der Zentren sich auch im Entgelt niederschlagen muss. Dabei sei die Zuschlagfähigkeit der entsprechenden Leistungen nicht daran gebunden, dass die Leistungen unmittelbar der stationären Behandlung des einzelnen Patienten dienen.

"Ein Zentrum kann Zuschläge für solche Leistungen beanspruchen, die im Rahmen des pauschalierenden Entgeltsystems nicht durch Fallpauschalen oder andere Vergütungen (Zusatzentgelte, sonstige Entgelte) abgegolten werden, weil der Finanzierungstatbestand nicht in allen Krankenhäusern vorliegt", teilte das BVerwG mit. Es muss sich aber um stationäre Leistungen handeln, ambulante sind von der Zuschlagsfähigkeit ausgenommen.

Das Oberverwaltungsgericht NRW, das den Kliniken Zuschläge nur für Tumorkonferenzen und Psychoonkologie zugestanden hatte, muss jetzt auch weitere Leistungspositionen auf ihre Zuschlagfähigkeit prüfen.

Die Kliniken hatten unter anderem Brustsprechstunden, Patienten- und Mitarbeiterbefragungen, die Kosten der Zertifizierung oder strukturierte Fortbildungen in Anschlag gebracht.

Seitens der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) wird die Entschscheidung als "wegweisend" bezeichnet. "Wir begrüßen das Urteil vom Grundsatz her", sagt KGNW-Geschäftsführer Matthias Blum der "Ärzte Zeitung".

Wenn von den Krankenhäuser besondere Voraussetzungen und zusätzliche Leistungen verlangt werden, dann müsse sich das auch in der Vergütung niederschlagen. Das Prinzip gilt nach Blums Einschätzung nicht nur für Brustzentren, sondern auch für andere Bereiche. (iss)

Urteile des Bundesverwaltungsgerichtes, Az.: 3 C 8.13, 3 C 9.13, 3 C 12.13, 3 C 13.13, 3 C 14.13, 3 C 15.13

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Diabetikern wird der HbA1c-Wert nicht oft genug kontrolliert

Eigentlich sollten Ärzte mindestens zweimal im Jahr den HbA1c-Wert bei Typ-2-Diabetikern bestimmen. Bei jedem vierten Patienten messen sie ihn aber nur einmal oder gar nicht. mehr »

Weg frei für GroKo-Gespräche und Nachverhandlungen

Es war eine Zitterpartie: Weniger als 60 Prozent der SPD-Delegierten auf dem Parteitag stimmten Gesprächen zur Bildung einer große Koalition zu. Nun soll weiterverhandelt werden – auch in Sachen Gesundheit. mehr »

Beunruhigend hohe Zahlen in der Altenpflege

Altenpflegekräfte fehlen fast doppelt so oft wegen psychischer Erkrankungen wie andere Beschäftigte, heißt es im länderübergreifenden Gesundheitsbericht für Berlin und Brandenburg. mehr »