Ärzte Zeitung online, 15.11.2017
 

Fokus Innovation

Taiwans MedTech-Branche strebt in die Erste Liga

Qualität und Kostenvorteil – mit diesen beiden Argumenten wollen Taiwans Medizintechnikhersteller Ärzte für ihre Geräte- und Softwarelösungen begeistern.

Taiwans MedTech-Branche strebt in die Erste Liga

Die Handelsförderungsorganisation TAITRA bot bei der Medica fünf innovativen taiwanesischen MedTech-Unternehmen eine Bühne. Matthias Wallenfels

DÜSSELDORF. In vielen Industriezweigen, auf denen die Medizintechnikbranche basiert, genieße Taiwan einen echten Wettbewerbsvorteil. Aus diesem Grund könnten taiwanesische Anbieter hochwertige Medizingeräte weitaus günstiger entwickeln und herstellen als Wettbewerber aus den USA oder Europa.

Wie Shang-Yu Chen, der Stellvertretende Repräsentant der Taipeh-Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland, am Montag vor Journalisten hervorhob, sieht Taiwan gute Marktchancen für seine Medizintechnikbranche – auch und gerade in den hochentwickelten, aber kostensensitiven Gesundheitssystemen.

Im vergangenen Jahr waren die USA MedTech-Exportmarkt Nummer eins – 26 Prozent aller Ausfuhren der taiwanesischen Branche gingen dorthin –, gefolgt von Japan (16 Prozent) und China (neun Prozent). Der deutsche Markt rangierte mit einem Anteil von sechs Prozent auf dem vierten Platz.

Fördergelder und günstige Vorschriften

Chen betonte, dass die taiwanesische Regierung die Medizintechnikbranche mit Fördergeldern und günstigen Vorschriften für die Entwicklung von Innovationen und neuen Technologien unterstütze.

Infolgedessen hat sich der Schwerpunkt der Medizintechnikbranche in Taiwan von der reinen Produktion hin zu Forschung & Entwicklung und Innovation verschoben, wie die halbstaatliche Handelsförderungsorganisation Taiwan External Trade Development Council (TAITRA) im Vorfeld ihrer Pressekonferenz am Montag informierte.

In den vergangenen Jahren habe Taiwan demnach maßgebliche Fortschritte in der Erforschung und bei der Entwicklung medizinischer und chirurgischer Lösungen einschließlich nicht-invasiver Erkennungsmethoden und minimalinvasiver chirurgischer Anwendungen gemacht.

Die Medica nutzte TAITRA als Bühne für fünf (Jung-)Unternehmen, die beim diesjährigen Taiwan Excellence Award für ihre medizintechnischen Innovationen ausgezeichnet wurden.

Der vom Bureau of Foreign Trade und TAITRA initiierte Wettbewerb soll nach eigenen Angaben den Aufstieg Taiwans in die weltweite Riege der Qualitätshersteller in Bezug auf Produktinnovation, Design und Fertigung darstellen und repräsentiere die höchsten Standards, die taiwanesische Produkte erfüllen müssten, um auf dem globalen Markt konkurrenzfähig zu sein und um ihren Produkten einen hohen Innovationswert zu verleihen.

Neuartige Medizin-Brille

Der Arzt und Sprecher des Unternehmens Taiwan Main Orthopedic Biotechnology Dr. Min-Liang Wang präsentierte ein smartes OP-Brillen-System für orthopädische Navigations-Op. Nach seinen Angaben handelt es sich dabei um die weltweit erste medizinischen Brille, die die sogenannten Calculation-Camera-Image-Positions- und Mixed-Reality-Technologien verwende.

Die medizinische Brille stelle dem Operateur Gewebe und Knochen des Patienten simultan auf dem Bildschirm dar. Dies ermögliche es dem Chirurgen, sich auf den Patienten zu fokussieren, ohne den Kopf wenden zu müssen, um auf einen weiteren Bildschirm schauen zu können.

Die Bilder sollen, so Wang, zu einer wesentlich verkürzten Op-Zeit führen, zu einer höheren Fehlerfreiheit beitragen und die Röntgen-Häufigkeit reduzieren.

Der Anbieter EPED stellte mit seiner Lösung "Retina" ein Echtzeit-Navigationssystem für Gehirn- und Gesichtsschädel-Op. So könnten Ärzte minimalinvasive chirurgische Behandlungspfade entwickeln.

Unter anderem der Vermeidung unnötiger Thyreoidektomien hat sich das Unternehmen AmCad BioMed verschrieben. Laut Firmengründer Peter Wu verfügt das Unternehmen über das erste von der FDA zugelassene CADe-Gerät zum Einsatz gegen Schilddrüsentumoren.

MedicalTek wirbt mit einer Lösung um die Gunst der Ärzte, mittels derer Aufnahmen von 2D-Endoskopen in 3D-Stereo-Abbilder umgewandelt werden. Der Endoskop-Halteroboter des Anbieters Hiwin soll als dritte Hand Ärzte bei laparoskopischen Eingriffen entlasten, so Assistant Vice President Cyrus Tong. (maw)

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