Ärzte Zeitung, 03.05.2016
 

Notaufnahme

Kliniken gehen Wartezeitenproblem an

Deutsche Krankenhäuser wollen die Arbeitsprozesse optimieren, um Patienten schneller zu versorgen.

STUTTGART. Neu eingetroffene Patienten verbringen in 32 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland nicht selten mehrere Stunden in der Notaufnahme, bis sie beispielsweise geröntgt werden. Und nur jedem fünften Krankenhaus gelingt es, das Patientenaufkommen über den Tag und während der Woche so zu verteilen, dass extreme Wartezeiten die Ausnahme bleiben.

Dies geht aus einer Umfrage hervor, für die das Unternehmen Porsche Consulting im Dezember 2015 und Januar 2016 insgesamt 60 Ärzte, Verwaltungs- und Pflegedirektoren an deutschen Krankenhäusern befragt hat.

Bei deutschen Kliniken steige demnach die Bereitschaft, ihre Organisation und in der Folge die Reputation zu verbessern. Die Mehrzahl der Kliniken wolle die besonders häufig kritisierten organisatorischen Mängel so schnell wie möglich beseitigen, heißt es.

Acht von zehn Einrichtungen hätten es sich zum Ziel gesetzt, die Abläufe im Klinikalltag zu optimieren. Angesetzt werden solle dabei vor allem bei den Ursachen für unnötige Wartezeiten.

Zwei Drittel der deutschen Krankenhäuser seien nicht oder nur bedingt in der Lage, ihren Patienten am Tag der Aufnahme einen Wochenplan mit allen relevanten Aktivitäten und Ansprechpartnern auszuhändigen.

Doch nicht nur die Koordination geplanter Behandlungen und die zeitgleiche Versorgung von Notfällen mache den Krankenhäusern bei meist angespannter Personalsituation und entsprechend hoher Arbeitsbelastung zu schaffen. Auch ungünstige Rahmenbedingungen am Standort kosteten unnötige Zeit und stellten einen überflüssigen Aufwand dar.

Laut der Umfrage geben sechs von zehn Krankenhäusern selbstkritisch an, dass lange Wege und Transportzeiten innerhalb ihrer Einrichtung die Arbeit erschweren und Schuld an Verzögerungen tragen, die die Patienten zu spüren bekommen.

Um herauszufinden, wie der Klinikaufenthalt angenehmer gestaltet werden könne, befragten inzwischen 73 Prozent der Krankenhäuser mindestens einmal im Jahr ihre Patienten.

Die verantwortlichen Krankenhausmanager nutzten die Ergebnisse, um aus Fehlern zu lernen. Einheitliche Arbeits- und Vorgehensweisen, unter anderem in der Diagnostik, bei Therapien und der Verordnung von Medikamenten, würden nicht nur das medizinische Personal entlasten, sondern auch die Qualität der Behandlung erhöhen und dem Patienten während seinem Aufenthalt so mehr Transparenz und Sicherheit gewähren, sagt der bei Porsche Consulting für die Studie Verantwortliche Dr. Roman Hipp. (maw)

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