Ärzte Zeitung online, 18.08.2015

Transparenz und Qualitätsboni

Strategie für kranke Kliniken

Gravierende Schwächen in der stationären Versorgung hat die Unternehmensberatung Roland Berger festgemacht. Sie empfiehlt bessere Transparenz und eine qualitätsabhängige Vergütung.

Von Helmut Laschet

MÜNCHEN. 40 Prozent der deutschen Krankenhäuser arbeiten in der Verlustzone. Im europäischen Qualitätsranking ist die stationäre Versorgung von Platz drei im Jahr 2005 auf Platz 14 im Jahr 2012 nach dem Euro Health Consumer Index gesunken.

Die Ergebnisqualität ist "signifikant heterogen": So liegt die Komplikationsrate nach Implantation eines künstlichen Hüftgelenks im besten Fall bei null Prozent, im schlechtesten Fall bei 18 Prozent. Die Mortalitätsrate nach Herzinfarkt beträgt im besten Viertel der Kliniken 13 Prozent, im schlechtesten Viertel 25 Prozent.

Vor dem Hintergrund dieser Daten empfiehlt Roland Berger Strategy Consultants in einer am Dienstag veröffentlichten Studie ein neues System der Qualitätstransparenz und der qualitätsorientierten Vergütung.

Die von AQUA entwickelten Indikatoren seien erhebungsaufwendig, erlaubten aber keinen Vergleich der Kliniken und würden dementsprechend nicht genutzt.

"Es mangelt an Transparenz, Verständlichkeit und Bekanntheit. Es findet keine Selektion nach Qualität statt - Aspekte wie Nähe, Reputation oder Komfort sind entscheidend für die Wahl eines Krankenhauses", heißt es.

Qualitätsorientierte Vergütung erst in Pilotprojekten testen

Stattdessen plädiert Roland Berger für die Verwendung der Sozialdaten der Krankenhäuser (German Inpatient Quality Indicators) mit kompletten Mortalitäts- und Komplikationsraten bei der stationären Behandlung und Nutzung der Sozialdaten der Kassen, die die Nachverfolgung von Patienten in Bezug auf Mortalität und Wiederaufnahmeraten erlauben.

Das ermögliche eine klinikübergreifende Qualitätsbewertung in Bezug auf bestimmte Leistungsbereiche oder Indikationen. Wesentlich sei ein leicht bedienbares Public Reporting Portal mit hoher gesellschaftlicher Reichweite.

Nachgewiesene Qualitätsverbesserungen könnten dann durch eine qualitätsorientierte Vergütung gesondert honoriert werden. Dies solle aber zunächst in Pilotprojekten mit einem repräsentativen Mix verschiedener Kliniken getestet werden.

Krankenkassen sollten die Möglichkeit erhalten, mit Selektivverträgen zu experimentieren, um zu beurteilen, wie die Versorgungsqualität durch monetäre und nicht monetäre Anreize beeinflusst werden kann. In eine ähnliche Richtung gehen die Pläne für die Krabkenhausreform.

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