Ärzte Zeitung online, 19.07.2019

Frauenmilchbank

Muttermilch spenden jetzt in Hessen möglich

In Hessen hat die erste Frauenmilchbank des Landes eröffnet – mit einem für Deutschland bisher „einzigartigem Modell“.

FRANKFURT/MAIN. Die erste Frauenmilchbank Hessens hat am Universitätsklinikum Frankfurt ihre Arbeit aufgenommen. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg-Hessen und des Universitätsklinikums Frankfurt, ko-initiiert durch eine Anschubfinanzierung der Kinderhilfestiftung der Stadt und den Frankfurter Förderverein zur Bekämpfung von Tumorerkrankungen.

Die richtige Ernährung der Frühgeborenen sei einer der Meilensteine in den Behandlungserfolgen der Neonatologie, erklärt Professor Thomas Klingebiel, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Uniklinikums Frankfurt. „Schon seit vielen Jahren ist bewiesen, dass Frühgeborene, die die Milch ihrer eigenen Mutter erhalten, weniger Komplikationen haben. Auch die neurologische Entwicklung ist besser.“

Für die Frauenmilchbank arbeiten Neonatologie und Blutspendedienst eng zusammen – „ein bisher einzigartiges Modell in Deutschland“, wie Professor Erhard Seifried, Ärztlicher Direktor des DRK-Blutspendedienstes, anlässlich der Eröffnung betonte.

In der Neonatologie würden stillende Mütter angesprochen, die mehr Milch zur Verfügung haben als für das eigene Kind erforderlich. Der Aufklärungsprozess, die Anleitung zur Spende und die Blutabnahme für ein Spenderscreening erfolgten ebenfalls in der Neonatologie.

Nach der Registrierung als Spender versorge dann der Blutspendedienst die stillende Mutter mit etikettierten Milchfläschchen und Transporttaschen. Der Blutspendedienst holt die eingefrorene Frauenmilch aus der Neonatologie ab und führt eine optische Kontrolle durch.

Die Frauenmilchspende unterliegt dabei den gleichen strengen Kriterien wie eine Blutspende. Die Milch wird anschließend in Portionen von circa 50 Millilitern abgefüllt und pasteurisiert. Dadurch würden die in der Frauenmilch enthaltenen Bakterien effizient abgetötet, die für die positive Wirkung auf das unreife kindliche Verdauungssystem wichtigen Oligosaccharide blieben jedoch weitestgehend erhalten. Derzeit gibt es in Deutschland 23 Frauenmilchbanken. (mu)

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