Ärzte Zeitung, 26.01.2012

Datenschutzfalle Praxis-Monitor

PC-Monitore in der Arztpraxis bergen eine oft unterschätzte Gefahr: Die Bildschirmdaten lassen sich auch von der Seite einsehen. Privacy Filter können das Datenschutzproblem beheben.

Von Rebekka Höhl

Datenschutzfalle Praxis-Monitor

Freistehende Monitore am Praxis-Empfang laden Patienten dazu ein, Daten - auch anderer Patienten - einzusehen.

© Klaus Rose

Für viele Praxen kein seltenes Bild: Gerade haben die Medizinischen Fachangestellten (MFA) die Tür geöffnet, schlängeln sich auch schon die ersten Patienten um die Anmeldung.

Und selbst wenn sie einen gewissen Diskretionsabstand halten, lehnen sie schon, kaum sind sie an der Reihe, über dem Tresen, bevor die MFA am Empfang auch nur einen Hauch einer Chance hatte, die Daten des vorhergehenden Patienten am PC zu schließen.

Da hilft nur eines, um den strengen Datenschutzanforderungen an die Praxis gerecht zu werden: aufrüsten - egal ob baulich oder technisch.

Risikofaktor modern und offen gestaltete Räume

Denn die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung schreiben in ihren "Empfehlungen zur ärztlichen Schweigepflicht, Datenschutz und Datenverarbeitung in der Arztpraxis" ganz klar vor, dass der Arzt gewährleisten muss, "dass sowohl im Empfangsbereich als auch in den Behandlungsräumen unbefugte Dritte keinen Zugriff (Einblick) in die Patientendaten erhalten" dürfen.

Bildschirme seien daher so aufzustellen, dass sie nur vom Arzt und dem Praxispersonal eingesehen werden können. Doch das ist gerade bei modernen Tresen-Gestaltungen etwa mit Rundtresen, die die Räume optisch auflockern sollen, aber auch bei Tresen, die um die Ecke gehen und Patienten somit die Möglichkeit geben, sich doch so an den Tresen zu lehnen, dass sie den PC-Bildschirm im Blick haben, nicht so einfach.

Abhilfe können Tresenerhöhungen oder kleine Umbauten um den PC-Bildschirm schaffen. Wer auf Nummer sicher gehen will, nutzt - am besten in Kombination - folgende Varianten: einen Sichtschutzfilter für den PC-Bildschirm sowie einen passwortgeschützten Bildschirmschoner, der sich automatisch einschaltet, wird der Rechner länger nicht genutzt.

Letztere Variante sollte auch im Behandlungszimmer genutzt werden. Wobei der Zeitraum, wann der Bildschirmschoner anspringt, nicht zu kurz gewählt werden sollte.

Am Empfang sind fünf Minuten Leerlauf für den Rechner empfehlenswert. Denn: Wird der Zeitraum kürzer eingestellt, könnte es sein, dass die MFA - weil das ständige Eintippen des Passwortes nervig wird - den Bildschirmschoner irgendwann wieder ausschaltet.

Schutzfilter reduziert Einsichtswinkel auf 30 Grad

Im Behandlungszimmer hingegen, wo Patienten nur einzeln Zutritt erhalten, könnte der automatische Bildschirmschoner auch erst nach 15 Minuten oder etwas später aktiviert werden - zumal der Arzt ja auch einige Minuten mit Anamnese-Gespräch und Untersuchung verbringt und nicht dauerhaft am Rechner sitzt. Hier könnte auch gänzlich auf den automatischen Bildschirmschoner verzichtet werden und dafür - warten Patienten länger alleine im Sprechzimmer auf den Arzt - der Rechner per Hand gesperrt werden, bevor ein neuer Patient den Raum betritt.

Viel heikler ist das Thema Datenschutz jedoch am Empfang. Weil hier einfach mehr Augen um den Bildschirm herumstehen. Deshalb sollte im Empfangsbereich zusätzlich auf die Sichtschutzfilter beziehungsweise Privacy Filter zurückgegriffen werden.

Bei den Filtern handelt es sich um eine Art Kunststoffblatt oder -folie, das/die mithilfe von kleinen Haltelaschen, beidseitig klebenden Stickern oder zum Teil Rahmen in der Farbe des Monitors auf dem Bildschirm angebracht wird. Das Anbringen per Haltelasche oder Rahmen hat den Vorteil, dass sich der Filter schnell ein- und ausstecken lässt. Das ist vor allem bei Laptops interessant.

In der Regel reduzieren die Filter den Einsichtswinkel des Bildschirms von den Seiten und von oben auf 30 Grad - so dass Patienten, die am Tresen stehen, kaum die Möglichkeit haben, die Daten am Bildschirm zu erkennen.

Nicht der Preis, sondern der Zusatznutzen entscheidet

Die Privacy Filter gibt es für fast jede Bildschirmgröße, und kostenmäßig hält sich die Anschaffung auch in Grenzen. So kostet der Hewlett- Packard (HP) 14-Zoll Privacy Screen rund 56 Euro. Aber auch die Varianten für 19-Zoll-Monitore, die in den Praxen gängiger sein dürften, sprengen nicht gleich das Budget: Der Kensington LCD-Sichtschutzfilter 19-Zoll liegt etwa bei 84,99 Euro, der 15-Zoll Laptop-Sichtschutzfilter bei 60,99 Euro. Etwas günstiger ist der 19-Zoll Targus Privacy Filter, der 79,90 Euro kostet.

Für den 3M Privacy Filter 15,6-Zoll müssen Praxen rund 85 Euro zahlen. Es gibt aber auch von hsw3000 (4ProTec Blickschutz), Griffin, Dicota und Crumpler Sichtschutzfilter. Dabei gewähren alle Filter einen Einsichtwinkel von 30 Grad, die Wahl des richtigen Filters hängt also eher von Preis und Zusatznutzen ab.

Einige Filter reduzieren nämlich gleichzeitig auch die Blendwirkung und die statische Aufladung des Bildschirms und damit die Staubablagerung. Schaden kann es zudem nicht, wenn auf ISO-Standards und das Erfüllen von Arbeitsschutzrichtlinien geachtet wird.

Wer sich eine Übersicht verschaffen will oder nach günstigeren Preisen sucht, sollte auch einen Blick auf die Websites von Hardware-Händlern wie Bechtle (www.bechtle.de) werfen.

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