Ärzte Zeitung online, 25.08.2017
 

Schweiz

Export treibt MedTech-Branche an

Die Schweizer Medizintechnikbranche floriert. Wie eine aktuelle Branchenstudie zeigt, entpuppen sich dabei aber die Bereiche Innovation und Marktzugang als die größten Herausforderungen der Unternehmen.

Von Matthias Wallenfels

ZÜRICH/BERN. Die Schweizer Medizintechnikindustrie erwirtschaftete 2015 einen Umsatz in Höhe von 14,1 Milliarden Franken – 800 Millionen Franken mehr als noch im Vorjahr. Dass 2015 das Exportgeschäft der Branche auf 10,6 Milliarden Franken kam, zeigt die hohe Bedeutung der Auslandsmärkte für die 1350 eidgenössischen Medizintechnikunternehmen. 45 Prozent der Exporte gehen in die Top-Destinationen USA und Deutschland, insgesamt entfallen 80 Prozent der Ausfuhren auf die zehn Spitzendestinationen. Über die vergangenen Jahre hinweg wies die Schweizer Medizintechnikindustrie ein konstantes Umsatzwachstum von rund sechs Prozent pro Jahr auf, wie aus der jetzt veröffentlichten Branchenstudie der Organisation Swiss MedTech hervorgeht.

Anders als andere Branchenberichte behandle die Studie die ganze Wertschöpfungskette der Schweizer Medizintechnikindustrie. An der Umfrage beteiligten sich demnach Hersteller, Zulieferer, spezialisierte Dienstleister und Handelsunternehmen aus allen Kantonen der Alpenrepublik.

Wettbewerbsvorteil Innovationsstärke

Die Schweiz konkurriert im weltweiten Wettbewerb laut Branchenbarometer vor allem mit Deutschland, Irland, den USA und Singapur. "Wesentliche Wettbewerbsvorteile der Schweiz sind der Zugang zu hoch qualifizierten Fachkräften sowie das innovationsstarke Umfeld", heißt es.

Als die größten Herausforderungen benennen die MedTech-Unternehmen den Bereich Innovation und Marktzugang – dazu zählen der Erhalt der Innovationsfähigkeit, Qualitäts- und Dokumentationsanforderungen, aber auch Hürden bei der Produktzertifizierung. Dies sei als Reaktion auf den steigenden Kostendruck zu sehen, welcher die Unternehmen dazu zwinge, sich über Innovation zu differenzieren. Als weitere große Herausforderungen sehen die Unternehmen unter anderem das Finden geeigneter Fachkräfte sowie den ungünstigen Wechselkurs vieler Währungen von Exportzielländern gegenüber dem Schweizer Franken an.

Zulassung: Steigende Komplexität

Die Medizintechnik bildet laut Studie zusammen mit der Arzneimittelindustrie (Pharma und Biotechnologie) den Kern der Life Sciences. Seit einigen Jahren sei ein immer engeres Zusammenspiel beider Branchen erkennbar – so beispielsweise bei Medikamentenabgabesystemen, der Diagnostik oder bei aktiven, funktionalen Oberflächen. Die Zunahme gesetzlicher Anforderungen zwinge sowohl die MedTech- wie auch die Pharmaindustrie, sich mit den ständig neuen Richtlinien und Normen vertraut zu machen. Somit steige nicht nur die technische, sondern auch die regulatorische Komplexität in den Life Sciences, was die Schweizer Unternehmen jedoch als Chance für sich nutzen könnten. Bis zu 15 Jahre vergingen von der Produktentwicklung bis zum Eingang in die Swiss DRG und damit die Kassenvergütung.

Harmonisierung

- Konformitätsbewertungen: Seit 1996 gelten in der Schweiz dieselben Anforderungen an den Marktzutritt und die Produktüberwachung von Medizinprodukten wie in der EU. Basis ist eine bilaterale Vereinbarung mit der EU.

- Revision der Medizinprodukteverordnung: Der freie Warenverkehr mit den EU-Handelspartnern setzt gleiche Rechtsordnungen voraus. Im Zuge der vor Kurzem novellierten EU-Medizinprodukteverordnung muss die Schweiz daher ihre Regulierung dahingehend anpassen. Das Bundesamt für Gesundheit, das Staatssekretariat für Wirtschaft und der Branchenverband Swissmedic haben die Arbeiten zur Revision der Schweizer Medizinprodukteverordnung bereits aufgenommen, heißt es von Unternehmensseite.

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