Ärzte Zeitung online, 15.11.2017
 

Analysten raten

Kliniken sollten Schnittstellen frühzeitig nutzen

Beim Krankenhaustag wird derzeit auch über mehr Geld für Kliniken für Digitalisierung und für Pflege diskutiert. Eine aktuelle Untersuchung zeigt allerdings: Auf das Gesamtkonzept der strategischen Entwicklung eines Hauses kommt es an.

Von Hauke Gerlof

DÜSSELDORF. Werden die Krankenhäuser tatsächlich Mittel in Milliardenhöhe für die Digitalisierung von der nächsten Bundesregierung erhalten? Für eine Antwort auf diese, auch beim Krankenhaustag in Düsseldorf diskutierte Frage ist es noch zu früh. Nicht zu früh ist es dagegen, wenn sich die Kliniken schon jetzt für die durchlässiger werdenden Sektorengrenzen und für die entstehenden Schnittstellen wappnen, zum Beispiel im Entlassmanagement und bei Kooperationen.

Darauf hat Michael Gabler, Bereichsleiter Firmenkunden der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank), aus Anlass des Krankenhaustages im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" verwiesen. Die apoBank hat vor kurzem zusammen mit dem Beratungsunternehmen Andree Consult in einer Untersuchung die zentralen Herausforderungen in der stationären Versorgung analysiert.

Dazu gehörten ganz sicher die Themen Sektorengrenzen, Betriebsorganisation, Digitalisierung und Patientenerwartung. Die Etablierung eines MVZ oder alternativ eines Ärztehauses auf dem Klinikgelände zahle auf alle vier Punkte ein, so Gabler.

Ein solches Projekt lässt sich "nicht nebenbei" realisieren, glaubt Gabler. Zu viele Fragen müssten dafür geklärt werden – etwa die Positionierung der Einrichtung auf dem Grundstück, die Kommunikation mit den Ärzten der Umgebung, die Finanzierung, das Management eines solchen Ärztehauses oder MVZ, oder auch die Vermietung von Flächen an selbstständige Ärzte, die dann in dem Zentrum arbeiten. "Gerade die finanzielle Komponente wird häufig unterschätzt", so Gabler. Viele Ärzte, die durchaus mit der Idee eines Umzugs aufs Klinikgelände sympathisieren, hätten noch langfristige Mietverträge, die gegebenenfalls abzulösen seien, um das Projekt zu beschleunigen.

Ist das Ärztehaus oder MVZ dann realisiert, könne die Klinik die Erwartungen der Patienten erfüllen, eine sektorübergreifende Versorgung der kurzen Wege sicherzustellen. Das Einweisermanagement werde durch ein solches Zentrum stark erleichtert, und die Ärzte hätten zudem viel bessere Möglichkeiten, in kombinierten Teilzeitmodellen zugleich in Klinik und Praxis zu arbeiten als bei größeren Entfernungen. Sehr wichtig sei es, die Finanzierung eines solchen Vorhabens, "passgenau zu verknüpfen mit dem Gesamtkonzept der strategischen Entwicklung", so Gabler. Helfen könne, ein größeres Vorhaben intern transparent darzustellen und in einem gesamthaften Businessplan zusammenzuführen. Gabler: "Dann fällt auch die Diskussion mit der finanzierenden Bank deutlich leichter."

Ähnlich sei es auch mit anderen strategischen Vorhaben: Ein Praxisbeispiel der Untersuchung ist die Speisenversorgung. Die könne durch Modelle, ähnlich wie beim Catering in der Luftfahrt, mit modularen Komponenten, die dann individuell zubereitet würden, effizienter gestaltet werden. Das ermögliche einen guten Service, hohe Flexibilität bei der Zubereitung, und es vermeide eine Auswahl der Speisen Tage im Voraus. Dadurch entstünden in der Küche freie Kapazitäten, die von den Mitarbeitern dort für den Kontakt mit Patienten genutzt werden könnten – was wiederum die Pfleger entlaste. Auch hier gehe es darum, das Vorhaben intern transparent durchzuplanen und erst dann die Finanzierung zu fixieren.

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