Ärzte Zeitung, 27.01.2014

Darauf sollten Praxen achten

So wird die Tastatur nicht zur Keimschleuder

Der Tod lauert zwar nicht in der Tastatur, sagt eine Infektionsexpertin. Trotzdem sollte das PC-Zubehör einen festen Platz im Hygieneplan der Praxis haben.

Von Rebekka Höhl

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Wenigstens einmal am Arbeitstag - und zwar nach Arbeitsschluss - sollte die Tastatur gereinigt werden.

© Michael Schütze / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Computer-Tastaturen haften in Sachen Hygiene nicht der beste Ruf an. Sie haben ständigen Kontakt mit Händen - in der Arztpraxis meist sogar mit den Händen verschiedener Nutzer. Und gerade in den Tastenzwischenräumen sammelt sich schnell Schmutz an, dem nur schwer Herr zu werden ist.

Kein Wunder also, dass das Robert Koch-Institut bereits 2010 in einem Infoblatt die PC-Tastaturen als "Sonderfall unter den schwierig zu reinigenden/desinfizierenden Hautkontaktflächen" einstufte. Doch wie können Praxen Schmutz, Bakterien und Co zielsicher zu Leibe rücken, ohne die sensible Technik zu beschädigen?

Mit den üblichen Flächendesinfektionsmitteln dürfe man an das Computer-Zubehör natürlich nicht ran, sagt Dr. Birgitte Lisiak, Expertin für Infektionsschutz bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW).

Aber sie gibt auch Entwarnung: "Der Tod lauert nicht in den Tastaturen." Jeder Gegenstand, der häufig mit den Händen berührt werde, sei mit Bakterien besetzt. "Auf den Tastaturen findet sich dasselbe Keimspektrum wie auf Türklinken."

Wichtig für die Praxisteams ist vielmehr, dass sie - zu ihrem eigenen Schutz - nach entsprechenden Patientenkontakten, bei denen sie mit Erregern in Kontakt kommen könnten, darauf achten, gewisse Hygieneregeln einzuhalten.

"Alles, was an den Händen der Medizinischen Fachangestellten haftet, sammelt sich auch auf der Tastatur. Generell ist es also eher eine Frage der internen Gefährdungsbeurteilung und des Hygienemanagements in der Praxis", erklärt Dr. Lisiak.

Jede Praxis sollte einen eigenen Hygieneplan und darin enthalten auch einen Reinigungs- und Desinfektionsplan haben. In diesem sollte zum einen festgehalten werden, nach welchen Arbeitsschritten und Kontakten eine Händedesinfektion zu erfolgen hat.

Aber eben auch, wer wann die Tastatur reinigt. Da das Gefährdungspotenzial bei guter Praxishygiene insgesamt eher gering ist, reicht es laut Lisiak, werktäglich nach Beendigung des Arbeitstages einmal auch die Tastatur zu reinigen. "Man muss aber klären, wer es macht", so Dr. Lisiak.

Industrie denkt mit

Auch wenn die Technik auf die herkömmlichen Desinfektionsmittel in der Praxis eher allergisch reagiert, ist die Reinigung von Tastatur und Computer-Maus alles andere als aufwändig. Lisiak: "Die Industrie stellt uns praktische, angefeuchtete Reinigungstücher zur Verfügung."

In der Tat gibt es verschiedene Unternehmen, die Spenderdosen mit gebrauchsfertigen, desinfizierenden Tüchern anbieten, die sich direkt am PC-Arbeitsplatz aufstellen lassen. Diese gibt es nicht nur relativ günstig - für drei bis fünf Euro je 100 Stück - über den Handel für Bürobedarf oder Computer, sondern zum Teil auch in Drogerien.

Eine Alternative können spezielle PC-Hygienesprays sein, die meist mit einem Mikrofasertuch aufgetragen werden und sich wie die Tücher übrigens auch für Tablet-PC oder Touchscreens eignen.

Wer die Tastatur besonders gründlich, also auch in den Zwischenräumen reinigen will, der kann sich ebenfalls über den Handel für Bürobedarf oder Computer sogenannte Tastaturreinigungssets besorgen, die zusätzlich zum Reinigungsmittel noch spezielle Reinigungsstifte für die Tastenzwischenräume beinhalten.

"Für besonders gefährdete Bereiche gibt es zudem Schutzhüllen, die man über die Tastatur stülpt", erklärt Dr. Lisiak abschließend.

Die IT-Hersteller haben sich aber noch mehr für den sensiblen medizinischen Arbeitsbereich einfallen lassen. So gibt es bereits Tastaturen mit glatter Glas- oder Silikonoberfläche, die sich problemlos mit den im Klinikbereich üblichen Desinfektionsmitteln reinigen lassen und völlig auf die Tastenzwischenräume verzichten.

Cleankeys oder die AK-C 8100 Serie von Medical Key sind Beispiele dafür. Die Silikontastaturen und -mäuse von tci sind laut Hersteller sogar tauchdesinfizierbar.

Aber nicht nur Tastaturen, auch der Einsatz der modernen Tablet-PC erfordert entsprechende Hygienemaßnahmen in der Praxis. Insbesondere dann, wenn die Tablets auch für Patientenschulungen eingesetzt werden und so durch noch mehr Hände gehen.

Hier ist es sinnvoll, die Geräte direkt nach der Schulung mit einem desinfizierenden PC-Reinigungstuch zu säubern. Dabei tummeln sich übrigens auch im Tablet-Markt bereits Anbieter, die rundum verschlossene und desinfizierbare Geräte bereitstellen, so etwa Motion Computing® oder Elo Touch Solutions.

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