Ärzte Zeitung online, 11.07.2017
 

Operationssaal

TU sucht neue Technik für keimfreie Luft

BERLIN. Eine zuverlässig keimfreie und dennoch energieeffiziente Belüftung für Operationssäle wird derzeit an der Technischen Universität Berlin (TU) entwickelt. Das Forschungsvorhaben, das mit 800.000 Euro vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, sucht Alternativen zu den etablierten TAV-Deckenfeldern, die bisher vorgeschrieben sind. Theoretisch ist das Einsparvolumen gigantisch: Alle 4800 OP-Säle in Deutschland würden zusammen 84 Gigawattstunden weniger verbrauchen. Das ist fünfmal soviel Strom wie der Schienenverkehr in Deutschland pro Jahr verbraucht, teilt die TU mit. Mit den TAV-Decken gelingt es trotz hohen energetischen Aufwands zur Luftbeförderung, Be- und Entfeuchtung sowie Lufttemperierung den Angaben zufolge nicht, den notwendigen Schutz vor Keimen bei Operationen am OP-Tisch zu gewährleisten. Das liegt laut Projektleiter Professor Martin Kriegel daran, dass die Raumluftströmung durch Geräte und OP-Personal gestört wird. Dadurch breche die Verdrängungsströmung im Wundbereich über dem OP-Tisch zusammen. "Der Schutz vor dem Eindringen von Keimen und Partikeln ist nicht mehr gegeben", so Kriegel.

Das Forschungsprojekt beginnt mit einer Gefährdungsanalyse. Potentielle Quellen und typische Verbreitungswege von Keimen über die Raumluft in OPs werden systematisch untersucht. Auf dieser Basis soll die Luftführung optimiert werden. Die Forscher gehen davon aus, dass dann die Luftmenge in OP-Sälen auf ein Drittel der bisherigen reduziert werden kann, während gleichzeitig der Schutz verbessert wird. Ausführungs- und Handlungsempfehlungen für die Umsetzung ihrer Neuentwicklung wollen sie zusammen mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) und der Berliner Uniklinik Charité erarbeiten.(ami)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Fettsäurehypothese bei MS erhält neue Nahrung

Ist eine ungesunde Ernährung einer der Gründe, weshalb manche Menschen an MS erkranken? Es mehren sich jedenfalls Hinweise für einen entscheidenden Einfluss auf die Darmflora. mehr »

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

6000 Euro Strafe für Informationen über Abtreibung

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hat das Amtsgericht Gießen am Freitag eine ortsansässige Allgemeinärztin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. mehr »