Ärzte Zeitung, 29.04.2008

Stiftung prescht vor mit Notfallakte im Internet

Rettungsleitstellen haben Zugriff auf Patientendaten und leiten sie an Notärzte weiter

BERLIN (ami). Mit einer elektronischen Notfallakte will die Björn- Steiger-Stiftung die Rettungsmedizin verbessern. Die Akte soll zum Einsatz kommen, wenn Notfallpatienten sich nicht mitteilen können.

"Wenn ich als Notarzt die wichtigen medizinischen Informationen schnell habe, hilft das signifikant, die Notfallversorgung zu verbessern", sagte Dr. Stefan Gromer, Notarzt und Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin, bei der Vorstellung der elektronischen Notfallakte.

Die Akte wird von den Patienten selbst im Internet erstellt oder über eine kostenpflichtige Servicenummer telefonisch angelegt. Sie können angeben, bei welcher Krankenkasse sie versichert sind, wer ihr behandelnder Arzt ist und welche Vorerkrankungen und Arzneiunverträglichkeiten bestehen. "Der Patient kann seinem behandelnden Arzt zeigen, was er eingetragen hat, um sicher zu gehen, dass alles stimmt", so Frank Warda vom kooperierenden Software-Hersteller InterComponentWare.

Datenaustausch mit der E-Card soll möglich sein

Die Notfallakte mit dem Namen Lifesensor ist webbasiert und mit Passwort und PIN geschützt. Sie kann nur von Rettungsleitstellen abgerufen werden. Die Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern können nach Angaben der Björn-Steiger-Stiftung prüfen, wer wann welche Daten abgerufen hat. Die Notfalldaten werden von der Rettungsleitstelle an den Notarzt im Einsatz übermittelt. Solange die Notärzte nicht mit Computern und Netzzugängen ausgestattet sind, erfolgt die Übermittlung telefonisch per Handy.

Mit der Notfallakte nimmt die Stiftung in Kooperation mit dem Software-Hersteller eine wichtige Funktion der elektronischen Gesundheitskarte vorweg. Wenn die E-Card kommt, soll ein Datenaustausch gewährleistet sein. Eine weitere Verbesserung der Rettungsmedizin strebt die Stiftung derzeit mit der Weiterentwicklung des seit Ende 2006 bestehenden Systems zur Handy-Ortung von Notfallpatienten an.

Handys ohne GPS sollen noch schneller geortet werden

Neue Technik soll eine noch genauere Ortung bei Handys ohne GPS ermöglichen. "Wir hoffen, dass wir diese Technologie bis zum Jahresende haben", so Pierre-Eric Steiger. Die Handy-Ortung hat sich nach seinen Angaben bereits bewährt. "Nahezu alle sieben Minuten wird in Deutschland ein Handy von einer Notrufzentrale geortet", sagte Steiger.

Ärzte können Flyer und Plakate bestellen: 07 11 / 94 56 21 16, www.steiger-stiftung.de,

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wenn Einsamkeit krank macht

Ein Alterspsychotherapeut warnt: Ältere Männer sind besonders häufig suizidgefährdet. Einsamkeit ist ein Grund dafür. mehr »

Diabetes-Experten sind besorgt

Schon bald könnten mehr Lebensmittel "schlechten Zucker" enthalten. Für die Industrie wird der Einsatz von Isoglukose profitabler. mehr »

PKV bekennt sich zur Innovationsoffenheit

Wird es mit der neuen GOÄ erschwert, Privatpatienten neue Leistungen anzubieten? Vom PKV-Verband kommt dazu ein klares Dementi. mehr »